Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF: Sparkurs läuft nach Plan

Dem BASF-Stammwerk in Ludwigshafen steht eine neue Sparrunde bevor, die auch mit einem Personalabbau verbunden sein wird.
Dem BASF-Stammwerk in Ludwigshafen steht eine neue Sparrunde bevor, die auch mit einem Personalabbau verbunden sein wird.

Das Geschäft des Chemiekonzerns bleibt im zweiten Quartal verhalten. Die Einsparmaßnahmen, die stark den Standort Ludwigshafen betreffen und auch mit Personalabbau verbunden sind, verliefen wie vorgesehen, heißt es. An den Prognosen für das laufende Geschäftsjahr hält die BASF fest.

Der Umsatz der BASF ging im zweiten Quartal dieses Jahres gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 6,9 Prozent zurück auf 16,1 Milliarden Euro. Und das, obwohl der Chemiekonzern mehr Produkte verkauft hat. Die positive Mengenentwicklung von 2,4 Prozent des ersten Quartals habe sich fortgesetzt, sagte der neue BASF-Chef Markus Kamieth am Freitag auf seiner ersten Quartals-Pressekonferenz als Vorstandsvorsitzender. Allerdings: „Die Preise standen weiter unter Druck“, erläuterte er. Das vor allem habe zu dem niedrigeren Umsatz geführt. Der Preisdruck sei aber weniger stark als bislang.

Das für die BASF seit diesem Jahr maßgebliche Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Abschreibungen (Ebitda) und Sondereinflüssen trat mit 1,96 Milliarden Euro (plus 0,6 Prozent) im zweiten Quartal gegenüber der gleichen Vorjahreszeit praktisch auf der Stelle. Insgesamt, so Kamieth weiter, habe die Entwicklung dieses Wertes den Erwartungen entsprochen.

Zwei Standorte schließen

Belastet wurde das Ebitda vor Sondereinflüssen vor allem durch einen deutlich geringeren Ergebnisbeitrag im Geschäftsbereich Agricultural Solutions. Der Pflanzenschutz-Markt sei von anhaltendem Lagerabbau und ungünstigen Witterungsverhältnissen geprägt, erläuterte der BASF-Chef. Das Ebitda vor Sondereinflüssen brach in diesem Segment im Quartal um fast 66 Prozent ein auf 135 Millionen Euro.

Das sei in erster Linie auf Herbizide zurückzuführen, vor allem auf den Wirkstoff Glufosinat-Ammonium, (GA), erläuterte BASF-Finanzvorstand Dirk Elvermann. Der Chemiekonzern stellt deshalb die Produktion dieses Wirkstoffs an den BASF-Standorten Knapsack und Frankfurt bis Ende des Jahres ein, wie vor rund zwei Wochen mitgeteilt. Zusammenstellungen aus GA und Beistoffen sollen in Frankfurt noch bis 2025 gefertigt werden. Die Standorte würden aufgegeben. Alle etwa 300 Arbeitsplätze dort bleiben laut BASF zunächst bis Ende 2025 erhalten und sollen anschließend in Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung schrittweise vollständig abgebaut werden.

Zusätzliche Sonderbelastung

Das GA-Geschäft sei zunehmend beeinträchtigt durch den Wettbewerb mit Nachahmerpräparaten, alternative Produktionstechnologien sowie hohe Energie- und Rohstoffkosten, sagte Elvermann. Deshalb müsse die BASF entschlossen handeln. Die Schließung der Anlagen werde im dritten Quartal 2024 zu Sonderbelastungen im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich führen.

Der Free Cashflow, eine weitere Leistungskennzahl, an der sich der Konzern seit 2024 maßgeblich orientiert, ging im zweiten Quartal in die Knie. Er sank gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 48 Prozent auf 471 Millionen Euro. Der Free Cashflow bezeichnet die Summe der Barmittel, die einem Unternehmen am Ende einer Periode nach Abzug von Ausgaben und Investitionen zur freien Verfügung stehen. Maßgeblich für die Entwicklung sind ausgebliebene Dividendenzahlungen von Unternehmen, an denen die BASF beteiligt ist, wie zum Beispiel der Gas- und Ölproduzent Wintershall Dea. Hinzu kommen gestiegene Auszahlungen für den Bau des neuen Verbundstandortes der BASF im südchinesischen Zhanjiang.

Ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr ließ die BASF unverändert: Das Ebitda vor Sondereinflüssen soll 2024 zwischen 8,0 Milliarden und 8,6 Milliarden Euro (2023: 7,7 Mrd Euro) liegen, der Free Cashflow zwischen 100 Millionen und 600 Millionen Euro (2023: 2,7 Milliarden Euro).

Die derzeit vor allem im Stammwerk in Ludwigshafen laufenden Kosteneinsparungen, die auch mit einem Personalabbau verbunden sind, sieht Finanzvorstand Elvermann „auf gutem Weg“, um die angestrebten jährlichen Einsparungen von zusammen 2,1 Milliarden Euro bis Ende 2026 zu erreichen. Dafür sind laut Elvermann Einmalkosten in Höhe von 1,8 Milliarden Euro zu erwarten. Die im Februar 2023 angekündigten Kosteneinsparprogramme befänden sich mitten in der Umsetzung, sagte der BASF-Finanzchef. Bis Ende dieses Jahres werde die Kosteneinsparungen von jährlich rund 800 Millionen Euro erreichen bei Einmalkosten von rund 550 Millionen Euro.

Die BASF hatte im Februar 2023 „ambitionierte“ Sparmaßnahmen in Europa angekündigt, zu denen auch ein Personalabbau und Anlagenschließungen am Standort Ludwigshafen gehören. Unterm Strich werden dadurch 2600 Stellen ersatzlos gestrichen. Auf Ludwigshafen entfallen davon 1800. Zudem legt der Konzern elf Anlagenkomplexe im Stammwerk still, deren Betrieb nicht mehr aussichtsreich erscheint. Betroffen davon sind weitere rund 700 Mitarbeiter, für die aber eine andere Beschäftigung gefunden werden sollte. Eine Standortvereinbarung für das Stammwerk schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 aus.

Weiterer Stellenabbau unklar

Auch bei dem im Februar dieses Jahres angekündigten weiteren Sparprogramm mit Schwerpunkt auf dem Standort Ludwigshafen komme die BASF „gut voran“, sagte Elvermann. Die Identifizierung von Einsparmaßnahmen sei „nahezu abgeschlossen“. Die Maßnahmen könnten „in Kürze zügig“ umgesetzt werden. Dieses Programm soll bis Ende 2026 jährliche Kosteneinsparungen von rund 1 Milliarde Euro bringen. Damit verbunden sind einmalige Kosten von voraussichtlich 1 Milliarde Euro und ein weiterer Stellenabbau, der bisher nicht näher beschrieben wurde.

BASF-Chef Kamieth wollte sich gestern auf Nachfrage, ausdrücklich nicht dazu äußern, wie hoch dieser erneute Personalabbau im Ludwigshafener Stammwerk ausfallen soll. Die Unternehmensleitung sei in intensiven Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern. Die BASF wolle hier nicht jedes Quartal neue Personalzahlen nennen, sagt Kamieth. Er bestätigte aber, dass es mit dem jüngsten Sparprogramm einen weiteren Stellenabbau in Ludwigshafen geben werde. Die BASF müsse auch weitere Anlagenschließungen im Stammwerk in Erwägung ziehen, sagte der BASF-Chef weiter.

Zielbild für Ludwigshafen

Die BASF hatte im Februar angekündigt, „das Zielbild und die längerfristige Positionierung des Standortes Ludwigshafen“ zu „aktualisieren“. Kamieth kündigte nun an, am 26. September ein Update der Konzernstrategie und „in ersten Zügen“ das Zielbild für Ludwigshafen vorstellen zu wollen. Kamieth hatte Eckpunkten des Zielbildes für das Stammwerk bereits im April umrissen: Ludwigshafen bleibe der größte und am stärksten integrierte Standort der BASF weltweit. Deshalb müsse er auch profitabel werden, was er derzeit nicht sei. Ludwigshafen müsse Kernelement der Transformation zur Klimaneutralität sein. Der Standort werde vor allem Europa versorgen.

Derweil nimmt der Personalstand des Konzerns in Ludwigshafen weiter ab. An seinem Heimatstandort, zu dem neben dem Stammwerk weitere BASF-Gruppengesellschaften gehören, zählte der Chemiekonzern Ende Juni dieses Jahres 38.025 Beschäftigte. Das waren 630 weniger als ein Jahr zuvor, ein Rückgang um 1,6 Prozent. Im Stammwerk fiel der Abbau in der gleichen Zeit sogar noch etwas stärker aus: Hier ging die Belegschaft um 702 auf 33.467 Beschäftigte zurück, ein Minus von 2,1 Prozent. Weltweit zählte die BASF Ende Juni 111.422 Mitarbeiter, was einem leichten Zuwachs gegenüber der gleichen Vorjahreszeit von 0,1 Prozent entspricht.

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