Interview RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-Kantinen: Bieten mehr als Schnipo und Burger

So dicht bevölkert werden die BASF-Kantinen wie diejenige an Tor 3 vor der Pandemie (Foto) aufgrund der jetzigen Hygieneregeln i
So dicht bevölkert werden die BASF-Kantinen wie diejenige an Tor 3 vor der Pandemie (Foto) aufgrund der jetzigen Hygieneregeln in näherer Zukunft nicht sein.

Aniliner, für die Homeoffice nicht möglich ist, müssen an ihrem Arbeitsplatz strenge Hygieneregeln beachten. Auch ihre Verpflegung ist mit Corona komplizierter geworden. Unsere Redakteurin Judith Schäfer sprach darüber mit Claus Hitschler, Leiter der BASF-Kantinen in Ludwigshafen.

Herr Hitschler, gibt es derzeit eigentlich in allen elf Kantinen auf dem Werksgelände der BASF in Ludwigshafen dieselben beiden Gerichte?
Ja, wir planen unser Angebot zentral auf der Basis unserer Ernährungs- und Nachhaltigkeitsstrategie unter Einbezug von Ökotrophologen und anderen Ernährungsexperten. Wir stellen damit in dem recht komplexen Speiseplanprozess eine gemeinsame, zielgerichtete und effiziente Vorgehensweise sicher.

Seit der Schließung unserer Häuser aufgrund der Covid-Verordnungen ab dem 23. März boten wir den Mitarbeitern am Standort zwei täglich wechselnde kalte Snacks zur Abholung an. Zusätzlich konnten Produktionsbetriebe eine warme Mittagsverpflegung bestellen. Mit der Wiedereröffnung der Kantinen ab Montag dieser Woche haben wir zunächst zwei warme Gerichte zur Mitnahme oder zum vor Ort Verzehr im Angebot.

Was ist das Lieblingsessen der Aniliner? Currywurst mit Pommes und Schnitzel, wie in so vielen deutschen Kantinen?
Natürlich haben wir auch gelegentlich die Klassiker Schnipo, Burger und Currywurst auf dem Speiseplan, die sich dann auch immer großem Zuspruch erfreuen.

Wir wollen aber mit Vielfalt und Frische begeistern und ein gesundheitsorientiertes Essen und Trinken fördern. Dabei sind wir bereits recht erfolgreich unterwegs, wie uns das auch der diesjährige Kantinentest der Zeitschrift „Food & Health“ bestätigt. Wir gehören danach in der Gesamtwertung zu den besten fünf Kantinen Deutschlands mit besonderer Stärke in den Bereichen Genuss und Gesundheit.

Auch unsere Kunden, die Mitarbeiter, würdigen die ständige Weiterentwicklung des Angebotes durch viele positive Rückmeldungen.

Warum gibt es zwei Gerichte und nicht mehr? Und wie wählt man die aus? Spielen dabei eigene Vorlieben eine Rolle?
In der aktuellen Situation haben wir eine Vielzahl von Sondermaßnahmen zur Gesundheitsvorsorge und vorgegebenen Hygienemaßnahmen. Hinzu kommen aufgrund der Abstandsregelungen ein stark eingeschränktes Sitzplatzangebot sowie eine sehr ungewisse Nachfrage. Das alles zusammengenommen und damit einhergehenden Einschränkungen ermöglichen derzeit leider kein reguläres Angebot. Wir bieten deshalb in der Wiedereröffnungsphase, bis wir wieder im Normalbetrieb laufen, lediglich zwei Gerichte an.

Wichtig bei der Auswahl der Gerichte waren uns besonders drei Punkte: Erstens eine möglichst breite Abdeckung zu erreichen, was die Kundenpräferenzen angeht. Zweitens Liefersicherheit bei den Einsatzstoffen zu haben und drittens uns eine hinreichende Flexibilität im Produktionsverfahren offen zu halten.

Eigene Vorlieben spielen bei der Speiseplangestaltung grundsätzlich keine Rolle. Wir haben, wie erwähnt, eine Ernährungsstrategie auf deren Basis wir unterschiedliche Speiseplanlinien erarbeiten und anbieten. Unser Anspruch ist, eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu ermöglichen. Experteneinbezug, Kundenrückmeldungen, Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, regelmäßige Auswertungen des Nachfrageverhaltens, bis hin zur Errechnung des CO2-Fußabdruckes unseres Lebensmittelverbrauches gehen letztendlich in die Angebotsgestaltung ein. Sie helfen uns, das Angebot stetig und zielgerichtet weiterzuentwickeln.

Für wie lange im Voraus planen Sie mit diesem Angebot? Wie wird es überhaupt angenommen?
Wir können derzeit schlecht abschätzen, wie viele Gäste wir haben werden und ob die Kollegen sich ihr Essen eher mitnehmen möchten oder lieber vor Ort verzehren. Was die Planung oder Erweiterung unseres Angebotes angeht, sind wir aber recht flexibel und könnten binnen weniger Tage wieder in einen Regelbetrieb übergehen. Wann das sein wird, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der allgemeinen Gesundheitslage und den damit einhergehenden Hygieneregelungen und Bewirtungsvorgaben ab.

Wie viele Essen geben Sie und Ihre Kollegen täglich aus?
Im Normalbetrieb haben wir über alle elf Kantinen auf dem Werksgelände hinweg bis zu 10.000 Gästen täglich. In den letzten Wochen hatten wir übergangsweise unentgeltliche Lunchpakete für BASF-Mitarbeiter und Kontraktoren zur Verfügung gestellt. Nach Wiedereröffnung rechnen wir in der Anfangsphase mit einer Abgabemenge von bis zu 5000 Essen täglich.

Wird es das „Außer-Haus-Essen“ auch geben, wenn die Kantinen wieder voll nutzbar sein werden?
Ja, grundsätzlich ist unser Angebot auch zum Mitnehmen. Das heißt, wir befüllen mitgebrachte Mehrwegbehältnisse und verzichten aus ökologischen Gründen auf Einwegverpackungen. Das war vor der Pandemie so und wird auch danach so sein. Auch die Versorgung mit warmem Essen war bereits möglich und wird sicher künftig auf Bestellung – gegebenenfalls in modifizierter Form – auch weiterhin angeboten werden.

In der aktuellen Situation verzichten wir aus Gründen der Hygiene und Logistik allerdings auf die Nutzung von Mehrwegbehältnissen zur Mitnahme. Die temporäre Nutzung von Einwegmaterialien ist derzeit leider unausweichlich.

Apropos: Seit dieser Woche Montag darf auch wieder in den Kantinen gegessen werden. Wie klappt das? Ist der Andrang groß?
Unser Team freute sich sehr darauf, nun auch wieder Gäste in den Kantinen vor Ort bewirten zu können. Auch wenn dies nur unter strikter Einhaltung der behördlichen Vorgaben und mit stark reduziertem Sitzplatzangebot möglich sein wird, so ist es doch ein erster Schritt in Richtung Normalität. Wir hatten in den ersten beiden Tagen nach Wiedereröffnung zirka 2100 Essen täglich, womit wir unter den gegebenen Umständen recht zufrieden sind.

Claus Hitschler
Claus Hitschler
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