Saarlouis
Ford: Investor springt ab, 5700 Menschen vor der Arbeitslosigkeit
Der Investor, der das Ford-Werk in Saarlouis sowie das Gros der dort Beschäftigten übernehmen sollte, ist abgesprungen. Dies teilten Ford und die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) am Donnerstag der Belegschaft bei einer Betriebsversammlung mit.
Ende Juni hatten Ford und die IG Metall verkündet, man habe „einen industriellen Großinvestor“ gefunden, der das Werksgelände mitsamt Werk kaufen und 2500 Ford-Beschäftigte einstellen werde. Eine entsprechende Absichtserklärung (Letter of Intent) sei unterzeichnet. Die saarländische Landesregierung hatte dies als großen Erfolg gefeiert. Allerdings wurden weder Name noch Branche des Investors genannt. Ministerpräsidentin Rehlinger sagte damals, wenn sie den Namen nenne, könne die Vereinbarung platzen.
Name auch nach dem Scheitern geheim
Der Name ist bis heute geheim geblieben, trotzdem ist die Vereinbarung geplatzt. Gründe wurden bei der Betriebsversammlung am Donnerstag nicht genannt. Das saarländische Wirtschaftsministerium teilte mit, das Land habe einen dreistelligen Millionenbetrag auf den Tisch gelegt, um ein „Joint Venture mit dem Investor, weiteren Partnern und dem Land“ einzugehen. „Dass das nicht geklappt hat, ist großer Mist“, sagte Rehlinger bei der Betriebsversammlung Teilnehmern zufolge.
Auch nach dem Scheitern der Verhandlungen lüftete niemand den Schleier über dem Verhandlungspartner. Ursprünglich hätten die Gespräche bis Anfang September so weit gediehen sein sollen, dass der Investor dann bekanntgegeben wird. Der September kam, aber auch auf Nachfrage wollte sich weder Ford noch die IG Metall noch die Landesregierung äußern. Nachdem bis zuletzt nichts durchsickerte, wuchs in der Ford-Belegschaft die Befürchtung, dass die angekündigte Übernahme scheitert.
Niederlage gegen Valencia
Bei Ford Saarlouis arbeiten noch etwa 4400 Menschen sowie 1300 weitere in Zulieferbetrieben. Ford hatte im vergangenen Jahr entschieden, sein Werk in Saarlouis im Jahr 2025 stillzulegen und die Produktion des benzinbetriebenen Focus auslaufen zu lassen. Das Werk Saarlouis hatte sich firmenintern darum beworben, künftig Elektroautos zu bauen. Der Konzern entschied sich aber, diese in seinem Werk bei Valencia in Spanien zu fertigen.
„Ich akzeptiere das nicht als Endergebnis“
Ministerpräsidentin Rehlinger sagte am Donnerstag, die Absage des Investors sei „nicht das Ende des Prozesses. Ich akzeptiere das nicht als Endergebnis.“ Ihr Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) sieht nun „ganz klar Ford in der Pflicht, seinen Willen zur Zukunftssicherung für die Beschäftigten zu beweisen und vernünftige Angebote auf den Tisch zu legen“. Die Landesregierung werde „ab sofort in einen anderen Modus der Zusammenarbeit“ einsteigen, so Barke, ohne diesen anderen Modus zu definieren.
Nach dem Aus der Übernahme-Verhandlungen wollen Ford und der Betriebsrat nun über einen Sozialplan für alle Fordler verhandeln. Deren Arbeitsplätze sind bis 2025 garantiert. Danach aber stehen sie auf der Straße, wenn keine Lösung für einen Übergang gefunden wird. Falls die Gespräche über einen Sozialplan scheitern, will der Betriebsrat zu Warnstreiks aufrufen und über einen unbefristeten Arbeitskampf abstimmen lassen. Die Industriegewerkschaft Metall kündigte an, dass die Sozialtarifverhandlungen „für Ford teuer werden. Wir werden ein Zeichen setzen, das andere Unternehmen davor zurückschrecken lässt, Standorte platt zu machen.“
Die CDU Saar sprach von einem „rabenschwarzen Tag für Saarlouis und das ganze Saarland“. Sie machte die SPD-geführte Landesregierung für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich. Die Grünen warfen der Landesregierung vor, „Steuergelder verzockt“ und „kein schlüssiges Konzept“ zu haben. Die Linken erklärten: „Statt mit vollmundigen Ankündigungen auf nur einen Großinvestor zu setzen, wäre ein breites Konzept mit vielen Investoren für den Standort notwendig.“
Doch noch Gespräche am Wochenende?
Der Betriebsrat indes hat die Hoffnung auf den Investor noch nicht ganz aufgegeben. Der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal sagte, er habe kurzfristig Signale erhalten, dass der Investor die Verhandlungen doch fortführen wolle – und zwar schon am Wochenende und kommende Woche.