Wirtschaft Kommentar: Schwieriger Weg aus dem Schlamassel
Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla muss nun als Bahn-Manager die jahrzehntelangen Versäumnisse der deutschen Bahnpolitik ausbaden.
Der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla ist nicht gerade ein Sympathieträger. Allerdings erkennen auch viele, die ihn nicht unbedingt mögen, an, dass er ein Polit-Profi mit ungewöhnlichem Verhandlungstalent ist. Dass es in der Kohlekommission trotz völlig konträrer Positionen letztlich zu einer Einigung kam, ist wohl nicht zuletzt sein Verdienst. Allerding ist erstaunlich, dass Pofalla für Nebentätigkeiten wie die Kohlekommission Zeit hat, denn in seinem Hauptjob als Infrastrukturchef der Deutschen Bahn (DB) hat er eigentlich mehr als genug zu tun. Dort spitzt sich die Situation immer mehr zu – nicht zuletzt wegen Fehlentscheidungen der Vergangenheit, die Pofalla maßgeblich mit zu verantworten hat. Der eklatanteste Fall ist dabei das Milliardengrab Stuttgart 21, das nun knappe Eigenmittel der DB in Anspruch nimmt, die an derer Stelle dringend gebraucht würden. Pofallas Hauptaufgabe ist jetzt, den Eigentümer Bund (und das heißt vor allem frühere Politikerkollegen mit Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze) davon zu überzeugen, dass sie wesentlich mehr Geld in das Schienennetz stecken müssen, um die jahrzehntelangen Versäumnisse der Vergangenheit zu reparieren. Anerkennenswert ist, dass Pofalla offenbar verstanden hat, dass sich gerade mit kleinen Maßnahmen, die in der Vergangenheit bei Politikern als nicht prestigeträchtig und deshalb unattraktiv galten, einiges verbessern lässt. Vielleicht gelingt es ihm, seinen Ex-Politikerkollegen klar zu machen, dass der Weg aus dem Verspätungsschlamassel zu einem großen Teil aus vielen kleinen Schritten besteht.