Beschäftigung Arbeitsmarkt im Land trotzt den Krisen

Nach dem Ende der coronabedingten Beschränkungen wurden im Gastgewerbe viele Mitarbeiter neu eingestellt.
Nach dem Ende der coronabedingten Beschränkungen wurden im Gastgewerbe viele Mitarbeiter neu eingestellt.

Inmitten vielfältiger Schwierigkeiten und Unsicherheiten bleibt die Lage am Arbeitsmarkt in Rheinland-Pfalz im zu Ende gehenden Jahr stabil.

Auch in Rheinland-Pfalz war 2022 für viele Unternehmen ein Jahr des Übergangs – von einer Krise in die nächste. Kaum waren die größten Auswirkungen der Corona-Pandemie überwunden, stand die nächste Herausforderung ins Haus: der Ukraine-Krieg, in dessen Folge nicht nur Energie drastisch teurer wurde, sondern auch die Preise für viele (Roh-)Stoffe und Produkte kräftig anzogen.

Gemessen an diesen schwierigen Rahmenbedingungen, die mit einem hohen Maß an Unsicherheit einhergehen, zeigte sich der Arbeitsmarkt im Land im zu Ende gehenden Jahr robust.

Beschäftigte

1,5 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte bedeuten gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 1,5 Prozent. Die zahlenmäßig größten Zuwächse verzeichnete die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (plus 3500), im Bereich Erziehung und Wissenschaft (plus 2200) und im Gastgewerbe (plus 2300). Der deutliche Stellenaufbau im Gastgewerbe dürfte auch mit dem Wegfall der coronabedingten Beschränkungen in dieser Branche zusammenhängen. 400 weniger Stellen als noch 2021 waren in der Zeitarbeit zu verzeichnen.

Arbeitslose

Die Arbeitslosigkeit ist im Jahresvergleich um 8,5 Prozent zurückgegangen; 2022 waren im Schnitt 102.600 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Sogar um 17,2 Prozent sank die Anzahl der Arbeitslosen im Bereich der Arbeitslosenversicherung – von 48.700 auf 40.300. Die Arbeitslosenquote wird im Jahresschnitt voraussichtlich bei 4,6 Prozent liegen, 0,4 Punkte weniger als im Vorjahr.Auch die Langzeitarbeitslosigkeit ist spürbar gesunken. Laut BA waren im Schnitt 35.700 Menschen ein Jahr oder länger ohne Arbeit – 12,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Langzeitarbeitslosen machen gut ein Drittel (35 Prozent) aller Arbeitslosen aus. 2021 lag dieser Anteil noch bei 36,5 Prozent, im letzten Vor-Corona-Jahr 2019 waren es „nur“ 28,2 Prozent.

Freie Stellen

Allen Problemen und Unwägbarkeiten zum Trotz suchten auch 2022 viele Unternehmen neue Mitarbeiter. Im Jahresschnitt waren bei der BA 45.900 freie Stellen gemeldet – fast ein Viertel mehr als 2021. Freie Stellen gab es vor allem für Fachkräfte und Spezialisten. Aber auch für Helfertätigkeiten suchten die Betriebe Arbeitskräfte; knapp ein Viertel der gemeldeten freien Stellen bezogen sich auf dieses Anforderungsniveau.

Auszubildende

Mehr freie Lehrstellen als Bewerber – dieser Trend setzte sich auch 2022 fort. Laut BA suchten 20.100 junge Frauen und Männer einen Ausbildungsplatz – 6,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Zugleich stieg die Anzahl der gemeldeten Lehrstellen um 4 Prozent auf 26.200. Ende September waren landesweit noch 3600 Ausbildungsstellen nicht besetzt.

Die Folgen des Ukraine-Kriegs

Die Mehrzahl der Menschen, die seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine ihr Land verlassen haben, sind Frauen. Das schlägt sich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. So waren unter den 7600 ukrainischen Arbeitslosen im November gut 70 Prozent Frauen. Derzeit liegt die Anzahl derer, die sich aus der Arbeitslosigkeit verabschieden, höher als die Anzahl der Zugänge. Einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gingen im September, das sind die aktuellsten verfügbaren Zahlen, 4600 Ukrainerinnen und Ukrainer nach. Laut BA ist davon auszugehen, dass viele von ihnen in der Gastronomie, in Beherbergungsbetrieben oder in der Zeitarbeit untergekommen sind.Um die aus der Ukraine Geflüchteten in den Arbeitsmarkt zu integrieren, spiele die Sprache eine Hauptrolle, heißt es bei der BA. Deshalb gehe es derzeit vorrangig darum, dass diese Menschen Deutschkurse besuchen.

Die Aussichten

Heidrun Schulz, die Leiterin der BA-Regionaldirektion, rechnet damit, dass im kommenden Jahr Kriegsfolgen und Krisen die positive Entwicklung am rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt „geringfügig dämpfen“ werden. Schulz verweist auf Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), wonach die Arbeitslosenquote im kommenden Jahr leicht um 0,1 Prozent ansteigen dürfte. Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung rechnet das IAB mit einem Plus von 0,7 Prozent.

Lesen Sie hier den RHEINPFALZ-Kommentar zur Situation am Arbeitsmarkt.

Lesen Sie hier mehr zur Situation von Flüchtlingen aus der Ukraine.

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