Rheinpfalz Zweibrücker Spaziergeh-Freunde bieten Lauftreff ohne Gruppenzwang
Man müsste mal ... sich bewegen, sagte sich Ilka Köbrich. Am besten nicht allein. Gesagt, getan. Über Facebook lud sie zu zwanglosen Spaziergängen durch Zweibrücken ein. Zweimal die Woche spazieren die Freunde nun.
Der chinesische Philosoph Konfuzius ist irgendwie mit dabei, wenn sich die Schar aufmacht: Denn ihnen ist der Weg das Ziel – die Zweibrücker Spaziergeh-Freunde sind in erster Linie daran interessiert, sich etwa eine Stunde lang an der frischen Luft zu bewegen, dabei sich respektvoll über Sorgen und Nöte, aber auch Freuden, mit den Zufallsbekanntschaften auszutauschen. Jeder ist willkommen. Das ganze in gemächlichem Tempo, denn auf die, die nicht so gut zu Fuß sind, wird Rücksicht genommen.
Ins Leben gerufen wurde die Gruppe von Ilka Köbrich. Die 57-Jährige wurde vor vier Jahren „gesundheitlich aus der Bahn geworfen“, wie sie erzählt. Ihre Erkrankung ging einher mit Bewegungseinschränkung, alleine, so sagt sie, habe sie sich längere Wegstrecken nicht mehr zugetraut. Also hatte sie im November vergangenen Jahres über Facebook einen Aufruf gestartet, dem innerhalb von kurzer Zeit jede Menge Leute gefolgt sind. Mitgliederstand der Facebook-Gruppe Spaziergeh-Freunde Zweibrücken derzeit: 340. An aktiven „Mitgängern“ vermeldet Köbrich über 40.
Zweimal pro Woche nach gusto
Ilka Köbrich war früher im Vertrieb eines Unternehmens verantwortlich tätig, den Umgang mit Menschen und das Organisieren kennt und kann sie. Nach dem Motto „Wir passen gegenseitig aufeinander auf“, gehen jeden Montag ab 10 und jeden Donnerstag ab 18 Uhr so viele aus der Gruppe spazieren, wie gerade Zeit haben und mögen. Montags führt der Spazierweg immer durch die Stadt, an den Donnerstagen ist die Bewegung schon mal mit Autos zu einer „Auswärtstour“ unterwegs. Jüngst ging es etwa mal nach Homburg-Beeden ins Naherholungsgebiet Mastau. Die montäglichen Spaziergänge beende man immer mit einem gemeinsamen Frühstück. „Zum Beispiel im Mehrgenerationenhaus.“
Am Montag, an dem der Autor sich mit auf den Weg macht, gehen die Spaziergänger vom Bismarck-Denkmal aus durch die Allee, an der Stadt am Wasser und Bleicherbach entlang zur Fischtreppe und zurück. Ilka Köbrich stellt kurz vorm Abmarsch mit Blick auf die Gruppe fest: „Alles Hühner.“ Aber dann tauchen doch noch zwei Männer auf, einer von ihnen ist Hans-Peter Merkel. Der 57-Jährige laboriert an den Folgen eines Verkehrsunfalls, das gemäßigte Tempo, mit dem es durch die Stadt geht, kommt ihm entgegen. „Das ist Probelaufen“, sagt er. Wenn ’s ihm bekommt, will er es bald mal mit Nordic Walking versuchen.
Auch für Claudia Neulist ist die Gruppe genau das Richtige. Die 61-Jährige benutzt einen Rollator, hält mit dem Tempo aber gut Schritt. Wie gesagt: Oberste Prämisse der Gruppe ist Rücksichtnahme.
Hunde seien auf den Spaziergängen ausdrücklich erwünscht, erzählt Köbrich. Kinder und Enkel übrigens auch – einfach jeder, der will.