Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Bahn punktet mit Job-Offensive

Fachkräfte wie Lokführer sind bundesweit knapp.  Foto: dpa
Fachkräfte wie Lokführer sind bundesweit knapp.

Trotz vieler Probleme ist die Deutsche Bahn (DB) als Arbeitgeber stark gefragt. Laut DB-Personalvorstand Martin Seiler wurden bereits für 18.000 der in diesem Jahr geplanten 22.000 Neueinstellungen Zusagen vergeben, davon allein 1600 an Lokführer.

Von Thomas Wüpper, Berlin

Die DB AG hat eine neue „Job-Tour“ gestartet, mit der in 27 Städten vor Ort mit Info-Mobilen um Fachkräfte, Quereinsteiger und Nachwuchs geworben wird. In den nächsten fünf Jahren will der Konzern rund 100.000 Mitarbeiter einstellen, da viele erfahrene Fachkräfte in Ruhestand gehen werden, allein in diesem Jahr sind es 13.500 Mitarbeiter. „Wir bekommen jedes Jahr 400.000 Bewerbungen“, sagte Seiler. Auch die Rekordzahl von 4000 Ausbildungsplätzen könne in diesem Jahr fast vollständig besetzt werden.

Lokführer sind bundesweit knapp

Schon jetzt ist die Personalnot besonders bei Lokführern und Fahrdienstleitern auch bei konkurrierenden Bahnunternehmen so groß, dass immer wieder Züge zum großen Verdruss von Reisenden ausfallen. Die DB AG mit ihren weltweit mehr als 330.000 Mitarbeitern will nach jahrelanger Krise mit der neuen Strategie „Starke Schiene“ im Personen- und Güterverkehr stark wachsen und damit einen großen Beitrag zum Klimaschutz und zur Verkehrswende leisten. „Wir brauchen mehr Trassen, mehr Züge und mehr Personal“, betont Seiler. Besonders bei Fachkräften aber sei der Arbeitsmarkt leer gefegt, bei Lokführern dauere es im Schnitt mehr als 190 Tage, bis die Arbeitsagentur einen Bewerber vermittle. Es gebe so gut wie keine ausgebildeten Lokführer, die rasch verfügbar sind. Die Konzern bildet daher Quereinsteiger zu Lokführern aus.

Bei ihrer Job-Offensive profitiert die DB auch von ersten Anzeichen einer Rezession in anderen Branchen. So gibt es bei einigen Autoherstellern und Banken bereits massiven Stellenabbau. Die DB bietet Betroffenen eine Alternative und wirbt mit innovativen Wahlmodellen zur Arbeitszeitgestaltung, auf die Mitarbeiter immer größeren Wert legen. So können Beschäftigte seit einiger Zeit laut Tarifvertrag entscheiden, ob sie mehr Geld oder mehr Freizeit haben wollen.

Viele wählen mehr Freizeit

Das komme sehr gut an, sagt Seiler. Jeder zweite Mitarbeiter habe sich bisher für mehr Freizeit entschieden. Um das zu kompensieren, habe der Konzern 1500 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Ab 2021 startet die zweite Stufe des Tarifvertrags, dann können die Beschäftigten nochmals zwischen 2,6 Prozent mehr Gehalt oder sechs Tagen mehr Urlaub wählen. „Die Wahlmöglichkeit ist ein Pluspunkt auf dem Arbeitsmarkt und hilft uns, ausreichend Personal zu finden“, so der DB-Vorstand.

Auch viele DB-Beschäftigte klagen über enorme Arbeitsbelastung. Laut Angaben des Betriebsrats hatten die 334.000 Mitarbeiter weltweit Ende März bereits 6,4 Millionen Überstunden aufgehäuft, nochmals eine halbe Million mehr als ein Jahr zuvor. Auf knapp 49.000 Langzeitkonten haben sich demnach weitere zehn Millionen Stunden Mehrarbeit angesammelt.

Das zeige, wie „wichtig unsere Personaloffensive ist, um die Probleme zu entschärfen und für Entlastung zu sorgen“, sagt Seiler. Die Langzeitkonten böten Mitarbeitern die Möglichkeit, eine längere Auszeit zu nehmen. Die Anzahl der Konten habe sich in nur zwei Jahren bereits verdoppelt. Mit einem neuen Angebot „Rentenplus aus Arbeitsplus“ biete die DB Tarifbeschäftigten zudem seit Juli erstmals die Möglichkeit, Überstunden in eine höhere Betriebsrente umzuwandeln. Wer das mache, erhalte „obendrauf einen schönen Bonus und kann so seine Altersvorsorge verbessern“, betont der DB-Personalvorstand.

Mehr zum Thema

x