Wirtschaft Kommentar: Mehr an Fahrgäste denken

Wegen knapper Mittel versucht die Deutsche Bahn, möglichst billig zu bauen. Deswegen kommt es häufiger als nötig zu Totalsperrungen von Strecken.
Baustellen entwickeln sich immer mehr zu einem zentralen Ärgernis im deutschen Bahnverkehr. Davon können auch Bahnkunden in der Pfalz ein Lied singen. Dass die Ost-West-Hauptstrecke durch die Pfalz drei Jahre lang nachts gesperrt ist, bedeutet für viele eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, weil es beispielsweise nicht mehr möglich ist, am späten Abend von Mannheim aus mit dem Zug in die Westpfalz zu fahren. Allerdings muss man anerkennen, dass immerhin eine Komplettsperrung der Strecke vermieden wird. Anderswo sieht das ganz anders aus. Die Main-Neckar-Bahn, eine der am stärksten befahrenen Strecken Deutschlands, ist derzeit wegen Bauarbeiten mehrere Wochen lang zwischen Bensheim und Weinheim total gesperrt. Leider ist absehbar, dass sich das Problem in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen wird. Das liegt zum einen an einem positiven Faktor, nämlich daran, dass endlich Mittel bereitstehen, den Sanierungsrückstau im deutschen Schienennetz zumindest teilweise abzuarbeiten. Trotz der Aufstockung sind die Mittel allerdings immer noch so knapp, dass öfter als unbedingt nötig Strecken komplett gesperrt werden, um möglichst kostengünstig bauen zu können. Hier ist es dringend geboten, künftig ausgewogener zwischen der Minimierung der Baukosten und den Belangen der Bahnkunden abzuwägen. Unter den Baustellen zu leiden haben die Transportgesellschaften des DB-Konzerns genauso wie ihre Konkurrenten. Wenn das Schienennetz eine völlig eigenständige Organisation außerhalb des DB-Konzerns wäre, wäre die Neigung, niedrigen Baukosten oberste Priorität einzuräumen, wahrscheinlich noch deutlich größer als bei der aktuellen Struktur des DB-Konzerns.