Wirtschaft
Kommentar: Das Comeback der Altwagen
Wenn neue Fahrzeuge knapp sind, ist es aus Sicht der Kunden besser, älteres Material einzusetzen, als Züge ausfallen zu lassen.
Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Die Grünen) hat gerne über die „Altwagensenke“ Baden-Württemberg gelästert – nicht zu Unrecht. Offensichtlich um die Deutsche Bahn (DB) beim Projekt Stuttgart 21 bei der Stange zu halten, hatte das Land Baden-Württemberg mit der DB einen lang laufenden Regionalverkehrsvertrag geschlossen, der für die DB sehr vorteilhaft war, weil er ihr in weiten Teilen des Landes sowohl Wettbewerb als auch Investitionen in neue Fahrzeuge ersparte. Dadurch ergab sich in der Tat der Effekt, dass das Fahrzeugmaterial der Regionalzüge in Baden-Württemberg besonders alt war.
DB-Konkurrenten haben große Probleme
Hermann dürfte als profilierter Kritiker des DB-Konzerns nicht sehr betrübt darüber gewesen sein, dass die DB bei der Ausschreibung des Betriebs auf den Stuttgarter Netzen völlig leer ausging. Allerdings machen die zum Zug gekommenen DB-Konkurrenten bisher – vorsichtig ausgedrückt – keine sehr brillante Figur, was zum großen Teil an Problemen mit den neuen Fahrzeugen liegt.
Die auch für die Rhein-Neckar-Region interessante Aufstockung des Angebots auf der Regional-Express-Linie von Stuttgart nach Würzburg ist jetzt nur durch den Rückgriff auf Ersatzgarnituren möglich – und dabei kommt wohl auch noch der ältester Fahrzeugtyp zum Einsatz, den es derzeit gibt. Für den „Altwagensenke“-Lästerer Hermann ist das vielleicht etwas peinlich, aber es ist in der gegebenen Situation sicher die beste Lösung. Ein besseres Fahrplanangebot ist aus Kundensicht ein Fortschritt, auch wenn es für eine Übergangszeit nur mit älteren Fahrzeugen möglich ist.