Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-Stammwerk: Partnerfirmen klagen über massiven Preisdruck

Bis zu 16.000 Mitarbeiter von Partnerfirmen arbeiten im BASF-Stammwerk. Das entspricht der Größe der Belegschaft des Softwarekon
Bis zu 16.000 Mitarbeiter von Partnerfirmen arbeiten im BASF-Stammwerk. Das entspricht der Größe der Belegschaft des Softwarekonzerns SAP in der Rhein-Neckar-Region. Foto: BASF

Außer den 35 340 Beschäftigten in Ludwigshafen arbeiten am weltweit größten Chemiestandort derzeit rund 9500 Leute von Fremdfirmen. Aus den Reihen dieser sogenannten Kontraktoren, die ein Schattenwerk des Stammwerks bilden, kommen jetzt Klagen über massiven Preisdruck.

„Die BASF betreibt eine Kampagne bezüglich einer Preisreduzierung, indem sie uns Dienstleister enorm unter Druck setzt“, beklagt sich ein Mitarbeiter einer Fremdfirma bei der RHEINPFALZ. Die BASF verlange für die Verlängerung sogenannter Rahmenverträge einen Preisnachlass im zweistelligen prozentualen Bereich. Solche Verträge mit Fremdfirmen beziehungsweise Kontraktoren werden für bestimmte Laufzeiten – etwa über zwei Jahre – abgeschlossen. Das betreffe Geschäftsfelder wie Instandhaltung, Rohrleitungsbau, Ingenieurwesen, Kraftwerkservice, Armaturenservice und Gerüstbau. Jeder Kontraktor, der den Preisnachlass nicht gewähre, solle in den nächsten Jahren keinen Rahmenvertrag erhalten. „Sollte dies der Fall sein, fürchte ich Massenentlassungen. Ich habe Angst um meinen Arbeitsplatz“, so ein Mitarbeiter.

Auf Nachfrage räumte ein BASF-Sprecher den Preisdruck indirekt ein. „Je nach Marktlage können Preisnachlässe bei der Verlängerung von Kontraktorenverträgen erzielt werden“, sagte er. Und: „Bei den Rahmenverträgen für technische Leistungen waren in den vergangenen fünf Jahren erhebliche Preissteigerungen zu verzeichnen. Diese bewegten sich deutlich über den Tarifabschlüssen. Dieser Preisentwicklung will BASF bei den aktuellen Rahmenverträgen entgegenwirken.“

BASF: Kontraktoren müssen sich an der Wettbewerbssituation orientieren

Die BASF-Einkaufsabteilung empfehle ihren Dienstleitern im Stammwerk, die Kostensenkungen durch den Einsatz osteuropäischer Mitarbeiter oder Subunternehmen aufzufangen, oder durch den Einsatz von Flüchtlingen, heißt es aus den Reihen der Kontraktoren. Die BASF zeige kein Verständnis für ihre Partnerfirmen, die ihren Mitarbeitern tarifkonforme Löhne zahlten und Leasingkräfte beziehungsweise Subunternehmen zu marktüblichen Konditionen einsetzten. Dazu der BASF-Sprecher: „In Anbetracht des großen Bedarfs an technischen Leistungen bezieht sich die Beschaffung auf alle europäischen Länder. Das heißt, bei Ausschreibungen werden Firmen aus ganz Europa berücksichtigt. Kontraktoren, die seit vielen Jahren mit der BASF zusammenarbeiten, müssen sich an dieser Wettbewerbssituation orientieren.“ Zur Behebung des Fachkräftemangels sei die verstärkte Suche von Fachkräften im Ausland in allen Branchen gelebte Praxis.

Zudem wird beklagt, die BASF habe vor den Ausschreibungen der Rahmenverträge im Jahr 2017 die Mietpreise für die von Kontraktoren in Anspruch genommenen Flächen im BASF-Stammwerk verdoppelt und verlange hohe Anschlusskosten für Infrastruktureinrichtungen. Dazu sagte der BASF-Sprecher, aus Sicherheits- und Platzgründen und wegen Bauprojekten am Standort hätten die Verträge für Kontraktoren-Stützpunkte neu geregelt werden müssen. Dabei seien individuelle Interessen berücksichtigt worden, je nach Art der Nutzung und der Größenordnung. Dabei gehe es um Lager, Werkstätten, Büros und Umkleideräume. „Die Flächen auf dem Werksgelände wurden im Zuge dieser Maßnahme deutlich teurer“, bestätigt der BASF-Sprecher. Allerdings seien Stützpunkte an der BASF-Kläranlage, die sogar billiger als die alten Flächen gewesen wären, von den Kontraktorenfirmen nicht nachgefragt worden.

Immer wieder Kontroversen

Der Einsatz von Fremdfirmen im Stammwerk sorgt immer wieder für Kontroversen. Es war ein Mitarbeiter einer Fremdfirma, der am 17. Oktober 2016 bei Wartungsarbeiten an einer geleerten und gespülten Pipeline eine benachbarte, mit brennbarem Raffinat gefüllte Röhre mit einer Trennscheibe angeschnitten hat. Das löste ein Explosionsunglück mit fünf Toten und vielen Verletzten aus. Danach wurde im Umfeld des Unternehmens kritisiert, dass solch gefährliche Arbeiten an Fremdfirmen vergeben werden. Auch bei den für die BASF peinlichen und teuren Pannen beim Bau des größten Investitionsprojekts in der Unternehmensgeschichte, der TDI-Anlage, spielten Kontraktoren eine große Rolle. Bis zu 2500 Mitarbeiter von Fremdfirmen waren beim Bau des gut 1 Milliarde Euro teuren Fabrikenverbunds aktiv.

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