Ratgeber RHEINPFALZ Plus Artikel Engpässe bei Playstation und Co.: Entspannung erst 2022

Gut ein Jahr nach der Veröffentlichung sind die beiden Konsolen, die Playstation 5 von Sony, und die ...
Gut ein Jahr nach der Veröffentlichung sind die beiden Konsolen, die Playstation 5 von Sony, und die ...

Während der Corona-Pandemie haben mehr Menschen in ihrer Freizeit zum Gamepad gegriffen als in den Jahren davor. Für die Konsolenhersteller Sony, Microsoft und Nintendo ist das äußerst erfreulich. Für die Kunden weniger, denn noch immer gibt’s Lieferschwierigkeiten bei den neuen Spielgeräten. Die Nachfrage ist deutlich höher als die Stückzahlen für den Handel.

Der Herbst und die Wochen vor Weihnachten sind traditionell die Zeiten, in denen sich Computer- und Videospiele besonders gut verkaufen. Draußen wird’s früher dunkel, kälter und feuchter. Dann lieber gemütlich an einer Spielkonsole, am Handy oder dem PC in fremde Welten abtauchen. Doch das dürfte in diesem Jahr für viele schwierig werden, denn die aktuellen Konsolen, Sonys Playstation 5 und Microsofts Xbox Series X, sind kaum erhältlich. „Wer vor Weihnachten eine PS5 ergattert, hat schlicht Glück“, sagt Petra Fröhlich von gameswirtschaft.de.

Die Branchenkennerin beobachtet die Verfügbarkeit der neuen Konsolen seit ihrer Markteinführung vor gut einem Jahr – online wie stationär. Für potenzielle Käufer sei es schwierig, einen Überblick zu bekommen, bei welchem Händler Kontingente der neuen Konsolen wann zu haben sind. Fröhlich stellt klar: „Die Nachfrage nach der Playstation 5 wird im Weihnachtsgeschäft nicht befriedigt werden können, das wird noch bis ins zweite Quartal 2022 dauern.“ Sie habe die Erfahrung gemacht, dass die Nachfrage nach der aktuellen Sony-Konsole „etwa um den Faktor zehn größer ist als nach der Xbox Series X“. Doch auch die Microsoft-Konsole sei in der „X“-Variante kaum zu bekommen: „Die Series S ist dagegen im Handel in ausreichender Stückzahl zu finden.“ Das Modell ist zwar günstiger, aber auch nicht so leistungsstark wie die Series X.

Deutschland ist Playstation Land

Markus Schwerdtel vom Spielemagazin Gamestar ergänzt: „Die Situation dürfte nicht nur den Kunden, die keine Konsole bekommen, Schmerzen bereiten, sondern natürlich auch den Herstellern. Für die gibt es ja nix Schlimmeres, als die hohe Nachfrage zu sehen und zu wissen: Du kannst nicht liefern.“ Engpässe bei der Chipproduktion und pandemiebedingte Logistikschwierigkeiten, dazu gleichzeitig eine deutlich höhere Nachfrage sehen die Branchenkenner als Gründe für die Konsolen-Knappheit. Trotz allem vermeldete Sony Ende Oktober fast 13,5 Millionen weltweit verkaufte PS5. Fröhlich: „Sony liegt damit innerhalb der vor gut einem halben Jahr angekündigten Stückzahlen. Bis März 2022 sollen 20 Millionen Konsolen verkauft sein.“

Microsoft dagegen äußert sich nicht, wie viele Konsolen an die Kunden gebracht wurden, es sind allerdings deutlich weniger – besonders in Deutschland. „Deutschland ist Playstation Land“, sagt Schwerdtel, der ungefähr „acht Millionen verkaufte Xbox Series X und S weltweit“ als Hausnummer nennt. Unterschätzen dürfe man Microsofts Engagement im Gamingbereich deswegen allerdings nicht: „Der X-Box-Game-Pass hat mittlerweile rund 20 Millionen Nutzer.“ Das Spiele-Abonnement erfreue sich großer Beliebtheit.

Computer gefragt und verfügbar

Und Nintendo? Die seit 2017 erhältliche Nintendo Switch wird von dem japanischen Unternehmen in kleinen Schritten verbessert und mit vielen exklusiven Spielen versorgt. Schwerdtel: „Typisch Nintendo. Eine neue Konsole kommt erst, wenn sich der Sprung nicht mehr vermeiden lässt. Vorher wird das erfolgreiche Modell in kleinen Schritten verbessert.“ Die seit wenigen Wochen erhältliche OLED-Switch bietet ein größeres Displays und bessere Tonqualität. Fröhlich hat auch für die Switch den Markt im Blick: „Das Standardmodell ist überall gut verfügbar, knifflig wird’s bei der OLED-Variante. Die ist derzeit nirgendwo lieferbar, und wie es mit Nachlieferungen vor Weihnachten aussieht, ist unklar.“

Abseits der drei großen Konsolenhersteller hält sich der klassische PC weiter wacker als beliebtes Spielgerät. „Flexibilität, Leistung und die Tatsache, dass eine Reihe von Spielen am Computer am besten funktionieren“, nennt Schwerdtel als Gründe. Der „Microsoft Flight Simulator“, ein Echtzeitstrategiespiel wie „Age of Empires 4“ oder der „Landwirtschafts Simulator“ seien dafür Beispiele. Letzteres Spiel, bei dem die Spieler in originalgetreuen Traktoren virtuell Felder bestellen und einen Hof bewirtschaften, nennen Schwerdtel und Fröhlich als die größte Spieleproduktion aus dem deutschsprachigen Raum in diesem Winter.

Davon abgesehen fehle es der hiesigen Spielebranche 2021 an international relevanten Veröffentlichungen. Immerhin habe Ubisoft Mainz kürzlich eine finanzielle Förderung des Bundes für das Nachfolgeprojekt des überaus erfolgreichen Aufbauspiels „Anno 1800“ bekommen, berichtet Fröhlich. Doch bis das Projekt – neben anderen geförderten Spielen aus Deutschland – zum Download oder zum Kauf im Laden bereitsteht, „dürfte es bei den meisten noch bis 2023 oder 2024 dauern“, sagt Fröhlich.

... Xbox Series X von Microsoft noch immer schwer zu haben.Foto: Benjamin Ginkel
... Xbox Series X von Microsoft noch immer schwer zu haben.Foto: Benjamin Ginkel
x