Autos im Blick
Lexus LM 350h: Rollende Wellness-Oase
Die viersitzige Version ist eine Wellness-Oase, die dem Luxus auf Langstreckenflügen in gehobenen Buchungsklassen wohl kaum nachsteht.
Wie exklusiv ein Transport mit dem 5,13 Meter langen Lexus LM ist, ist schon daran zu erkennen, dass vergangenes Jahr in Deutschland nur 181 Exemplare davon neu zugelassen wurden. Ein knappes Drittel davon waren Viersitzer, deren Listenpreis 154.000 Euro beträgt. In Asien, wo es eine Fülle betuchter Menschen gibt, denen zum Beispiel eine S-Klasse mit langem Radstand zu beengt erscheint, ist der Absatz weitaus größer. Allein in Japan waren die Verkäufe zuletzt rund 32-mal höher als hierzulande.
Vierzylinder und E-Motoren
Schon der erste Blick auf das Antriebssystem des japanischen Raum-Schiffs verrät, dass es bei der Beförderung von Passagieren nicht um Spurtstärke oder Kurvendynamik geht. Lexus setzt auf ein Hybridsystem, wo ein 2,5-Liter-Vierzylinder von zwei Elektromaschinen unterstützt wird. Sie besitzen eine Nennleistung von 174 kW (236 PS). Der Output des Gesamtsystems wird mit 184 kW (250 PS) angegeben, was angesichts von gemessenen 2390 Kilogramm Leergewicht des Testfahrzeugs gerade noch auskömmlich erscheint. Die Kraft wird durch ein stufenloses Getriebe an alle vier Räder übertragen und die maximale Geschwindigkeit liegt bei 190 km/h.
Bei 130 km/h wurde im Fond des Testwagens ein Schallpegel von mehr als 62 dB gemessen, hervorgerufen durch einen Mix aus Motor- und Windgeräuschen. Da der Großteil der Testkilometer auf Kurzstrecken mit entsprechend großem Elektroanteil zurückgelegt wurde, blieb der Verbrauch bei erfreulichen 6,8 Litern /100 km (WLTP 7,2 L) .
Nicht immer Wohlklang
Dass der Klang nicht immer so souverän wie das Fahrerlebnis ist, liegt auch an dem stufenlosen Getriebe, das seine Abneigung gegen hohe Motordrehzahlen immer wieder beim Niederdrücken des Gaspedals kundtut. Die anschwellende Rotation der Kurbelwelle wird unverzüglich hörbar, während der Geschwindigkeitszuwachs auf sich warten lässt. Dieser sogenannte Gummiband-Effekt hat CVT-Getriebe in Europa nie so richtig populär werden lassen. Das Gegenteil im Stadtverkehr: Ruhiges, entspanntes Gleiten bestimmt die Wahrnehmung – und die Erforschung der üppigen Ausstattungsdetails gewinnt Oberhand.
Privatsphäre wird großgeschrieben, weshalb die getönten Seiten- und Dachfenster mit zusätzlichen Jalousien versehen sind und auch die schmale Durchreiche zum Fahrerplatz mit einer abtönbaren Scheibe geschlossen werden kann. Das Abtönen hat den Vorteil, dass die fahrende Person im Innenspiegel keine Reflexionen der Heckscheibe sieht und sich voll auf das Digitalbild der rückwärtigen Kamera konzentrieren kann. Je nach Sonnenstand und Einfallswinkel der Strahlen kann es aber passieren, dass die Trennscheibe selbst zum Produzenten von Spiegelbildern wird.
Navi mit Schwächen
In der Regel kennen die Chauffeure ihre Wege, falls nicht, werden sie feststellen, dass es der Kartengrafik des Navigations-Systems an Kontrast und Detailtiefe gebricht. Regelmäßige Überprüfung von Updates ist im Hinblick auf Sperrungen und Umleitungen angeraten, denn mit der automatischen Aktualisierung hat es im Falle unserer Testfahrten wiederholt nicht geklappt.
Passagiere können sich auf ihren beheiz- oder kühlbaren Wohlfühl-Sesseln räkeln, die eine Polsterbreite von mehr als 50 Zentimetern haben; sie surren sich mittels diverser Elektromotoren vielleicht in Liegeposition und gönnen sich dabei noch eine 15-Minuten-Massage. Vielleicht greifen sie auch nach einer Erfrischung aus dem Kühlschrank vor ihnen. In das frostige Fach passen zwei Champagnerflaschen, es wäre aber besser mit einer Schubladen-Öffnung zu handhaben als mit der Klappe.
Bequemes Arbeiten
Wer die Fahrt zum Arbeiten nutzen will, schält sein Laptop-Tischchen aus der Armlehne, wer nach Ablenkung sucht, streamt sich Videos auf den 48-Zoll großen HD-Bildschirm. Auf ihm können parallel auch unterschiedliche Inhalte eingespielt werden. Zur Steuerung gibt es zwei handygroße Fernbedienungen, die auch die beiden 14-Zoll-Monitore steuern, die aus der Dachkonsole ausgefahren werden können. Das eigene Smartphone ruht derweil in den Ladeschalen, die neben jedem Sitz zu finden sind. Dass Klima, Luftqualität und Beleuchtung individuell angepasst werden können, ist ebenso selbstverständlich wie die HiFi-Qualität aus 23 Lautsprechern.
Das Gepäckfach fasst 752 Liter; die Ladekante ist niedrig. Aber Obacht: Die elektrische Klappe öffnet nur bis zu einer lichten Höhe von 1,81 Metern.