Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Die Bahn will ein guter Nachbar sein

Niedrige Lärmschutzwände wie hier im rheinland-pfälzischen Osterspai sollen dazu beitragen, den Bahnlärm zu reduzieren.
Niedrige Lärmschutzwände wie hier im rheinland-pfälzischen Osterspai sollen dazu beitragen, den Bahnlärm zu reduzieren.

Rund 800.000 Anwohner von Bahnlinien sollen bis 2030 vom Schienenlärm entlastet werden. Dafür werden weitere 1250 Kilometer Schallschutzwände an Bahnstrecken gebaut.

Das neue Lärmschutzziel kündigten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und die bundeseigene Deutsche Bahn (DB) in Berlin an. „Menschen, die in der Nähe einer Bahnstrecke wohnen, sollen gut leben und vor allem gut schlafen können“, betonte Scheuer. Die Bahn wolle ein guter Nachbar sein.

Alle 63.000 DB-eigenen Güterwagen seien nun mit leiseren Bremsen ausgerüstet, sagte DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta. Die DB hat laut Nikutta rund 220 Millionen Euro in den Umbau investiert. Der Einbau von Bremsen aus Kunststoff macht die Züge leiser und halbiert den wahrgenommenen Lärm im Vergleich zu den bisherigen Graugussbremsen, die Räder stärker verschleißen und quietschen lassen. Allerdings verursachen die „K-Sohlen“ höhere Wartungskosten.

2000 Kilometer Strecke sind bereits lärmsaniert

Zudem werden bis Jahresende rund 2000 Kilometer Strecken lärmsaniert sein, wie DB-Vizechef Ronald Pofalla betonte. Allerdings bleibt noch sehr viel zu tun: Seit Absenkung der Grenzwerte in Wohngebieten auf 67 dB (tagsüber) und 57 dB (nachts) haben viel mehr Anwohner Anspruch auf Schallschutz. Laut dem DB-Lärmschutzbericht müssen 6500 Kilometer statt bisher 3700 Kilometer Strecken saniert werden, die Zahl der betroffenen Städte und Gemeinden ist um 700 auf 2200 gestiegen. Künftig sollen die Grenzwerte weiter sinken.

Bis 2030 wollen die Regierung und die DB mehr Personen- und Güterverkehr auf die Schiene bringen. Dafür sei Akzeptanz an den Bahnstrecken nötig, sagte Scheuer. Der Bund werde sein 1999 gestartetes Lärmsanierungsprogramm fortführen, für das mit der DB AG bereits 1,5 Milliarden Euro investiert wurden. Jedes Jahr sollen an weiteren 125 Kilometern-Strecken Schutzwände errichtet und betroffene Wohnungen mit Schallschutzfenstern ausgerüstet werden.

Bisher wurden den Angaben zufolge die Ortsdurchfahrten von 1300 Städten und Gemeinden entlastet. 64.000 Wohneinheiten bekamen besseren Schallschutz. In diesem Jahr wurden 60 Kilometer neue Schutzwände errichtet und dafür 145 Millionen Euro investiert. Künftig könnten Baumaßnahmen zum Lärmschutz mit dem Investitionsbeschleunigungsgesetz schneller durchgeführt werden, weil keine Umweltprüfung mehr nötig sei, erklärte Pofalla.

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