Wirtschaft Kommentar: Bahn-Bilanz blamiert Besserwisser
Staatssekretär Enak Ferlemann hat die günstigen Sparpreis-Tickets der Bahn kritisiert. Der Erfolg der Fernzüge zeigt, dass er falsch liegt.
Die Verkehrspolitik wird immer mehr zum großen Schwachpunkt der Bundesregierung. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat die Arbeit der Verkehrskommission sabotiert, die ähnlich wie die Kohlekommission einen Weg zu Erreichung der deutschen Klimaschutzziele weisen sollte. Einer der Punkte, bei dem in der Verkehrskommission immerhin breiter Konsens herrscht, ist, dass Bahn und öffentlicher Nahverkehr massiv verbessert werden müssen, damit sie einen größeren Teil des Verkehrsaufkommens übernehmen können. In dieser Perspektiven sind die steigenden Fahrgastzahlen erfreulich, die die Deutsche Bahn (DB) trotz aller Probleme in ihren Fernzügen verzeichnet. Sehr hilfreich ist die Rolle der Bundesregierung dabei allerdings nicht gerade. Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU), Schienenverkehrsbeauftragter der Bundesregierung, hat die DB-Sparpreis-Tickets kritisiert und gefordert, die Bahn müsse teurer werden. Die Behauptung, dass die DB Tickets verschleudert ist aber Unsinn. Sie lastet damit vielmehr freie Kapazitäten aus, die es in bestimmten Zeiten durchaus noch reichlich gibt. Die gestern vorgelegten Zahlen verdeutlichen den Erfolg. Im Bahn-Fernverkehr sind Anzahl der Fahrgäste und Verkehrsleistung gestiegen, noch stärker aber Umsatz und Gewinn. Das zeigt, dass die günstigen Tickets auch betriebswirtschaftlich ein Erfolg sind und Ferlemann mit seiner Kritik daneben liegt. Ferlemann wird in Fachkreisen durchaus ehrliches Engagement für den Schienenverkehr bescheinigt. Er sollte sich aber vielleicht besser auf die Themen konzentrieren, von denen er etwas versteht. Dazu gehört in erster Linie die Infrastruktur. Dort gibt es bei Sanierung und Ausbau des Bahn-Netzes wahrlich mehr als genug zu tun.
