Künstliche Intelligenz RHEINPFALZ Plus Artikel KI-Zoff in den USA: Kann Europa profitieren?

Der Chatbot Claude von Anthropic.
Der Chatbot Claude von Anthropic.

In den USA ist ein Streit über die Verwendung von künstlicher Intelligenz im Militär eskaliert.

Der KI-Riese Anthropic wurde von einem Tag auf den anderen als Lieferketten-Risiko für die nationale Sicherheit eingestuft. Mit sofortiger Wirkung dürften Auftragnehmer, Zulieferer, Partner des US-Militärs keine Geschäfte mehr mit dem Unternehmen machen, schrieb Kriegsminister Pete Hegseth.

Auslöser für den Streit war eine Erklärung des Unternehmens, dass es seine Technologie nicht wie von der US-Regierung gewünscht für die „Massenüberwachung im Inland“ oder in vollautonomen Waffensystemen einsetzen lassen wolle. „Die Vereinigten Staaten von Amerika werden es niemals einem radikal linken, woken Unternehmen erlauben zu diktieren, wie unser großartiges Militär kämpft und Kriege gewinnt!“, schrieb daraufhin US-Präsident Donald Trump. Anthropic habe einen „katastrophalen Fehler“ gemacht.

Anthropic mit Chatbot Claude ein ChatGPT-Konkurrent

Anthropic ist mit ihrem Chatbot Claude eines der führenden KI-Unternehmen und der größte Konkurrent für Branchen-Primus OpenAI (ChatGPT). OpenAI gab am Sonntag bekannt, einen Vertrag mit dem Kriegsministerium geschlossen zu haben – mit denselben roten Linien, die auch Anthropic gezogen hatte.

SPD-Digitalexperte Matthias Mieves hat als Reaktion auf die Ereignisse in den USA, die Bundesregierung und die EU-Kommission aufgefordert, Anthropic nach Europa zu holen. Das Unternehmen stehe „unter existenzbedrohendem Druck der US-Regierung“, schreibt Mieves in einem Brief an die EU-Kommissionspräsidentin, den Bundeskanzler, den Vize-Kanzler und den Digitalminister (liegt der RHEINPFALZ exklusiv vor). „Deutschland und Europa sollten alle notwendigen Schritte unternehmen, um Anthropic nach Europa zu holen.“

Wichtiger KI-Schritt für Europäer möglich

Mieves’ Argument: Käme Anthropic in die EU, könne das Unternehmen sein auf „menschenzentrierte, vertrauenswürdige KI“ ausgerichtetes Geschäftsmodell „unter optimalen Rahmenbedingungen und der gleichen freiheitlichen Denkrichtung“ fortsetzen. Die Europäer wiederum könnten die Lücke in der KI-Wertschöpfung schließen und „einen wesentlichen Beitrag zur digitalen und technologischen Souveränität“ leisten. „Wir stehen hier vor einer einmaligen Chance, das Überleben im KI-Wettbewerb für Anthropic und die Europäische Union zu sichern.“

Konkret skizziert Mieves drei Punkte, die erfüllt werden müssten, um Anthropic nach Deutschland zu holen. Es brauche ein Standort-Konzept, ein „kurzfristig abgestimmtes Angebot, das die wesentlichen Bedarfe einer Ansiedlung abdeckt und aus einer Hand für Anthropic umgesetzt wird“. Darüber hinaus müsse die EU ein Abfließen amerikanischer Investoren-Gelder kompensieren und eine „langfristige staatliche Abnahmegarantie für Leistungen“ des Unternehmens abgeben.

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