Meinung
Es wird ungemütlicher am Arbeitsmarkt
Anders als am bundesweiten Warntag in der vergangenen Wochen schrillen am Arbeitsmarkt keine Alarmglocken. Ukraine-Krise und teils horrende Preissteigerungen für Energie und viele Produkte führten bisher nicht zu einer spürbaren Verschlechterung der Lage. Angesichts der pessimistischen Stimmung in vielen Unternehmen und in der Bevölkerung wirkt die Bilanz für 2022, die die Bundesagentur für Arbeit am Montag für den rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt vorlegte, fast unwirklich gut.
Ob das so bleibt, ist – wie vieles in diesen Zeiten – unsicher. Dafür spricht, dass viele Unternehmen Mitarbeiter suchen und alles versuchen, um jene zu halten, die sie bereits auf der Gehaltsliste haben. Denn zumindest eines ist sicher: Wegen des demografischen Wandels werden in den kommenden Jahren deutlich mehr Beschäftigte altersbedingt ausscheiden als nachrücken.
Manchem Unternehmen droht die Luft auszugehen
Gleichwohl bleiben Zweifel, ob die gute Lage am Arbeitsmarkt andauern wird. So ist zu befürchten, dass vielen Betrieben angesichts anhaltend hoher Energiepreise irgendwann die Luft ausgeht – oder dass sie, wenn möglich, ihre Produktion und damit auch Arbeitsplätze verlagern.
Die hohen (Energie-)Preise belasten auch die Verbraucher. Schon jetzt ist ein zurückhaltendes Konsumverhalten spürbar. Diese Zurückhaltung würde stärker, sollte die Angst vor dem Verlust des Jobs um sich greifen. Bricht die Binnennachfrage weiter ein, trifft das alle auf den inländischen Markt angewiesenen Anbieter direkt. Spätestens dann wäre es mit den vergleichsweise guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt vorbei.
Lesen Sie hier unseren Hintergrundbericht zur Lage am Arbeitsmarkt in der Region.