Wirtschaft Heute erste 24-Stunden-Warnstreiks

Die IG Metall macht Ernst und veranstaltet erstmals überhaupt ganztätige Warnstreiks.
Die IG Metall macht Ernst und veranstaltet erstmals überhaupt ganztätige Warnstreiks.

«Ludwigshafen.» Auf diese Premiere hätten zumindest die Arbeitgeber gerne verzichtet: Seit gestern Nacht und bis Freitag ruft die IG Metall ihre Mitglieder in bundesweit 250 Betrieben erstmals zu bis zu 24-stündigen Warnstreiks auf.

In der Pfalz sind heute drei Unternehmen in Zweibrücken betroffen. Bei John Deere, Pallmann und Terex legen die Beschäftigten ab sechs Uhr für 24 Stunden die Arbeit nieder. Zuvor hatten gut 95 Prozent der IG-Metaller in diesen Betrieben für den Warnstreik gestimmt. Anders als bei kürzeren Warnstreiks erhalten Teilnehmer an 24-Stunden-Ausständen Geld aus der Streikkasse der Gewerkschaft. Mit diesen Arbeitsniederlegungen eskaliert der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie. Der bisher letzte Versuch, eine Verhandlungslösung zu erzielen, war am Wochenende in Baden-Württemberg gescheitert. Die IG Metall fordert neben 6 Prozent mehr Entgelt ein Recht für die Mitarbeiter, ihre Wochenarbeitszeit zeitweise auf bis zu 28 Stunden reduzieren zu können. In solchen Fällen soll es für bestimmte Beschäftigtengruppen zudem einen Lohnzuschuss geben. Vor allem diesen Zuschuss lehnen die Arbeitgeber strikt ab; sie halten ihn sogar für rechtswidrig. Denn damit, so ihr Argument, würden jene Mitarbeiter schlechter gestellt, die heute schon Teilzeit arbeiten. Deshalb seien auch Streiks, mit denen diese Forderung durchgesetzt werden soll, rechtswidrig. Heute wollen die regionalen Arbeitgeberverbände, darunter auch Pfalzmetall, entscheiden, ob sie bei den Arbeitsgerichten Klagen einreichen. Sollte dies der Fall sein, wollen die Arbeitgeber auf einstweilige Verfügungen verzichten. Stattdessen würde sofort im Hauptsacheverfahren auf Schadenersatz geklagt. Nach Angaben des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft könnten die Streiks zu Umsatzausfällen in zweistelliger Millionenhöhe führen. Nach dem Ende der Warnstreiks könnte in Baden-Württemberg ein neuer Einigungsversuch gestartet werden. Ein baldiger Abschluss für die bundesweit 3,9 Millionen Beschäftigten dürfte auch im Interesse der IG Metall sein: Ende kommender Woche ist Fasnacht – die „närrischen Tage“ könnten die Bereitschaft vieler Metaller, sich an weiteren Streiks zu beteiligen, spürbar dämpfen.

x