Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Großer Wurf

Die Heidelberger Druckmaschinen AG beschäftigt weltweit rund 11400 Mitarbeiter, davon 4930 am größten Produktionsstandort Wieslo
Die Heidelberger Druckmaschinen AG beschäftigt weltweit rund 11400 Mitarbeiter, davon 4930 am größten Produktionsstandort Wiesloch-Walldorf.

Es ist nicht der erste Umbau, den der Heidelberger Druckmaschinen-Konzern startet, aber der bislang weitreichendste.

Nicht erst seit der Finanz- und Wirtschaftskrise vor mehr als zehn Jahren befindet sich die Heidelberger Druckmaschinen AG in einem schwierigem Fahrwasser. Der Markt für klassische Druckmaschinen ist eingebrochen, die Kundennachfrage – gerade bei neu entwickelten Maschinen für den Digitaldruck – ist bis zuletzt verhaltener als erhofft. Mit den bisherigen Umbauplänen, die mit dem Verlust Tausender Arbeitsplätze einhergingen, vor allem aber mit dem Start der Digitalstrategie erhoffte sich der Konzern vor wenigen Jahren den Befreiungsschlag und die Rückkehr zur dauerhaften Profitabilität. Doch es reichte nicht. Die Kunden bleiben – auch wegen des von US-Präsident Trump losgetretenen Handelsstreits und der Breixt-Unsicherheit – zurückhaltend. An den Börsen wurde der Konzern trotz der weit fortgeschrittenen Digitalstrategie und der Fokussierung auf zukunftsträchtige Marktsegmente bestraft. Der Kurs der Aktie, der in Glanzzeiten zu Ende der 1990er-Jahre bei umgerechnet knapp 54 Euro lag, dümpelte zuletzt bei rund 50 Cent dahin.

Der nun beschlossene Rundumschlag ist radikal. Auch, weil der Konzern die Produktion von Digitaldruckmaschinen stoppt, auf denen hohe Erwartungen ruhten und deren Entwicklung etwa 150 Millionen Euro gekostet hat. Weil nicht absehbar ist, wann der bisherige Verlustbringer einen ordentlichen Gewinn abwirft, kommt jetzt das Aus. Das wird sich auch auf die größte Produktionsstätte in Wiesloch auswirken. Noch schützt dort eine Vereinbarung vor betriebsbedingten Kündigungen. Aber der Wegfall zweier Produktionsbereiche, wo derzeit 450 Mitarbeiter beschäftigt sind, wird Stellen kosten.

Mit dem Abbau fast aller Schulden verschafft sich der Konzern viel Luft für Investitionen in neue Produkte und Dienstleistungen. Es ist nicht zuletzt mit Blick auf die weltgrößte Branchenmesse Drupa, die alle vier Jahre läuft und die vor Kurzem auf 2021 verschoben wurde – auch ein wichtiges Signal an die Kunden.

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