2G im Einzelhandel
Handelsverband lehnt 2G-Vorschrift ab
In einem Brief an die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den voraussichtlichen nächsten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schrieb HDE-Präsident Josef Sanktjohanser, die 2G-Regel verletze die Berufsfreiheit der Einzelhändler und verstoße außerdem gegen den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz. Wenn Händler lediglich geimpften und genesenen Verbrauchern den Zugang zu ihren Läden gestatten dürften, sei dies „unverhältnismäßig und daher rechtswidrig“. Er stützte sich dabei auf ein aktuelles Gutachten der Rechtsanwaltskanzlei Noerr.
„2G bundesweit und flächendeckend im Handel einzuführen, wäre vollkommen unverhältnismäßig und würde noch dazu am Ziel vorbeigehen“, hatte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), bereits am Dienstag gesagt. Hygienekonzepte, Maskenpflicht und Abstandsregeln sorgten dafür, dass der Einzelhandel trotz vieler Millionen Kundenkontakte pro Tag kein Infektionsherd sei.
Entscheidung am Donnerstag
Bund und Länder planen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie härtere Maßnahmen. Details sollen bis Donnerstag ausgearbeitet werden, um dann zu gemeinsamen Beschlüssen zu kommen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag mitteilte. Unter anderem wollen Bund und Länder demnach über eine Ausweitung der 2G-Regel auf den Einzelhandel entscheiden. Ausgenommen werden sollen Geschäfte des täglichen Bedarfs.
„Ich sehe das als reine Symbolpolitik“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Rheinland-Pfalz, Thomas Scherer, am Mittwoch gegenüber der RHEINPFALZ. Eine 2G-Regel im Handel sei nur eine weitere Maßnahme, um den Leuten zu sagen: Bleibt zu Hause, schränkt Kontakte ein. Der Handel sei dabei der Leidtragende.
Profiteur wäre der Online-Handel
Wenn es zu einer 2G-Vorschrift komme, würde das den Händlern das zweite Weihnachtsgeschäft in Folge verhageln, betonte Scherer. „Für einige Händler macht das Weihnachtsgeschäft 30 bis 40 Prozent ihres Umsatzes aus.“ Und die Überbrückungshilfen deckten höchstens die Fixkosten der Händler ab. Dabei sei das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr ohnehin schlecht angelaufen. „Man merkt schon jetzt eine Zurückhaltung. Wenn wir jetzt noch 2G bekommen, wird die Verunsicherung noch größer.“ Profiteur sei dann einmal mehr der Online-Handel.
Auf das Gesamtjahr gesehen hat sich Deutschlands Einzelhandel vom Tief des Vorjahres, das besonders von Einschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie betroffen war, etwas erholt. Von Januar bis einschließlich Oktober lagen die Umsätze in Deutschland – ohne Kalender- und Saisonbereinigung – sowohl real (plus 0,7 Prozent) als auch nominal (plus 2,5 Prozent) über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
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