Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF in unsicherem Fahrwasser

Blick auf den Werksteil Friesenheimer Insel des BASF-Verbundstandorts Ludwigshafen.
Blick auf den Werksteil Friesenheimer Insel des BASF-Verbundstandorts Ludwigshafen.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern hält sein Geschäft für widerstandsfähig in einem immer schwierigeren politischen und wirtschaftlichen Umfeldes.

BASF hat sich im ersten Quartal 2025 behauptet – und das in einem zunehmend herausfordernden Umfeld“, sagte am Freitag BASF-Finanzvorstand Dirk Elvermann bei der Vorstellung der Quartalszahlen vor Investoren. Das EbitDA vor Sondereinflüssen habe nahezu auf dem Niveau des Vorjahresquartals gelegen. Die für die BASF maßgebliche Gewinnkennzahl Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Sachanlagen, auf immaterielle Vermögensgegenstände (EbitDA) und vor Sondereinflüssen erreichte im ersten Quartal dieses Jahres 2,625 Milliarden Euro und lag damit 3,2 Prozent unter dem Wert der gleichen Vorjahreszeit. Hier schwächelten alle Geschäftssegmente außer Surface Technologies (Oberflächentechnologien), das leicht zulegte. Unterm Strich allerdings brach das Ergebnis nach Steuern und nicht beherrschenden Anteilen um 40,9 Prozent auf 808 Millionen Euro ein.

Am heutigen Freitag kommen die BASF-Aktionäre zu ihrer jährlichen Hauptversammlung zusammen, allerdings nicht wie gewohnt im Kongresszentrum Rosengarten in Mannheim. Stattdessen wird das Treffen der Anteilseigner nach der Corona-Pandemie erstmals wieder virtuell stattfinden, also als Online-Veranstaltung.

Beschäftigung rückläufig

Die Anzahl der Beschäftigten weltweit ging zum 31. März um 447 auf 111.408 zurück. Die viele Jahre übliche Angabe genauer Beschäftigungszahlen im Stammwerk und am Standort Ludwigshafen hat die BASF Ende 2024 eingestellt.

Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (Ebit) ging um 29,2 Prozent in die Knie und erreichte 1,197 Milliarden Euro. Vor Analysten erklärte das Christian Jutzi, President Corporate Finance, am Freitag so: Sondereinflüsse im Umfang von 467 Millionen Euro hätten das Ebit belastet. Das sei hauptsächlich durch den im März bekanntgegebenen Verkauf des 49-prozentigen BASF-Anteils an den Nordsee-Windparks Nordlicht 1 und 2 an den schwedischen Energiekonzern Vattenfall verursacht. Daraus resultiere ein nicht zahlungswirksamer Veräußerungsverlust von 325 Millionen Euro im Segment Sonstiges. Mit dem Ausstieg vermeide die BASF, so Jutzi, dass sie in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen in die Windparks tätigen müsse. Die Zusammenarbeit mit Vattenfall werde durch eine gesicherte langfristige Versorgung der BASF-Chemieproduktion mit Strom aus erneuerbaren Energien in Europa fortgesetzt.

Der Umsatz der BASF ging um 0,9 Prozent auf 17,402 Milliarden Euro zurück. Gesunkene Preise infolge von Wettbewerbsdruck hätten in nahezu allen Segmenten zum Umsatzrückgang beigetragen, teilte die BASF mit. Einen Absatzrückgang hätten die Segmente Agricultural Solutions, Chemicals und Nutrition & Care zu verzeichnen. In den Segmenten Surface Technologies, Industrial Solutions und Materials sei der Absatz stabil geblieben. Bemerkenswert dabei ist ein Blick auf den Umsatz in den Regionen. Gemessen am Umsatz nach Sitz der Kunden, lag im ersten Quartal einzig Nordamerika mit 5,4 Prozent im Minus. In Deutschland beispielsweise dagegen ging es um 6,2 Prozent aufwärts. Vor Analysten berichtete Elvermann gar von einem Absatzrückgang von 9 Prozent sowohl in Nordamerika als auch den Vereinigten Staaten im ersten Quartal.

BASF mit Wettbewerbsvorteil

Zu den aktuellen Marktentwicklungen wegen der US-Zollankündigungen sagte BASF-Finanzvorstand Elvermann, die BASF produziere vor Ort für die lokalen Märkte in allen wichtigen Regionen weltweit. „Besonders in diesen herausfordernden Zeiten mache das das Unternehmen widerstandsfähiger als andere und sei ein Wettbewerbsvorteil.“ In Europa und Nordamerika beträgt der Umsatzanteil der von BASF in den jeweiligen Regionen hergestellten Produkte den Angaben Elvermanns zufolge rund 90 Prozent. In den USA stammten mehr als 80 Prozent der BASF-Umsätze 2024 aus im Land hergestellten Produkten. In Asien-Pazifik und in Südamerika lag der Anteil 2024 bei rund 80 Prozent. „Dieser hohe Anteil an lokaler Produktion ist der Grund, warum die direkten Auswirkungen der Zölle auf BASF wahrscheinlich überschaubar bleiben“, so Elvermann weiter. Es müssten jedoch auch indirekte Effekte berücksichtigt werden, die sich aus der Verunsicherung der Marktteilnehmer und Änderungen der Kunden-Nachfrage in Branchen wie Automobil und Konsumgüter ergeben könnten. Die vollständigen Auswirkungen der aktuellen Zölle und Gegenzölle auf das BASF-Geschäft ließen sich aktuell nur schwer einschätzen.

Die BASF blieb am Freitag bei ihrer zu Jahresanfang veröffentlichten Prognose und erwartet ein EbitDA vor Sondereinflüssen zwischen 8,0 Milliarden und 8,4 Milliarden Euro (2024: 7,9 Mrd. Euro). Der Chemiekonzern wies allerdings darauf hin, dass diese Erwartung mit einer hohen Unsicherheit belastet sei. Sie ergebe sich daraus, dass die Zollankündigungen schwankungsanfällig und weitere Entscheidungen der USA sowie mögliche Gegenreaktionen von Handelspartnern unvorhersehbar seien.

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