Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel E-Auto-Fahrer im Tarifdschungel

Eine Schnelladestation der Pfalzwerke in Frankenthal.
Eine Schnelladestation der Pfalzwerke in Frankenthal. Foto: BOLTE

Wer an öffentlichen Ladesäulen günstig Strom tanken will, muss den Markt kennen und hat im Zweifelsfall Verträge mit mehreren Vertriebspartnern. Die Pfalzwerke satteln nach einem Jahr an der Seite von Freshmile schon wieder um.

MAINZ/LUDWIGSHAFEN. Besitzer von Elektro-Autos haben in der Regel ein gutes Umweltgewissen als ständigen Begleiter – und sie führen vier bis fünf verschiedene Ladekarten mit sich, um an einer öffentlichen Ladesäule den günstigsten Preis nutzen zu können. So beschreibt es Peter Götting, Leiter der Lotsenstelle für alternative Antriebe bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz. Den Tarifdschungel hat die Pfalzwerke AG, die bisher 49 Ladestationen betreibt, jüngst noch etwas verdichtet.

Nur etwas mehr als ein Jahr, nachdem der größte Pfälzer Stromanbieter die Zusammenarbeit mit dem französischen Konzern Freshmile für die Abrechnung des Autostroms begonnen hat, war sie im August schon wieder Geschichte. Die Kunden, die über die Homepage der Pfalzwerke eine aufladbare Tankkarte des Pfalzwerke-Joint-Ventures Freshmile Deutschland GmbH bestellt hatten, wurden Ende Juni darauf hingewiesen, dass diese Karte ab August nicht mehr an den Pfalzwerke-Ladestationen verwendet werden könne. Von Mitte Juli bis Anfang August durften die Kunden dafür kostenlos bei den Pfalzwerken tanken. Wer noch ein Restguthaben auf seiner Karte hatte, musste sich das Geld von Freshmile in Frankreich zurückholen. Seit August bieten die Pfalzwerke E-Auto-Fahrern den Tarif Charge & Drive an.

Ohne Vertrag kostet Strom mehr

Anders als bei Tankstellen für Diesel- oder Benziner, die mittels großer Anzeigetafeln auf den Preis pro Liter hinweisen, kann der Preis für Autostrom an der gleichen Ladesäule um mehr als 20 Cent je Kilowattstunde nach oben und unten abweichen, je nach Anbieter und Vertragsvereinbarung. Wer ohne geeigneten Vertragspartner spontan unterwegs Strom zapft, zahlt in der Regel am meisten. Aber immerhin: Es fließt Strom, er muss sogar fließen, sofern es sich um eine öffentlich geförderte Ladesäule handelt. Wie beim Mobiltelefonieren im Ausland sorgt Roaming bei den E-Ladestationen für die Versorgung der Verbraucher.

Laut Götting ist das Ladenetz in Rheinland-Pfalz flächendeckend für alle nutzbar, denn nahezu alle Stationen seien öffentlich gefördert. Zur den Abrechnungsmethoden sagt er: „Das ist verwirrend. Ich möchte auf Dauer Transparenz haben.“ Vorläufig helfen Portale wie „goingelectric.de“ E-Auto-Fahrern, einen Überblick zu gewinnen. Aktuell gibt es in Rheinland-Pfalz etwa 700 Ladepunkte für Elektro-Autos. Die Verbraucherzentrale in Mainz will im nächsten Jahr den Markt der Ladestationen und die Tarife überprüfen, kündigte der zuständige Referent, Fabian Fehrenbach, auf Anfrage an.

Wer spontan tankt und keine passende Karte zur Hand hat, zahlt an einer Schnellladesäule der Pfalzwerke 53 Cent je Kilowattstunde, das sind 15 Cent mehr als mit der Pfalzwerke Charge & Drive-Karte, für die allerdings eine monatliche Grundgebühr von 9 Euro fällig ist. Für einen normalen, also nicht beschleunigten Ladevorgang liegen die Preise an den unterschiedlichen Ladestationen nach einer Schätzung Göttings zwischen 20 und 40 Cent je Kilowattstunde. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 15 bis 20 Kilowattstunden je 100 Kilometer kostet nur der Strom für diese Strecke also zwischen 3 und 8 Euro.

Die meisten Fahrer von E-Autos nutzen bisher das heimische Stromnetz über eine installierte Wallbox, also eine spezielle Steckdose, zum Laden und nur selten die öffentliche Infrastruktur. Schnäppchenjäger kennen darüber hinaus kostenlose Ladestationen, wie sie mitunter auf Supermarktparkplätzen angeboten werden. Auch in der Stadt Mainz zahlen E-Auto-Fahrer nach den Worten Göttings bisher nichts für den Autostrom.

Vielfahrer als Kunden im Blick

Mit dem neuen Tarif wollen die Pfalzwerke vor allem Vielfahrer als Kunden gewinnen, die dringend auf eine öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen sind, sagt eine Unternehmenssprecherin. Es würden derzeit weitere Tarife für weitere Zielgruppen entwickelt. Mit „Charge & Drive“ trete das Unternehmen erstmals als Ladestationsbetreiber und eigenständiger Fahrstromanbieter auf. Außerdem würden damit die neuen behördlichen Vorgaben erfüllt. Diese fordern die Abrechnung auf der Basis von Kilowattstunden. Pauschalen oder zeitabhängige Tarife werden bald nicht mehr möglich sein. „Veränderungen ziehen immer Rückfragen oder auch einmal Unmutsäußerungen nach sich“, sagte sie mit Blick auf die bisherigen Kunden, aber es habe nur wenige Rückfragen gegeben.

Bald Entscheidung über Freshmile

Sehen die Pfalzwerke die Zusammenarbeit mit Freshmile als Fehler an? Die Sprecherin drückt es so aus: „In diesem doch sehr jungen Marktsegment haben wir (…) wichtige Erkenntnisse über die unterschiedlichen Marktzugänge und -entwicklungen in Deutschland und in Frankreich gewonnen.“ In den nächsten Wochen soll entschieden werden, wie es mit der Freshmile Deutschland GmbH weitergeht. Über die Höhe des finanziellen Engagements macht Becker keine Angaben. Der entstandene Aufwand sei vertretbar, weil es Investitionen in die Zukunft seien. Hier geht’ zum Kommentar

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