Wirtschaft Legales Marihuana in den USA: Zwischen Boom und Bangen

Legaler Milliarden-Markt: Verschiedene Sorten Marihuana werden in einem Geschäft in Santa Cruz, Kalifornien, verkauft.
Legaler Milliarden-Markt: Verschiedene Sorten Marihuana werden in einem Geschäft in Santa Cruz, Kalifornien, verkauft.

Der Markt wächst rasant – Zukunft dennoch ungewiss

Legales Marihuana ist in Nordamerika ein Milliardengeschäft – Analysten schätzen, dass der Markt 2017 um satte 33 Prozent auf fast 10 Milliarden Dollar (8,4 Mrd Euro) gewachsen ist. Und in dem mit Abstand bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat Kalifornien geht der Cannabis-Rummel jetzt erst richtig los. Dennoch ist die Zukunft der Branche nach wie vor ungewiss. Während Kalifornien Cannabis zu Jahresanfang nicht nur zu medizinischen Zwecken, sondern ganz allgemein freigegeben hat, bleibt die Droge unter dem Bundesgesetz verboten. Obwohl die Legalisierung auf Ebene der Bundesstaaten rapide voranschreitet, steht die Marihuana-Industrie deshalb weiterhin vor großen rechtlichen Hürden und Risiken. Eigentlich hatten die Marihuana-Farmer in Kalifornien 2017 eine Rekordernte einfahren wollen, um sich für die vollständige Öffnung des größten US-Marktes zu rüsten. Doch verheerende Waldbrände haben seit Oktober große Teile der Ernte vernichtet. Und das ist nur eines der Probleme in der Branche. Solange das Bundesgesetz Cannabis verbietet, machen Banken, Versicherer und Finanzdienstleister einen Bogen um Geschäfte mit der Industrie. Für Unternehmer ist es deshalb nicht nur schwer, an Kredite zu kommen. Häufig können sie für ihre Firmen nicht einmal Konten eröffnen. Dadurch wird der legale Marihuana-Handel mit fast allem, was daran hängt, in den USA bislang nahezu vollständig über Bargeld abgewickelt. Das ist ein großer Nachteil. Denn bei vielen Unternehmen stapeln sich Geldberge. Das erfordert teure Sicherheitsdienste, Tresore und Geldtransporter. Solange Washington die Droge nicht auf Bundesebene freigibt, nutzt es nicht viel, dass 29 US-Bundesstaaten sie inzwischen zu medizinischer Nutzung oder ganz legalisiert haben. Zudem ist weiterhin unklar, welche Linie die Regierung von Donald Trump in Sachen Marihuana verfolgt. Traditionell ließ das Weiße Haus den Bundesstaaten weitgehend freie Hand bei der Regulierung – das ist jedoch nicht in Stein gemeißelt. Da der vermeintliche „Goldrausch“ darüber hinaus immer mehr neue Unternehmer anlockt und Bundesstaaten die Geschäfte heftig besteuern, sind auch die Gewinnspannen unter Druck geraten. Dem Fachportal „Herb“ zufolge ist der Preis pro Pfund im kalifornischen Anbaugebiet Humboldt County seit 2014 von 1000 bis 1500 auf teilweise nur noch 500 Dollar gefallen. Lokale Medien berichten bereits, dass sich etliche alteingesessene Marihuana-Farmer aus dem Markt zurückziehen. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Geschäft mit legalem Marihuana in Nordamerika weiter kräftig boomt. Weil weitere große Märkte Cannabis legalisieren – neben Kalifornien steht auch Kanada in den Startlöchern – prognostiziert das Analysehaus Arcview, dass das Marktvolumen bis 2021 auf 24 Milliarden Dollar steigt.

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