Wirtschaft Elefantenhochzeit Kaufhof-Karstadt könnte näher rücken
«Köln/Essen.» Unter dem Druck des Online-Handels nehmen die Warenhausketten Kaufhof mit Sitz in Köln und Karstadt mit Zentrale in Essen einen neuen Anlauf für ein Zusammengehen.
Die Eigentümer – der nordamerikanische Handelsriese HBC und die österreichische Investmentgesellschaft Signa – verhandelten über ein Gemeinschaftsunternehmen, war von mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen zu erfahren. Die HBC-Chefin Helena Foulkes werde zu Gesprächen in Deutschland erwartet. Dabei seien auch bohrende Fragen zur Zukunft der Tochter Galeria Kaufhof zu erwarten, sagten Insider. Bei einer Allianz der beiden Traditionsmarken, deren Warenhäuser in deutschen Innenstädten oft nahe beieinander liegen, stünden viele Jobs auf der Kippe. Arbeitnehmervertreter hatten stets vor der Schließung von Standorten und dem Verlust von Arbeitsplätzen gewarnt. In der Region ist Kaufhof mit fünf Häusern vertreten: in Speyer, Landau, zwei Filialen in Mannheim sowie in Heidelberg. Karstadt-Häuser gibt es in der Pfalz nicht. Filialen betreibt das Unternehmen in Karlsruhe, Saarbrücken, Mainz und Trier sowie im Rhein-Neckar-Center in Viernheim. Die Idee einer deutschen Warenhaus AG ist nicht neu: Der österreichische Immobilienunternehmer Rene Benko, dem Signa und Karstadt gehören, hat schon mehrfach vergeblich versucht, Kaufhof zu übernehmen. HBC hatte seine Offerten bislang abgeschmettert – zuletzt im Februar. Die damals von Benko gebotenen rund 3 Milliarden Euro lägen deutlich unter dem Wert von Kaufhof und der damit verbundenen Immobilien-Werte, hatte HBC damals mitgeteilt. Nun gebe es aber neue Kontakte mit Blick auf ein Gemeinschaftsunternehmen, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen. Karstadt könne dabei eine Mehrheit von 51 Prozent einer „Warenhaus AG“ übernehmen, HBC behalte mit 49 Prozent aber einen wichtigen Anteil an seinem Europa-Geschäft. Die Gespräche befänden sich in einem frühen Stadium. Sprecher von Signa und Karstadt waren nicht zu erreichen, ein Kaufhof-Sprecher wollte sich nicht äußern. HBC hatte Kaufhof im Oktober 2015 übernommen. Doch die Kette mit ihren aktuell 96 Warenhäusern und rund 18.000 Beschäftigten in Deutschland kommt nicht in Schwung, sie kämpft unter dem neuen Eigner aus Nordamerika mit Umsatzrückgängen und Verlusten. Viele Kunden kehren Innenstädten und Warenhäusern den Rücken und bestellen ihre Einkäufe lieber bei Online-Händlern. Zahlreiche Management-Wechsel verunsicherten nach der Übernahme die Kaufhof-Belegschaft. Um die Übernahme zu finanzieren, hatte HBC 41 Warenhaus-Immobilien in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Investor Simon Property eingebracht. An den Immobilien hatte Benko auch immer wieder Interesse gezeigt. Sie seien ebenfalls Gegenstand der Gespräche, sagten Insider. HBC steht zudem unter Druck von Investoren. Der aktivistische Investor Jonathan Litt etwa fordert einen Verkauf des Europa-Geschäfts. Benko hatte Karstadt nach der Übernahme 2014 mit Hilfe des Handelsexperten Stephan Fanderl saniert. Der setzte den Rotstift an, lichtete den Markendschungel im Sortiment und verordnete eine stärkere lokale Ausrichtung der Häuser. Zudem holte er Partner in die etwa 80 Filialen und kurbelte das Online-Geschäft an. Karstadt hat auch einen Tarifvertrag mit Abstrichen für die Belegschaft mit der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen.