Freudenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Frühchen-Schutz aus Kaiserslautern

Ein Baby trägt testweise den Überwachungsgürtel, der Herz und Atmungsaktivität kontrollieren kann. Foto: Bambi Belt idd/Frei
Ein Baby trägt testweise den Überwachungsgürtel, der Herz und Atmungsaktivität kontrollieren kann.

Mikroskopisch kleine Silikonteile für Herzschrittmacher, Katheter, Stimmprothesen, Augen-OP-Instrumente, Innenohr-Implantate oder Anti-Schnarch-Geräte: Das Werk des Technologie-Konzerns Freudenberg in der Westpfalz ist auf anspruchsvolle Medizin-Technik spezialisiert. Jetzt geht es auch um das Wohl von zu früh geborenen Babys.

Babys, die heute an Silvester oder morgen an Neujahr das Licht der Welt erblicken, haben rein kalendarisch ganz besondere Geburtstage. Da kann man nur hoffen, dass sie gesund und munter auf die Welt kommen. Und dass sie bestens versorgt werden, falls es Frühchen sind. Dann sind Fachärztinnen und Fachärzte in Intensivstationen von Kliniken gefragt, die den Start der noch winzigen Erdenbürger in ein hoffentlich gutes Leben professionell und fürsorglich unterstützen. Aber auch eine Innovation aus Kaiserslautern kann helfen.

Sauerstoff und Infusionen

Zwar führt an Inkubatoren (umgangssprachlich: Brutkästen) in den ersten Lebenstagen kein Weg vorbei, denn so können Zustand und Körpertemperatur des Neugeborenen mithilfe spezieller Geräte ständig überwacht werden. „Wenn nötig, kann auch zusätzlich Sauerstoff zugeführt oder es können Infusionen gelegt werden“, ist zum Beispiel auf Internetportalen für Mütter zu lesen.

Lässt es der Zustand des Frühchens zu und haben die Ärzte nichts dagegen, kann das Baby aber auch aus dem Inkubator genommen werden – kürzer oder länger. Dazu hat Freudenberg in Kaiserslautern in Zusammenarbeit mit einem niederländischen Unternehmen einen Überwachungsgürtel aus Silikon entwickelt. Wie funktioniert der? Müssen die Frühchen Schmerzen erleiden?

Tragbarer Monitor

Der Gürtel sei kabellos, so dass das Frühgeborene – falls medizinisch vertretbar – aus dem Inkubator genommen werden könne. Zudem verletze ein Gürtel aus weichem Silikon die Haut nicht, betont Freudenberg. Es handle sich um ein schmales Band, das um die Brust des Kindes gelegt werde. Und weiter: „Sensoren senden die Signale an einen tragbaren Monitor. Das Band ermöglicht die Überwachung der elektrischen Aktivität des Herzmuskels und die Atmungsaktivität von Frühgeborenen mit nur 500 oder 600 Gramm, deren Haut zu empfindlich für Klebeelektroden ist.“

Rund 15 Millionen Frühchen kommen jedes Jahr weltweit vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt, so der Weinheimer Konzern unter Berufung auf die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Folge: Im Schnitt seien rund 42 Tage auf einer Intensivstation notwendig. Eines von zwei Frühgeborenen entwickele Konzentrationsprobleme und kognitive Beeinträchtigungen. Eine ständig verkabelte Überwachung verursache Schmerzen und Stress durch die Elektroden sowie die Trennung von der Mutter, wird behauptet.

Aus Westpfalz auch Masken

Die Idee für einen hautschonenden Überwachungsgürtel geht laut Freudenberg auf den Kinderarzt Sidarto Bambang Oetomo zurück, der heute gemeinsam mit seinem Sohn und 13 Beschäftigten das Unternehmen Bambi Belt in Eindhoven in den Niederlanden betreibt. Das Team von Freudenberg Medical in Kaiserslautern habe die Herstellung des Gurtes mit Materialexpertise sowie Prozess- und Produktionswissen aus der Medizintechnologie unterstützt, so Projektmanager Rudolf Dering. Der „Bambi-Gürtel“ enthält Trockenelektroden, die Verletzungen oder Infektionen der Frühchen-Haut vermeiden sollen. Er wurde in zwei Studien in niederländischen Krankenhäusern getestet, so die weiteren Angaben.

Nach Prototypen und Kleinserien sind große Stückzahlen geplant, wenn das Produkt 2022 auf den Markt kommt und zertifiziert ist. In erster Linie soll das Gerät an Kliniken geliefert werden, aber auch ein privater Gebrauch ist vorstellbar, wenn Baby und Mutter aus dem Krankenhaus entlassen wurden, aber auf die Überwachung der Vitalfunktionen des Kindes noch nicht verzichtet werden sollte. Der Preis steht noch nicht fest.

Rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Weinheimer Unternehmensgruppe Freudenberg in dem 1966 eröffneten Werk in Kaiserslautern beschäftigt. Sie stellen auch Vliesstoffe, Atemschutzmasken und Autoinnenraumfilter her. Mehr und mehr Bedeutung gewinnt indes der Geschäftsbereich Medical. Freudenberg Medical hat weltweit elf Produktionsstätten und mehr als 1900 Beschäftigte. Die gesamte Freudenberg-Gruppe hat rund 48.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in rund 60 Ländern und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von etwa 8,8 Milliarden Euro.

Der kabellose Gürtel und der tragbare Monitor.
Der kabellose Gürtel und der tragbare Monitor.
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