Wiesloch RHEINPFALZ Plus Artikel Heidelberger Druckmaschinenkonzern: Aus für zwei Produktbereiche und weiterer Stellenabbau

Bis Ende des Jahres einstellen will der Konzern die Fertigung der Digitaldruckmaschine Primefire sowie den Produktbereich Großfo
Bis Ende des Jahres einstellen will der Konzern die Fertigung der Digitaldruckmaschine Primefire sowie den Produktbereich Großformat (Bild).

Schuldenabbau, der Wegfall von 2000 Stellen und das Aus für unrentable Geschäftsbereiche: Mit harten Schnitten sucht der krisengeschüttelte Branchenführer Heidelberger Druckmaschinen AG den Weg zurück auf den Wachstumspfad. Die Digitalstrategie soll weiter ausgebaut werden.

Das umfassende Maßnahmenpaket sei ein „einschneidender und schmerzhafter Schritt“ sowie ein „Meilenstein sowohl für Kunden als auch Mitarbeiter und Aktionäre“, sagte Konzernchef Rainer Hundsdörfer. Er sei jedoch notwendig, um das Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur zurückzubringen und die Position als Markt- und Technologieführer ausbauen zu können. Die jetzigen Schritte seien „deutlich konsequenter und kompromissloser“ als Umbauten früherer Jahre, ergänzte Finanzvorstand Marcus Wassenberg: „Das Prinzip Hoffnung stirbt.“

Der geplante „nahezu vollständige Abbau von Schulden“, vor allem durch die Rückzahlung einer Hochzinsanleihe von 150 Millionen Euro, verschaffe dem Konzern die nötige Liquidität, um die Neuausrichtung vorantreiben zu können. Derzeit müsse Heidelberg – verschärft durch die Corona-Pandemie – in einem sich weiter eintrübendem wirtschaftlichen Umfeld „eine Krise nie dagewesenen Ausmaßes bewältigen“.

Weltweit sollen etwa 2000 Stellen wegfallen. Das könne auch dazu führen, dass Betriebe geschlossen werden. Welche Standorte betroffen sind, lasse sich derzeit noch nicht sagen. Etwa ein Drittel der Stellen sollen über Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen eingespart werden. Dies gelte gerade auch für den größten Produktionsstandort des Konzerns, Wiesloch-Walldorf, mit derzeit 4930 Beschäftigten. An dem Standort sind bis Ende 2022 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Konzernweit beschäftigt Heidelberg etwa 11.400 Mitarbeiter.

Bis spätestens Endes des Jahres einstellen wird der Konzern die Fertigung der Digitaldruckmaschine Primefire sowie den Produktbereich Großdruck – beides ist in Wiesloch angesiedelt. Die Nachfrage nach der für den industriellen Verpackungsdruck entwickelten Maschine Primefire, die als Hoffnungsträger galt, sei hinter den Erwartungen geblieben, sagte Hundsdörfer. Beide Bereiche hätten dem Konzern jährlich 50 Millionen Euro an Verlusten beschert, aber nur geringe Umsätze. Mit verbesserten Produktions- und Strukturkosten sollen jährlich weitere 50 Millionen Euro eingespart werden. Auch Kurzarbeit werde geprüft. Mit dem Betriebsrat sollen rasch Gespräche beginnen.

Künftig will sich der Konzern auf das rentable Kerngeschäft im Digitaldruck konzentrieren. Dort nehme Heidelberg weltweit eine führende Marktstellung ein. Die digitalen Geschäftsmodelle wie Subskription sollen weiter ausgebaut werden. Bei diesen auf fünf Jahre abgeschlossenen Verträgen kaufen die Kunden nicht mehr die Maschinen, sondern zahlen pro gedrucktem Bogen – für die Nutzung der Druckmaschine, Service und vor allem die Materialien wie Farbe. Mit innovativen Softwarelösungen sollen die Maschinen, Services und Verbrauchsgüter noch stärker vernetzt werden als bisher, sagte Hundsdörfer. Vision sei eine branchenübergreifende Plattform zu schaffen, auf der sämtliche Kunden-Lieferantenbeziehungen automatisiert abgewickelt werden können.

Die beschlossenen Schritte und die nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie verschärfte Marktsituation werde dem Konzern das Ende März zu Ende gehende Geschäftsjahr 2019/20 „kräftig verhageln“, sagte Wassenberg. Der Umsatz werde „deutlich unter den 2,49 Milliarden Euro des Vorjahres liegen“, schätzte Hundsdörfer. Nach Steuern werde der Verlust bei rund 300 Millionen Euro liegen. Mit substanziellen Effekten der nun beschlossenen Neuausrichtung rechnet der Vorstand frühestens im Geschäftsjahr 2021/22.

Um die Neuausrichtung finanzieren und Schulden tilgen zu können, sollen rund 375 Millionen Euro aus dem Treuhandvermögen des 2005 gegründeten Pensionsfonds ins Unternehmen zurückfließen. Dem hätten Arbeitnehmervertreter, Gewerkschaft und auch die Banken zugestimmt. Wassenberg betonte, dass dies keine negativen Auswirkungen auf die Pensionszahlungen habe. 2005 habe der Konzern Kapital in den Fonds übertragen, um das Risiko einer feindlichen Übernahme zu minimieren, so Wassenberg. Und hier geht´s zum Kommentar:

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