Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Lehren aus dem TDI-Desaster

Der BASF-Konzern hat den Bau eines Verbundstandorts in der südchinesischen Hafenmetropole Zhanjiang gestartet.
Der BASF-Konzern hat den Bau eines Verbundstandorts in der südchinesischen Hafenmetropole Zhanjiang gestartet.

Die BASF zeigt gerade, dass sie die richtigen Konsequenzen für ihre Technologie-Kompetenz gezogen hat.

Wenn derzeit von China die Rede ist, dann sind die Themen Coronavirus und Ansteckung der Wirtschaft nicht weit. Wenn aber BASF-Chef Martin Brudermüller von China redet, dann schlägt er diese Töne an: „Wer auf dem Weltmarkt wachsen will, muss am Wachstum Chinas teilhaben.“ China sei mit einem Anteil von 45 Prozent an der globalen Chemieproduktion schon heute der größte Markt der Branche. Und demnächst würden es 50 Prozent sein. Daran ändere auch die Corona-Epidemie nichts.

Der BASF-Konzern hat Ende 2019 den Bau eines Verbundstandorts in der südchinesischen Hafenmetropole Zhanjiang gestartet. Der soll am Meer auf einer Fläche entstehen, die fast so groß ist wie die des weltweit größten Chemie-Areals in Ludwigshafen auf zehn Quadratkilometern. Der BASF-Chinakracher sprengt alle bekannten Dimensionen.

Vorzeigeprojekt geriet zum Desaster

Mit rund 9 Milliarden Euro wird er neun Mal teuerer sein als die bisher größte Einzelinvestition der BASF-Geschichte. Das war der Bau der Anlage zur Produktion der Schaumstoff-Chemikalie TDI in Ludwigshafen. Doch das Vorzeigeprojekt geriet zum Desaster. Die Anlage steckte dreieinhalb Jahre lang in einer Pannenserie fest. Die Fabrik musste wegen technischer Probleme mehrfach stillgelegt werden. Erst Ende Juli 2018 nahm sie nach Großreparaturen den Regelbetrieb auf. Zweifel an der Technologiekompetenz der BASF kamen auf. Sie saßen wie ein Stachel im Fleisch der Mitarbeiter der BASF. Die hat schließlich den Anspruch, das weltweit führende Chemieunternehmen zu sein.

Komplexität ist enorm

Das Zhanjiang-Vorhaben ist neun Mal so groß wie das TDI-Projekt – gemessen an der Investitionssumme. Und auch die Komplexität ist enorm.

Mit dem weitgehend planmäßigen Hochfahren der Acetylen-Anlage zeigt die BASF gerade, dass sie die richtigen Lehren aus dem TDI-Desaster gezogen hat. Dazu zählen die Übernahme der Projektleitung in Eigenregie, ein realistischer Zeitplan und scharfe Qualitätskontrollen. Doch das sind nur Fingerübungen im Vergleich zu dem, was in Zhanjiang ansteht.

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