Einzelhandel
Marktplätze mit zunehmender Bedeutung für Händler
So hat – wie aus jüngsten Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) hervorgeht – das Abholen online oder per Telefon vorbestellter Ware im Geschäft (Click & Collect) „immens an Bedeutung gewonnen“. Gleichzeitig hätten die Umsätze stationärer Händler aus dem Verkauf über Online-Marktplätze großer Plattformanbieter zugelegt. Im vergangenen Jahr erzielten Händler in Deutschland über Click & Collect einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro, das entspreche einem Anteil von mehr als 6 Prozent am gesamten Online-Umsatz 2020 von 73 Milliarden Euro – ein Zuwachs von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wachstumstreiber im Onlinegeschäft seien Lebensmittelhändler sowie Bau- und Gartenmärkte gewesen. Das geht aus dem aktuellen Online-Monitor hervor, den das Kölner Institut für Handelsforschung für den HDE erstellt hat.
„Die Abholung vorbestellter Waren half vielen Händlern dabei, die Lockdowns zumindest ein wenig abzufedern“, heißt es beim Gesamtverband HDE in Berlin. So liege etwa die Umsatzeinbuße beim Termin-Einkauf bei 50 Prozent, müssen Kunden einen negativen Coronatest vorweisen, lägen die Einbußen sogar bei 60 Prozent.
Auch in der Pfalz ist dieses Angebot stark ausgeweitet und von vielen Kunden genutzt worden, sagt Thomas Scherer Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Rheinland-Pfalz. Vor allem größere Unternehmen, wie Elektronikhändler, hätten davon Gebrauch gemacht, während kleine, inhabergeführte Geschäfte auf das Einkaufen mit vorheriger Terminvereinbarung setzen – was aktuell nach den Vorgaben der Bundes-Notbremse bei einer 7-Tages-Inzidenz zwischen 100 und 150 erlaubt ist. Liegt der Wert der Neuinfektionen binnen sieben Tagen darüber, ist nur das Abholen vorbestellter Ware möglich.
Über mögliche Öffnung froh
Als „Riesenschritt nach vorne“ bezeichnete Scherer die Entscheidung der Mainzer Landesregierung, dass ab dem heutigen Mittwoch alle Geschäfte in Rheinland-Pfalz öffnen dürfen und eine Testpflicht entfällt – sofern die 7-Tage-Inzidenz in einer Stadt oder einem Landkreis unter 100 liegt. Der Branchenverband hatte seit Wochen bundesweit eine Öffnungsperspektive gefordert und darauf hingewiesen, dass angesichts strenger Hygienekonzepte in den Geschäften die Gefahr einer Ansteckung minimal sei.
Schub durch Plattformen
Laut Online-Monitor kennen mittlerweile 75 Prozent der 1500 repräsentativ befragten Internetnutzer den Abholservice. 44 Prozent der Befragten gaben an, diesen Service 2020 mindestens einmal genutzt zu haben. Die größten Umsatzanteile haben dabei Verbraucherelektronik/Elektrogeräte (27 Prozent), Mode und Accessoires (21 Prozent) sowie Freizeit und Hobby (15 Prozent). Der Anteil des Click & Collect-Services am gesamten Online-Umsatz lag 2020 bei 6,4 Prozent. Das Angebot, vorbestellte Ware im Geschäft abzuholen, könne „auch nach Corona eine gute Rolle spielen“, sagte Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands HDE. So hätten 58 Prozent der Befragten angegeben, auf diese Art und Weise einzukaufen, auch wenn die Beschränkungen im Handel wieder aufgehoben werden.
Einen großen Umsatzschub von mehr als 40 Prozent oder 9,5 Milliarden Euro habe es auch beim Verkauf über Online-Plattformen gegeben. Die Aktivitäten der stationären Händler im Online-Handel stiegen 2020 weiter an: 45 Prozent sind nun auch im Internet vertreten. Gleichzeitig sinke allerdings die Anzahl der Händler mit eigenem Online-Shop.
Deutlich gewachsen ist das Onlinegeschäft mit Lebensmitteln – um knapp 60 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Der Anteil des Online-Lebensmittelgeschäfts am Gesamtmarkt liegt nun bei mehr als 10 Prozent; stationär bei 44 Prozent. Und noch eine Überraschung bietet der Online-Monitor: Der Anteil der Onlineshopper, die 60 Jahre und älter sind, wuchs um 16 Prozent . Damit nutzt jede(r) Vierte in dieser Altersgruppe die Möglichkeit des Online-Einkaufs.