Wirtschaft
Deutsche Bahn schreibt tiefrote Zahlen
Wie Bahnchef Richard Lutz und Finanzvorstand Levin Holle am Donnerstag in Berlin erläuterten, stürzte das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), das im Vorjahr noch plus 1,8 Milliarden Euro betragen hatte, auf minus 2,9 Milliarden Euro ab. Davon entfielen allein minus 1,7 Milliarden Euro auf den Fernverkehr. Dort ging die Anzahl der Reisenden im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent auf 81,3 Millionen zurück, im Vorjahr waren es 150,7 Millionen. Der Rückgang wäre noch höher, wenn es nicht in den beiden Monaten Januar und Februar noch deutliche Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr gegeben hätte. Sowohl die roten Zahlen im operativen Geschäft als auch der extrem hohe Nachsteuerverlust sind beispiellos in der Geschichte der DB. Die Zahl von 5,7 Milliarden Euro enthält auch negative außerordentliche Effekte in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Hierzu zählt vor allem eine Sonderabschreibung bei der Auslandstochter DB Arriva. Die Nettofinanzschulden stiegen zum Jahresende auf 29,345 Milliarden Euro, das sind 21,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Schaden bis 2024 auf 10 Milliarden Euro geschätzt
Der Umsatz des DB-Konzerns sank um 10,2 Prozent auf 39,9 Milliarden Euro. Auch für das laufende Jahr rechnet Finanzchef Levin Holle mit roten Zahlen. Er erwartet derzeit ein Ebit von etwa minus 2 Milliarden Euro. Der DB-Konzern schätzt, dass die Corona-Pandemie im Eisenbahnsystem bis 2024 einen Schaden von rund 10 Milliarden Euro anrichten wird.
Bei der Schienengüterverkehrssparte DB Cargo, die bereits das sechste Jahr in Folge rote Zahlen schreibt, sank die Verkehrsleistung um 7,5 Prozent auf 78,67 Milliarden Tonnenkilometer. Die Betriebsleistung auf dem DB-Netz ging um 2,2 Prozent auf 1,066 Milliarden Trassenkilometer zurück. In diesem vergleichsweise geringen Rückgang spiegelt sich wieder, dass sowohl von den Nahverkehrsaufgabenträgern als auch von der DB in Fernverkehr das Zugangebot in der Corona-Krise größtenteils aufrecht erhalten worden ist.
Höhere Kapazitäten im Osterreiseverkehr
Über die Osterfeiertage will die DB wie bereits an Weihnachten 2020 die Kapazitäten erweitern. „Wir rechnen derzeit über Ostern mit einer durchschnittlichen Auslastung von 25 bis 30 Prozent“, sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am Donnerstag in Berlin. Das entspreche etwa 35 bis 40 Prozent des Niveaus, das die Bahn zu normalen Osterzeiten verzeichnet. Die DB will der höheren Nachfrage über die Feiertage mit einer Ausweitung des Angebots gerecht werden. Bei bestimmten Zügen werde die Kapazität aufgestockt, sagte Huber. An den besonders verkehrsintensiven Ostertagen sollen zudem Zusatzzüge zum Einsatz kommen, „so dass wir wie an Weihnachten immer ausreichend Platz in den Zügen anbieten können“.
