Unternehmen
Milliardenverluste und Staatsgarantien: Einschnitte bei Siemens Energy
Christian Bruch verdeutlicht die Dimension des Krisenfalls. „Wir haben den größten Auftragsbestand in der Energietechnikindustrie, ein Gelingen der Energiewende wird Siemens Energy brauchen“, betont der Chef des Dax-Konzerns bei einer denkwürdigen Bilanzvorlage in München. Bis zum Vorabend hatten Bund und Banken, Siemens Energy und Mutter Siemens verhandelt, um überlebenswichtige Staatsgarantien zu sichern. Letzte Details sind immer noch offen, das zeigten Bruchs Antworten. Kern ist eine Bürgschaft des Bundes über 7,5 Milliarden Euro.
Problem Onshore-Windkraft
Als Konsequenz aus dem eskalierten Dauerdesaster erwägt Bruch zunächst eine Reduzierung des Geschäfts mit Windturbinen an Land (Onshore), wo sich die Probleme konzentrieren. „Wenn ein Bereich so viel Geld verliert, muss man die Strategie hinterfragen“, hat der Manager nach dreijähriger Talfahrt erkannt. Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr 2022/23 (30. September) betrug der Verlust bei 31 Milliarden Euro Umsatz netto 4,6 Milliarden Euro, nachdem schon in Vorjahren rote Zahlen zu Buche standen, wenn auch geringere.
Künftig will Siemens Energy nicht mehr die ganze Welt mit Onshore-Windkraftanlagen beliefern. „Europa wird ein Schlüsselmarkt sein und auch die USA“, meinte Bruch. Asien kommt in dieser kurzen Aufzählung nicht mehr vor. Auch technologisch werde Siemens Energy wohl nicht mehr alle heutigen Varianten an Windturbinen anbieten. Aus welchen Regionen und Produkten man sich genau zurückzieht, wird am Dienstag vor Börsianern enthüllt.
Wegen Qualitätsmängeln Neuplanungen nötig
Dazu kommt, dass Siemens Energy ohnehin das Neugeschäft mit der aktuellsten Onshore-Windturbinengeneration 5X ausgesetzt hat. Vor allem dort sind Qualitätsmängel an Blättern und Getrieben aufgetreten, die jüngste Milliardenverluste mitverursacht haben und nun technische Neuplanungen nötig machen.
Was heißt das für die Auslastung in den Fabriken und für das Personal? Klammert man das ungefährdete Service-Geschäft aus, sind dort in der Fertigung in Spanien, Portugal und außerhalb Europas rund 7000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Auslastung in den Fabriken werde zurückgehen, räumt Bruch ein. Aber man könne auch von einem Rekordauftragsbestand zehren, der konzernweit inklusiver fossiler Geschäfte bei 112 Milliarden Euro liegt.
In Deutschland, wo 26.000 von weltweit 96.000 Beschäftigten für Siemens Energy arbeiten, gibt es keine Fabriken für Onshore-Turbinen. Vor allem in Spanien, wo das Geschäft bei der erst jüngst vollständig übernommenen Krisentochter Siemens Gamesa angesiedelt ist, sieht das ganz anders aus. Dort wurden schon viele Stellen gestrichen.