Wirtschaft
Deutsche Bahn will deutlich mehr Güter transportieren
Die Deutsche Bahn will wieder mehr Güterzüge fahren lassen und so Millionen Lkw-Fahrten vermeiden. „Das ist eine Richtungskorrektur“, sagte DB-Vorstandsmitglied Sigrid Nikutta. Das Cargo-Geschäft steckt seit Jahren in den roten Zahlen. Bisher hatte das Management bei Europas größter Güterbahn eher mit Kürzungen reagiert.
Kaum einen Monat nach ihrem Antritt als neue Vorstandsfrau für Logistik bei der Deutschen Bahn (DB) und Chefin der DB Cargo AG legte die Corona-Pandemie immer mehr Transportgeschäfte lahm. Die Krise hat für die Managerin indes auch etwas Gutes, denn der Fern-, Regional- und Güterverkehr auf der Schiene habe seine Systemrelevanz gezeigt: „Die DB hat sich extrem bewährt, das war ein richtiger Leistungsbeweis.“
Bahntransport „schnelle Klimaschutzmaßnahme“
Die promovierte Psychologin nutzte am Donnerstag ihre erste große Telefonpressekonferenz dazu, für eine neue Ära des umweltschonenden Schienengüterverkehrs zu werben. DB Cargo habe für den Klima- und Umweltschutz „immense Bedeutung und große Verantwortung“. Jede Tonne Fracht, die von der Straße auf Züge verlagert werde, sorge für 80 Prozent weniger Belastung mit CO2-Schadstoffen. Da gebe es „ein unglaubliches Potenzial“, besonders auf längeren Strecken. Der Ausbau der Bahntransporte sei daher „eine der am schnellsten umsetzbaren Klimaschutz-Maßnahmen“, betont Nikutta. Denn das nötige Netzwerk dafür sei schon da: der Einzelwagenverkehr der DB als „grüne Alternative zum Lkw auf der Straße“. Dieses umweltfreundliche und exzellent ausgebaute Transportsystem für alle Güter sei „ein enormes Pfund, auf das wir stolz sein und mit dem wir wuchern können“.
Das Problem allerdings: Dieses einst schlagkräftige Netzwerk aus noch neun großen Rangierbahnhöfen (darunter Mannheim), 130 weiteren Zugbildungsanlagen und 2500 von einst mehr als 13.000 Verladestellen ist nur noch zu einem Bruchteil ausgelastet und deshalb extrem verlustreich. „Wir könnten das Vier- oder Fünffache an Transporten schaffen“, sagt Nikutta. Dafür soll nun eine ehrgeizige Wachstumsoffensive sorgen. Auch im Kombi- und Ganzzugverkehr soll DB Cargo endlich wieder zulegen und Kunden nicht länger durch Unzuverlässigkeit und fehlende Kapazitäten enttäuschen.
Aufbruchstimmung bei Mitarbeitern
Unter den europaweit knapp 30.000 Cargo-Beschäftigten herrsche Aufbruchstimmung wie seit langem nicht mehr, berichten Betriebsräte, nachdem Nikutta in den letzten Monaten an vielen Stellen im Konzern vor Ort war. Besonders gut kommt an, dass sie wieder mehr Kompetenzen in die Regionen verlagert, damit anders als bisher auch garantiert zeitnah Lokführer da sind, um bestellte Züge pünktlich zu fahren. Ein griffiges Ziel für alle hat die neue Chefin festgelegt: DB Cargo soll es bis 2030 schaffen, 25 Millionen Lkw-Fahrten pro Jahr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Diese enorme Zahl entspricht der Vorgabe der Bundesregierung und von Verkehrsminister Andreas Scheuer, bis dahin den seit Jahrzehnten gesunkenen Anteil der Schiene am Güterverkehr von aktuell kaum noch 19 auf wenigstens 25 Prozent zu steigern.