Wirtschaft
BASF dampft Weiterbildung ein
Beim Ludwigshafener Chemiekonzern wird die Zentralabteilung Weiterbildung aufgelöst. Betriebsratsvorsitzender Sinischa Horvat bestätigt entsprechende Informationen der RHEINPFALZ. Die Arbeitnehmervertretung bangt um die Qualität der Qualifizierung der BASF-Mitarbeiter, eine Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Die nach Informationen der RHEINPFALZ rund 70 Mitarbeiter der zentralen Qualifizierung in Ludwigshafen würden seiner Wahrnehmung nach in den Unternehmensbereichen teils andere Aufgaben erledigen, teils weiterhin im Bereich Weiterbildung eingesetzt, sagte Betriebsratsvorsitzender Horvat. Eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte lediglich, dass wegen der Umsetzung der neuen Strategie alle bisherigen zentralen Abteilungen auf dem Prüfstand stünden. Wichtig sei, dass niemand deswegen seine Stelle verliere. Über Veränderungen in einzelnen Ressorts informiere die BASF zum jetzigen Zeitpunkt nicht, sie seien noch nicht abgeschlossen. Richtig sei, dass auch in den Funktions- und Servicebereichen Mitarbeitergespräche liefen. Die Qualifizierung bleibe für die BASF weiterhin ein wichtiges Thema, versicherte sie. Die Auflösung der bisher zentralen Weiterbildungsabteilung erfolgt im Rahmen der neuen Unternehmensstrategie. Diese sieht vor, den bisherigen Kurs der Zentralisierung umzukehren. Weltweit 20.000 Mitarbeiter – davon 10.000 im Ludwigshafener Stammwerk – werden deswegen, wie berichtet, in die Unternehmensbereiche mit operativer Verantwortung verlagert. Damit soll mehr auf die Kunden eingegangen werden. Wie viele der Mitarbeiter in der Qualifizierung auch künftig mit ihrer bisherigen Aufgabe befasst sein werden, sei derzeit schwer zu sagen, sagte Horvat. Tatsache sei, dass kein roter Faden mehr für die Weiterbildung erkennbar sei – nicht nur in Ludwigshafen, sondern auch an anderen Standorten der BASF. Er mahnt: „Unser Wissen ist unser höchstes Gut.“ Wer an der Qualifizierung spare, schneide sich selbst in den Finger, warnt der Betriebsrats-Chef. Zudem trage das weiter zur Verunsicherung der Belegschaft bei, in die aufgrund der neuen Strategie ohnehin Unruhe hineingetragen worden sei. Bisher sei die zentrale Qualifizierungsabteilung hochprofessionell gewesen, betont der Betriebsratsvorsitzende. Mit der Verlegung in die Unternehmensbereiche drohten Zukunftsthemen wie Wissenstransfer, demografischer Wandel und Qualifizierung nicht mehr mit der notwendigen Schlagkraft und dem gebotenen Nachdruck behandelt zu werden. Das sei umso problematischer, als der massenhaften Wechsel der Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand gerade anläuft. So werden in diesem Jahr rund 800 Aniliner die aktive Zeit im Unternehmen beenden, ab 2022 über 1000 pro Jahr. „Wir verlangen ein Gesamtkonzept für die betriebliche Weiterbildung“, sagte Horvat. Der Betriebsrat erwarte, dass das Unternehmen auf ihn zukomme und die Thematik mit ihm diskutiere. Es müsse ein Plan vorgelegt werden, wie sich die BASF künftig die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter vorstelle. Diese Forderung richte sich an Arbeitsdirektor Michael Heinz ebenso wie an die für die Umsetzung der Strategie verantwortlichen Bereichsleiter. Keine Änderungen soll es der BASF-Sprecherin zufolge im Bereich Ausbildung geben. In diesem Jahr würden wieder 950 Ausbildungsplätze angeboten, die sich auf mehrere Bereiche aufteilen: klassische Ausbildung und duales Studium, Start in den Beruf, Anlauf zur Ausbildung und Start Integration. Es sei möglich, dass es Verschiebungen zwischen den einzelnen Bereichen geben werde, was vor allem von der jeweiligen Bewerberanzahl abhängig sei. Bei den drei letztgenannten Programmen sei die Bewerberanzahl rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden 930 Ausbildungsplätze vergeben, davon 690 in Ludwigshafen und 270 an anderen deutschen Standorten.