Pfälzer Unternehmen
Hornbach-Baumarkt-Konzern spürt die Inflation: Die ganz große Euphorie ist weg
Auch das Wetter drückt auf die Stimmung. So richtig tolle Frühlingstage, die dazu einladen, im Garten zu arbeiten oder im Freien zu streichen, gab es in diesem Jahr bisher kaum. Auch deshalb erwartet der Baumarkt-Konzern Hornbach aus dem südpfälzischen Bornheim, eine der in Deutschland und in Europa führenden Ketten der Branche, ein schwächeres erstes Quartal seines Geschäftsjahres. Das Geschäftsjahr währt bei Hornbach von 1. März bis Ende Februar.
Beim Blick auf den Zwölf-Monats-Zeitraum ist mit einem Gewinnrückgang von 5 bis 15 Prozent zu rechnen. Das ließ der europaweit tätige Konzern am Dienstag wissen. „Aufgrund des verzögerten Starts in die Frühjahrssaison rechnen wir mit einem deutlich niedrigeren Ergebnis im ersten Quartal als im Vorjahresquartal“, sagte Erich Harsch, Vorstandsvorsitzender der Hornbach Baumarkt AG.
Umsatz steigt auf Rekordwert
Im Geschäftsjahr 2022/23 (1. März 2022 bis 28. Februar 2023) hat die Hornbach-Gruppe ihren Konzernumsatz um 6,6 Prozent auf 6,26 Milliarden Euro gesteigert – ein Rekordwert. Der bereinigte operative Gewinn vor Zinsen und Ertragsteuern (Ebit) aber ist gegenüber dem vorigen Geschäftsjahr wie zuvor erwartet um 20 Prozent auf 290,1 Millionen Euro gesunken. Neben der Inflation und damit höheren Beschaffungskosten belasteten gestiegene Ausgaben für Mitarbeiter das Ergebnis. Wie die Jahre zuvor sei „auch das letzte Geschäftsjahr in einem hohen Maß von Ungewissheit geprägt“ gewesen, sagte Albrecht Hornbach, der Vorstandsvorsitzende der Konzern-Dachgesellschaft Hornbach Management AG.
Im Vergleich zu 2019/20, also zum Niveau vor der Coronavirus-Pandemie, die den Baumärkten extrem starke Umsätze und hohe Gewinne bescherte, bedeutet das für die Hornbach-Gruppe einen Gewinnanstieg um 28 Prozent. Während der Pandemie stand das Renovieren auch wegen des Rückzugs in die Wohnung oder in Haus und Garten hoch im Kurs, Online- und Abholgeschäft der Baumärkte wuchsen dabei sehr stark.
Über 25.000 Mitarbeiter
Zum Stichtag 28. Februar 2023 beschäftigte der Hornbach-Konzern europaweit 25.118 Mitarbeiter (24.268 zum 28. Februar 2022).
Das Hornbach-Ergebnis je Aktie lag für 2022/23 mit 9,83 Euro um 21,2 Prozent unter dem Rekordwert des Vorjahres (12,48 Euro). Der Hauptversammlung am 7. Juli soll eine stabile Dividende von 2,40 Euro vorgeschlagen werden.
Vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten durch die weiterhin hohe Inflation und steigende Produktpreise sowie wegen des auch wetterbedingt verhaltenen Starts in die Frühjahrssaison in den meisten Ländern des Geschäftsgebiets bleibt der Hornbach-Vorstand beim Ausblick für das Geschäftsjahr 2023/24 vorsichtig. Es wird nach Konzernangaben neben dem möglichen Rückgang des Gewinns aus dem operativen Geschäft ein Nettoumsatz auf dem Niveau des gerade abgelaufenen Geschäftsjahres erwartet. Wegen der sehr verhaltenen Prognosen gab der Kurs der im SDax notierten Hornbach-Aktie am Dienstag deutlich nach.
Mittelfristig zuversichtlich
Mit Blick auf die mittelfristigen Perspektiven des Konzerns zeigte sich der Hornbach-Vorstand zuversichtlich. Besonders Zubehör rund um effizienteres Heizen wegen der gestiegenen Energiepreise und im Sinne des Klimaschutzes bleibt gefragt – Dämm-Material beispielsweise. Der Trend der Branche sei tendenziell positiv, so die Einschätzung des Vorstands. „Hornbach hat in seiner langen Unternehmensgeschichte immer wieder gezeigt, dass wir sehr widerstandsfähig sind und uns auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten gut behaupten und Marktanteile gewinnen“, sagte Harsch.
Vier neue Märkte eröffnet
Im Geschäftsjahr 2022/23 hat Hornbach vier neue Bau- und Gartenmärkte eröffnet, einen in Leipzig und drei im europäischen Ausland: in Nitra (Slowakei), Enschede (Niederlande) sowie in Constanta (Rumänien). Damit ist die Anzahl der Hornbach-Filialen europaweit bis Ende Februar von 167 auf 171 gestiegen.
Im Kalenderjahr 2022 hat Hornbach seinen Marktanteil in Deutschland auf 14,9 Prozent (2019: 13,1 Prozent) gesteigert. In Tschechien lag der Marktanteil 2022 gar bei 34,4 Prozent (2019: 33,3 Prozent).
Die nächste Generation Hornbach
Derweil hat der Hornbach-Konzern einige personelle Weichen für die Zukunft gestellt: Christa Theurer (53) sowie Jan Hornbach (40) und Nils Hornbach (33) sind zum 1. Juni in den Vorstand der Hornbach Baumarkt AG berufen worden. Alle drei sind schon seit Längerem in wichtigen Positionen des Konzerns tätig. Albrecht Hornbach (68), Aufsichtsratsvorsitzender der Hornbach Baumarkt AG und Vorstandsvorsitzender der Hornbach Management AG, betonte, mit der Berufung seiner Neffen Jan Hornbach und Nils Hornbach sowie mit seinem Sohn Christian Hornbach (45), seit 1. Januar 2022 Vorsitzender der Geschäftsführung der Hornbach Baustoff Union, „rückt die sechste Generation aus der Familie Hornbach sukzessive nach und wird künftig noch aktiver an der strategischen Weiterentwicklung unseres Geschäfts mitwirken“.