Rheinpfalz Zwei Drittel der Fahrer sind Raser

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Auf Beschwerden von Anwohnern der Hauptstraße über Tempoüberschreitungen hat die Gemeinde reagiert und vorübergehend Geschwindigkeits-Messtafeln aufgestellt. Als Ortsbürgermeister Hans Mangold das Ergebnis in der Ratssitzung mitteilte, waren einige der Räte sichtlich überrascht.

Im Ortsbereich wurde vom 14. bis 26. Oktober die Geschwindigkeit von insgesamt 10.218 Fahrzeugen am Ortsausgang in Richtung Landstuhl in beiden Richtungen gemessen. 13 Fahrzeuge rasten mit Tempo 120 in den oder aus dem Ort und 49 mit Tempo 110. Ebenfalls 49 Fahrer waren mit 100 km/h im Ort unterwegs, 179 mit 90 km/h, 858 mit 80 km/h, 2263 mit 70 und 3405 mit 60 km/h. Der Polizeiinspektion Waldfischbach-Burgalben wurde das Ergebnis mit der Bitte um Kontrollen übermittelt. Die Anwohner hatten sich beschwert, dass es am Ortseingang/Ecke Poststraße immer wieder Probleme mit den hohen Geschwindigkeiten nicht nur von Autos gebe, sondern auch von Motorrädern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen, was mit einer großen Lärmbelästigung einhergehe. Durch die enge Bauweise im Ort komme es in den Höfen zu einem „Knalleffekt“ (Mehrfachreflektionen des Lärms zwischen den Außenwänden). Die Geschwindigkeitsmessung habe klar vor Augen geführt, dass es nicht einfach so weiter gehen könne, heißt es seitens der Anwohner. Werde hier nichts unternommen, müsse man von Unterlassung ausgehen, wenn etwas passiere. Bislang hatten die Raser weder Polizeikontrollen noch sonstige Konsequenzen zu befürchten. Die Verkehrsteilnehmer halten sich weder an die vorgeschriebenen 50 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften, noch an die 70 km/h, die ab der Kreuzung Queidersbach bis an den Ortseingang Weselberg gelten. Kinder, von denen wieder mehr in den Häusern der Hauptstraße wohnen, und auf die Straße springen, und ältere Menschen, die die Straße überqueren, hätten bei den hohen Geschwindigkeiten keine Chance, hieß es in der Sitzung. Passiere nichts gegen den Verkehr, werde die Straße für die Bewohner unattraktiv mit der Konsequenz von Leerständen und einem weiteren Zerfall. Bauliche Maßnahmen müssen her, ist sich der Rat einig. Strenge Kontrollen durch die Polizei würden nur kurzzeitig abschrecken. Vorübergehende und kostengünstige Lösungen wurden in der FWG-Fraktion angedacht. Diese reichen von Fahrbahnschwellen bis hin zu Gummimatten quer über der Fahrbahn, aufgeklebte Streifen, die die Fahrbahn verengen, ein ständig blinkendes Schild am Ortseingang, auf dem 50 km/h zu lesen ist, oder in die Fahrbahn eingefräste Streifen. Warum der schon seit Jahren vorliegende Plan des Landesbetriebs Mobilität (LBM) mit der Verschwenkung der Fahrbahn am Ortseingang nicht im Zusammenhang mit dem gerade vorgenommenen Ausbau des Radwegs verwirklicht wurde, versteht der Rat nicht. Man war sich einig, massiv Druck zu machen und sich nicht vom LBM mit der Aussage, es stünden keine Mittel zur Verfügung, abspeisen zu lassen, da nun schnell was passieren müsse. Die Verbandsgemeindeverwaltung wurde beauftragt, den LBM-Leiter Richard Lutz zur nächsten öffentlichen Ratssitzung einzuladen, damit er nicht nur den Räten, sondern auch den Einwohnern Rede und Antwort stehen könne. Bis dahin hofft man, das Ergebnis von den bereits zugesagten Geschwindigkeitskontrollen durch die Polizei vorliegen zu haben. Die Geschwindigkeits-Messtafeln standen auch in der Stockbergstraße, wo sich ebenfalls Anwohner über Raser beschwert hatten. Hier konnten laut Verbandsgemeindeverwaltung keine gravierenden Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt werden. Sie sehen keine Veranlassung, eine Tempo-30-Zone einzurichten. Gemessen wurde die Geschwindigkeit von 1400 Fahrzeugen vom 12. bis 28. September, in beiden Fahrtrichtungen. 26 Fahrzeuge waren mit 60 km/h unterwegs, 180 mit 50 km/h, 497 mit 40 km/h und 437 mit 30 km/h. Nachdem sich der Rat ausführlich über das Rasen in der Hauptstraße unterhalten hatte und seinen Ärger über den LBM kundgetan hatte, musste das Einvernehmen für die Errichtung einer Versickerungsmulde in der Gemarkung Zeselberg im Zuge des Lückenschlusses des Radweges zwischen Weselberg und Landstuhl erteilt werden. Der Beschluss wurde nachträglich gefasst, da die Mulde schon längst realisiert ist. Auf dem von der Verbandsgemeindeverwaltung vorlegten „aktuellen“ Plan war nicht nur der genau Standort der Versickerungsmulde eingezeichnet, sondern auch die Fahrbahnschwenkung am Ortseingang aus Richtung Landstuhl. Als dies bemerkt wurde, bestanden einige Räte schmunzelnd darauf, dass das Einvernehmen für die Mulde nur zusammen mit der Straßenverschwenkung erteilt werden sollte. Die Entwässerung der L 472 erfolgte bisher außerhalb der Ortslage über Gräben mit Einleitung der nicht versickernden Wassermengen in die Kanalisation. Durch die Realisierung des Radweg-Lückenschlusses wurden zusätzliche Flächen versiegelt, was eine weitere Zuführung von Außengebietswasser verursacht hätte. Deshalb wurde eine Rückhaltemöglichkeit für das Oberflächenwasser geschaffen in Form einer Versickerungsmulde, da das Einbringen von Außengebietswasser in die Kanalisation vermieden werden soll. |jn

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