Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Bilfinger: Job-Abbau trotz guter Perspektiven

In der Bilfinger-Zentrale in der Oskar-Meixner-Straße in Mannheim sind rund 230 Mitarbeiter beschäftigt. Auch hier werden es woh
In der Bilfinger-Zentrale in der Oskar-Meixner-Straße in Mannheim sind rund 230 Mitarbeiter beschäftigt. Auch hier werden es wohl weniger.

Bilfinger hat seinen Umsatz 2022 deutlich gesteigert. Der international tätige Industriedienstleister mit Hauptsitz Mannheim legt auch beim Gewinn zu. Die Prognosen sind positiv, doch in der Verwaltung fallen 750 Stellen weg.

Über allem steht die Effizienz. Seinen Kunden aus der Industrie will Bilfinger als Projekt- und Service-Anbieter zu effizienteren Anlagen und Prozessen verhelfen. Zugleich hat sich der international tätige Konzern mit Hauptsitz Mannheim selbst ein Effizienzprogramm auferlegt, um seinen Gewinn zu steigern.

Bis Ende 2023 baut der Industriedienstleister als Teil dieses Programms weltweit 750 Stellen in der Verwaltung ab. Wie viele davon die Hauptadministration in Mannheim und die deutschen Standorte betreffen, ließ der Vorstandsvorsitzende Thomas Schulz am Dienstag bei der Vorlage der vorläufigen Jahreszahlen offen. Es seien nicht nur Verwaltungsstellen in Deutschland betroffen, sondern auch auf internationaler Ebene, betonte Schulz.

30.309 Mitarbeiter weltweit – 6333 in Deutschland

Weltweit hat Bilfinger 30.309 Mitarbeiter, in Deutschland sind es 6333. In der Zentrale in der Mannheimer Oskar-Meixner-Straße arbeiten 230 Beschäftigte.

Die 956 Bilfinger-Mitarbeiter in der Metropolregion Rhein-Neckar verteilen sich auf Mannheim, Ludwigshafen – davon ist der größte Anteil als Service-Dienstleister beim Großkunden BASF tätig –, den Raum Neustadt, Heidelberg und Schwetzingen.

Knapp 500 Mitarbeiter in der Pfalz tätig

In der Pfalz sind knapp 500 Bilfinger-Mitarbeiter tätig, vorwiegend dezentral direkt in den Niederlassungen der jeweiligen Kunden. International beschäftigte Bilfinger zuletzt eine wachsende Anzahl an Mitarbeitern, in Deutschland ging die Beschäftigtenanzahl leicht zurück auf 6333 (2021: 6425).

Was Umsatz und Gewinn angeht, ist Bilfinger weiter stramm auf Wachstumskurs. 2022 hatte der Konzern deutlich mehr „Cash in de Täsch“, wie Finanzchef Matti Jäkel sagte: Die freien flüssigen Mittel (Free Cashflow) stiegen 2022 auf 136 Millionen Euro (2021: 115 Mio. Euro).

Rückenwind am Jahresende

Bilfinger hat 2022 seine prognostizierten Ziele erreicht. Der Konzern hat seinen Jahresumsatz um 14 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro gesteigert. Auch der Auftragseingang hat sich um 14 Prozent erhöht – auf 4,6 Milliarden Euro. Ein besonders starkes viertes Quartal habe Bilfinger „gegen Ende des Jahres Rückenwind“ gegeben, sagte Finanzchef Jäkel. Als Umsatzziel gibt der Konzern, der deutlich profitabler werden will und positiv auf 2023 blickt, für das laufende Jahr eine Spanne zwischen 4,3 und 4,6 Milliarden Euro aus.

Das um Sondereinflüsse – insbesondere die 62 Millionen Euro Aufwendungen für das Effizienzprogramm, zum Beispiel für Abfindungen, – bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) belief sich auf 140 Millionen Euro (2021: 137 Millionen Euro).

Investitionen in Aus- und Weiterbildung

Mit dem Effizienzprogramm soll der Gewinn mittel- und langfristig deutlich gesteigert werden. Zugleich werde man ein Viertel der durch das Programm erzielten längerfristigen Einsparungen von 55 Millionen Euro jährlich in Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter investieren, sagte Schulz. Mit „Fachwissen und Technik“ könne Bilfinger dem Klimawandel entgegenwirken. Mit dem für die Gesellschaft wichtigen Thema Nachhaltigkeit gehe „in den kommenden Jahrzehnten ein riesiger Wachstumsmarkt“ einher, „an dem wir teilhaben werden“, sagte Schulz. So erachtet der Bilfinger-Boss Wasserstoff und das Abscheiden und Speichern von CO2 als Wachstumsmotoren.

Strategisch günstige Doppelrolle

Ein für Bilfinger wichtiges Projekt etwa ist das beim tschechischen Unternehmen Spolchemie. Dort untersucht Bilfinger, wie Wasserstoff, der als Nebenprodukt bei chemischen Produktionsprozessen entsteht, als Kraftstoff für Autos, Busse und Züge genutzt werden kann.

Zugleich ist der Konzern beim Rückbau von Anlagen, die fossile Brennstoffe verarbeiten, aktiv – eine strategisch günstige Doppelrolle.

Aktionäre profitieren

Die Dividende je Aktie soll bei 1,30 Euro liegen. Auch diese Aussicht ließ den Kurs der Bilfinger-Papiere am Dienstag deutlich ansteigen.

x