Wirtschaft DB Cargo will wieder wachsen

Durch eine Senkung der Trassenpreise soll ab 2018 die Kostensituation des Bahngüterverkehrs verbessert werden. Dies ermutigt die
Durch eine Senkung der Trassenpreise soll ab 2018 die Kostensituation des Bahngüterverkehrs verbessert werden. Dies ermutigt die DB nun zu Neueinstellungen und zur Bestellung neuer Loks und Wagen.

«Berlin». Angesichts von Kundenbeschwerden, florierender Wirtschaft und Aussicht auf deutlich sinkende Trassenpreise korrigiert die Deutschen Bahn (DB) ihren Kurs im Schienengüterverkehr. Das Unternehmen werde im operativen Geschäft kein Personal reduzieren, sondern vielmehr zusätzliche Arbeitsplätze und Transport-Kapazitäten schaffen, teilte DB Cargo gestern mit.

Man wolle jetzt den Rückenwind durch die steigende Nachfrage und den sogenannten „Masterplan Schienengüterverkehr“ nutzen. In diesem Plan der Bundesregierung ist unter anderem eine Senkung der Trassengebühren verankert, die die Branche jährlich um 350 Millionen Euro entlasten soll. Die angeschlagene DB Cargo hat derzeit wegen der brummenden Konjunktur viele Aufträge, kann diese aber nur zum Teil bewältigen. Dies führte zu zahlreichen Kundenbeschwerden etwa aus der Stahlbranche. Die DB will jetzt mit den Investitionen gegensteuern. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sprach von einem Erfolg ihres Drucks. Der Kauf von Loks und Waggons sei ein überfälliger Schritt. Auch die Einstellung mehrerer Hundert Mitarbeiter habe man lange gefordert. Eine Sondersitzung des DB-Cargo-Aufsichtsrats war nach zahlreichen Kundenbeschwerden vor allem aus der Stahlbranche einberufen worden. Laut einem DB-internen Papier drohten Kunden mit Verlagerung der Transporte auf Lkw oder andere Bahn-Unternehmen, da DB Cargo unzuverlässig sei. DB Cargo will Konzernkreisen zufolge bis zu 100 Siemens-Loks bestellen. Der Wert für die Vectron-Loks liege bei 370 Millionen Euro, sagten gestern mehrere mit dem Auftrag Vertraute. Fest bestellt würden 60, die noch 2018 ausgeliefert werden sollen. Für weitere 40 werde eine Option vereinbart. Der Konzern-Aufsichtsrat solle das Geschäft Ende Juli formal besiegeln. Auch der Kauf von rund 4000 Güterwaggons soll beschlossen werden. Nach langem Ringen, das von Protestaktionen der EVG unter anderem auch in Ludwigshafen begleitet worden war, hatten sich im vergangenen Jahr DB und Betriebsräte auf einen Kompromiss beim Sanierungskurs verständigt – mit dem Abbau von gut 2000 der alles in allem etwa 18.000 Stellen bei DB Cargo. Allerdings stellte sich angesichts steigender Nachfrage nach Transportleistungen dann bald heraus, dass vor allem im operativen Bereich – also beispielsweise bei Lokführern und Wagenmeistern – Mangel herrscht. Laut Mitarbeitern konnten zum Teil neue Aufträge nicht angenommen werden. EVG-Chef Alexander Kirchner sagte: „Es gibt noch viele hausgemachte Schwierigkeiten, die beseitigt werden müssen, damit das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur geführt werden kann.“ Wertberichtigungen in der defizitären Schienengüterverkehrssparte, die 2014 und 2015 schwer durch die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL gebeutelt worden war, waren 2015 maßgeblich dafür verantwortlich, dass der DB-Konzern einen Milliarden-Verlust verbuchte. Zuletzt besserte sich die Lage zwar, DB Cargo blieb aber in den roten Zahlen.

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