Unternehmen
BASF: Warum Markus Kamieth Vorstandschef werden könnte
Irgendwann sei es auch mal gut. Jeder sei ersetzbar, auch der Vorstandsvorsitzende der BASF, sagte Martin Brudermüller in einem Interview mit der RHEINPFALZ Mitte dieses Jahres. Er sei zur Hauptversammlung im April 2024 dann 36 Jahre bei der BASF, die Hälfte davon im Vorstand. Und in einem Alter von dann 63 Jahren sei er ohnehin über der Altersgrenze für den BASF-Vorstand, die – als Orientierungsgröße – im Bereich der 60 liege. Spätestens seit Oktober 2022 war die Suche nach einem Nachfolger eröffnet: Damals teilte die BASF mit, dass Brudermüllers Mandat als Vorstandsvorsitzender nicht um die üblichen fünf Jahre, sondern nur um eineinhalb Jahre verlängert wird, eben bis zur Hauptversammlung 2024.
Nur zwei kommen infrage
Aus verschiedenen Gründen gibt es derzeit personell nicht viele Möglichkeiten für die Nachfolge Brudermüllers, wenn man die Gepflogenheiten der BASF in Rechnung stellt. Die Unternehmensleitung legt seit Jahrzehnten größten Wert darauf, dass die beiden wichtigsten Posten – Vorsitz des Vorstands und Vorsitz des Aufsichtsrats – mit Leuten aus den eigenen Reihen besetzt werden. Die aktuellen Vorstandsmitglieder arbeiten zwischen 21 und 39 Jahre für die BASF.
Brudermüllers Nachfolger wird also aus dem sechsköpfigen Vorstand des Chemiekonzerns kommen. Und selbst dort müssen sich Kandidaten erst einmal einige Jahre warmlaufen, um Aussicht auf den Vorsitz des Führungsgremiums zu haben. Aus diesem Grund und wegen ihres Alters lassen sich von vornherein schon die meisten Vorstandsmitglieder ausschließen.
Stephan Kothrade und Finanzvorstand Dirk Elvermann dürften zur Hauptversammlung 2024 mit 14 Monaten beziehungsweise zwölf Monaten Amtszeit noch zu wenig Erfahrung als Vorstandsmitglieder vorweisen können. Michael Heinz, der mit Sitz in den USA derzeit unter anderem das Amerika-Geschäft der BASF verantwortet, dürfte zu alt für die Nachfolge von Brudermüller sein. Er wird 2024 60 Jahre alt. Sein Vorstandsmandat läuft im kommenden Jahr ab. Damit dürfte Heinz als nächster altersbedingt aus dem Vorstand ausscheiden und nicht den Vorsitz übernehmen. Damit kommen nur noch Melanie Maas-Brunner und Markus Kamieth als Nachfolger von Brudermüller infrage. Sie wären beide jung genug. Kamieth wird im kommenden Jahr 54 Jahre alt, Maas-Brunner 56. Beide könnten also zumindest einen bei der BASF üblichen Fünf-Jahresvertrag voll erfüllen, bis sie in ein Alter kommen, in dem Vorstände ans Aufhören denken.
Allerdings gibt es zwei gravierende Unterschiede zwischen den beiden: ihre Zeit als Vorstandsmitglied und ihre Erfahrung mit dem für die BASF überaus wichtigen China-Geschäft. Maas-Brunner wird im kommenden Jahr drei Jahre in dem BASF-Führungsgremium sein, Kamieth dagegen bereits sechs Jahre. Maas-Brunner war ab 2008 wenige Jahre als Vice President und Senior Vice President in Hongkong. Kamieth sitzt seit 2020 als Vorstandsmitglied in Hongkong. Das könnten zwei schlagende Argumente dafür sein, dass derzeit Markus Kamieth der aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge von Martin Brudermüller als Vorstandsvorsitzender der BASF ist. Damit stellen sich aber noch einige weitere interessante Personalfragen für den BASF-Vorstand. So ist beispielsweise der Posten des Stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden seit April 2023 nicht mehr besetzt. Zuvor hatte diese Position seit 2018 der frühere Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel inne, dessen Amtszeit mit der Hauptversammlung in diesem Jahr endete. Würde Kamieth Brudermüllers Nachfolger, könnte Maas-Brunner dann Stellvertretende Vorstandsvorsitzende werden. Oder umgekehrt.
Die Stellvertreter-Option
Die BASF muss den Stellvertreter-Posten zwar nicht besetzen. Wenn der Aufsichtsrat aber Kamieth und Maas-Brunner in die engere Auswahl für den Chefposten genommen hat, dann wäre es verständlich, warum nach dem Weggang von Engel der Stellvertreter-Posten zunächst unbesetzt blieb. Denn bisher war es so in der BASF, dass derjenige, der Stellvertreter wurde, eben später nicht mehr Vorstandsvorsitzender wird. Davon gibt es historisch wohl nur eine Ausnahme: Und die heißt Martin Brudermüller. So hat der Aufsichtsrat zwei Pferde im Rennen und mit dem offenen Stellvertreter-Posten eine Option für den oder die Zweitplatzierte/n.
Mit dem Weggang von Brudermüller und dem altersbedingt anstehenden Ausscheiden von Vorstand Michael Heinz ist aber demnächst auch zu entscheiden, wer aus der zweiten Führungsebene in den Vorstand aufrückt. Wenn darunter eine Frau wäre, würde das der BASF-Chefetage sicher gut zu Gesicht stehen.