Stuttgart / Wörth
Betriebsrat alarmiert: Milliarden-Sparplan bei Daimler Truck
Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck will nach RHEINPFALZ-Informationen in Europa bis 2030 eine Milliarde Euro einsparen. Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren ist, hat der Konzern den Gesamtbetriebsrat bereits am 20. Januar über die Sparpläne mit dem Namen Cost Down Europe informiert. Die Pläne betreffen die Lkw-Sparte von Daimler Truck in Europa, die Bus-Standorte sind dagegen von den Sparplänen ausgenommen.
Eine Sprecherin des Unternehmens in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart wollte zu der Summe keine Angaben machen. Der Vorstand habe ein Effizienzprogramm angekündigt, sagte sie lediglich. Dazu wolle man Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen.
Nachdem der Betriebsrat informiert wurde, hat Konzernchefin Karin Radström am 23. Januar die Belegschaft per Mail und per Video über die Pläne unterrichtet, einen Tag später schickte der Betriebsrat ein digitales Flugblatt an die Beschäftigten: „Das Unternehmen will bei Daimler Truck in Europa vor allem in der Produktion, in Forschung und Entwicklung, sowie der Zentrale mehr als eine Milliarde Euro sockelwirksam einsparen“, ist dort zu lesen. Dann stellt der Betriebsrat klar, dass er sich nicht gegen effizientere Prozesse und Veränderungen stelle. Er sage aber „Nein zum reinen Kostensenken“ und zu einem „unbedachten Personalabbau“. In dem Flugblatt wird auch auf die Betriebsvereinbarung „Zukunftssicherung 2030“ verwiesen, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 grundsätzlich ausschließt
Insbesondere deutsche Werke betroffen
Bislang steht nicht fest, wie das Sparziel von einer Milliarde Euro erreicht werden soll. Unklar ist, ob Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Ebenso, ob geplant ist, Teile der Produktion zu verlagern. Klar ist nur, dass es insbesondere die deutschen Werke betreffen wird, wie das Lkw-Werk im südpfälzischen Wörth mit rund 10.000 Beschäftigen. Dort ist für kommenden Mittwoch eine Betriebsversammlung geplant.
Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht teilte auf Anfrage mit: „Diese Dimension eines Sparprogramms hat es bei Daimler Truck noch nie gegeben.“ Der Vorstand müsse der Belegschaft nun auf Betriebsversammlungen erklären, warum und wie er das Sparprogramm umsetzen wolle. Brecht: „Für uns steht fest: Sparen ist keine Strategie. Daimler Truck ist kein Sanierungsfall.“
Absatz ist eingebrochen
Ähnlich äußerte sich Marc Tinger, erster Bevollmächtigter der IG Metall Landau: „Wir sind gespannt, was der Vorstand da will, das muss er erstmal erklären“, sagte Tinger. Und weiter: „Wir brauchen gute Produkte und zufriedene Kunden“, dazu brauche es eine gute Unternehmensführung. Vergangenes Jahr habe es einen Tarifabschluss gegeben, „der der wirtschaftlichen Lage gerecht wurde“. Vorab war auch die Belegschaft in Wörth auf die Straße gegangen. Die Gewerkschaft IG Metall habe in jüngster Zeit viele Mitglieder im Lastwagenwerk dazu gewonnen. „Wir sind in Wörth gut aufgestellt und in jedem Fall mobilisierungsfähig“, so Tinger. Meldungen über einen Sparkurs „machen auch was mit der Belegschaft.“ Nun liege der Ball beim Management, das erkläre müsse, was sich der Konzern vorstelle und mit welchem Ziel. Schließlich sei Daimler Truck ein gut aufgestelltes Unternehmen und verdiene Geld.
Allerdings ist der Nutzfahrzeughersteller zuletzt ins Schlingern geraten. Daimler Truck kämpft infolge der Konjunkturkrise mit einer Nachfrageschwäche – insbesondere in Europa und Asien. Konzernchefin Radström hatte deswegen bereits angekündigt, auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten jeden Stein umdrehen zu wollen.
Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 460.409 Lkw und Busse verkauft – ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark ging der Absatz bei der insbesondere in Europa und Südamerika vertretenen Marke Mercedes-Benz Trucks zurück, deren Fahrzeuge zu einem großen Teil in Wörth gefertigt werden.
Ausführliche Geschäftszahlen will Daimler Truck am 14. März vorlegen. Bis dahin dürften auch genauere Informationen über die geplanten Sparmaßnahmen vorliegen.