Wirtschaft
MD Medicus baut Service weiter aus
Die im Jahr 2010 gegründete Libify GmbH hat sich darauf fokussiert, bundesweit älteren Menschen mit technischen Innovationen ein sicheres und selbstständiges Leben zu ermöglichen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Softwareentwickler und Hausnotrufbetreiber mit derzeit 35 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 9 Millionen Euro. Bis Jahresende soll die Anzahl der Kunden auf bundesweit 40.000 steigen. Die MD Medicus-Holding, die als Pionierin der telefonischen Gesundheitsberatung in Deutschland gilt, erweitert damit ihr Angebot an Hilfe- und Serviceleistungen „noch einmal erheblich“, betont Jochen Müller, der in der Holding das operative Geschäft verantwortet. So könnten Hausnotruf-Kunden künftig auch mit dem Telearzt Kontakt aufnehmen, der rund um die Uhr zur Verfügung stehe.
Betreuung per Telemedizin
MD Medicus ist seit mehr als 30 Jahren aktiv und bietet seinen Kunden im In- und Ausland ein breites Angebotsspektrum medizinischer Serviceleistungen, etwa im Bereich Telemedizin mit Gesundheitsberatung inklusive Videosprechstunde. Darüber hinaus organisiert die Unternehmensgruppe mit mehr als 300 Beschäftigten, darunter etwa 175 am Stammsitz in Ludwigshafen, die Versorgung von Touristen und Geschäftsreisenden in allen Ländern, bietet chronisch Kranken telemedizinische Betreuung, Pflegeberatung und Reha-Management. MD Medicus beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 90 (Fach-)Ärzte mit mehrjähriger Berufserfahrung und weitere Beschäftigte aus medizinischen Ausbildungsberufen.
Zu den Offerten von Libify gehören sowohl stationäre als auch mobile Hausnotrufsysteme. Mittels GPS-Tracking sei die Sicherheit von Senioren auch außerhalb der eigenen vier Wände gewährleistet, sagt Geschäftsführer Jochen Müller: „Insbesondere nachts und an den Wochenenden außerhalb der üblichen Sprechzeiten der Arztpraxen ist dies eine große Erleichterung und verhindert unnötige Wege in die ohnehin stark belasteten Notaufnahmen der Krankenhäuser“. Zu den Innovationen von MD Medicus gehört ein Verfahren, mit dem via App wichtige Parameter, wie etwa Blutdruckwerte, automatisch an den Telearzt weitergeleitet werden. Erreichen die Werte einen kritischen Bereich, kontaktiere der Arzt die betreffende Person. Damit sei es möglich, gefährliche Situationen abzuwenden, sagt Müller.
„Diese Investitionen in eine bessere und umfassende Versorgung zu Hause sehen wir auch als gesellschaftliche Verpflichtung“, betont MD-Medicus Geschäftsführer Frank Ratzlaff, der die strategischen Ziele der Holding verfolgt. Zwar könne die Unternehmensgruppe die sich abzeichnenden Defizite an Pflegeplätzen und Pflegepersonal nicht wettmachen, „aber wir können uns umfassend daran beteiligen, einer immer älter werdenden Gesellschaft mit unseren technischen Entwicklungen und als weltweit agierendes Unternehmen in der Telemedizin zu einem würdigen, selbstbestimmten Leben zu Hause zu verhelfen“, betonte Ratzlaff.
Durch das Zusammenlegen der Services beider Unternehmen sei eine umfassende Betreuung zu Hause entstanden, sagte Pascal Schmidt, Geschäftsführer von Libify. So werde „das ermöglicht, was sich die meisten Menschen wünschen, nämlich so lange wie möglich in ihrem vertrauten häuslichen Umfeld zu bleiben“, ergänzt Schmidt.
Um die neuen Serviceleistungen für Hausnotruf-Kunden und den dadurch erwarteten Zuwachs an Kunden bewältigen zu können, schafft das Unternehmen weitere Arbeitsplätze und sucht dafür 25 bis 30 Mitarbeiter im kaufmännischen und medizinischen Bereich. Da der Libify-Standort in München dafür nicht ausreiche, sollen diese in Ludwigshafen angesiedelt werden. Dafür habe die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) ihre Unterstützung angeboten, sagte Ratzlaff.
Rückgang in Corona-Krise
Die Unternehmensgruppe mit inzwischen 23 Tochtergesellschaften hatte die Corona-Pandemie auch heftig zu spüren bekommen. Zwar war die Nachfrage am Telefon drastisch gestiegen – statt der rund 5000 Gespräche waren es bis zu 8000 am Tag – und auch die Videosprechstunde wurde stärker genutzt. Weil aber weder Urlaubs- noch Geschäftsreisen möglich waren, ging entsprechend die Hilfegesuche verletzter oder hilfebedürftiger Personen in der Zeit zurück – um 90 Prozent. Entsprechend brachen auch die Umsätze ein. Waren es 2019 noch rund 22 Millionen Euro, setzte die Holding 2022 18 Millionen und im vergangenen Jahr 21 Millionen Euro um. Für das laufende Geschäftsjahr – nicht zuletzt auch durch die Übernahme von Libify – erwartet die MD-Medicus-Gruppe einen Umsatz von etwa 32 Millionen Euro.
Nach dem Kauf der Libify GmbH hat MD Medicus bereits den nächsten Expansionsschritt im Blick. In der griechischen Universitätsstadt Thessaloniki wollen die Ludwigshafener einen weiteren Standort eröffnen. Den sechsten – nach Ludwigshafen, München (Stadt und Flughafen), Frankfurt, Altenburg bei Leipzig sowie Mallorca. Die Anzahl der Beschäftigten solle zum Jahresende bei 345 liegen.