Rheinpfalz Zu „Highway zu Hell“ massiert

„Stayin alive“. Die Bee Gees singen im perfekten Herzdruckmassagetempo. Das beweist Johanna, die zu dem Song zeigt, wie eine leb
»Stayin alive«. Die Bee Gees singen im perfekten Herzdruckmassagetempo. Das beweist Johanna, die zu dem Song zeigt, wie eine lebensrettende Maßnahme aussehen kann.

Opfer ansprechen, Bein anwinkeln, in die Schocklage bringen oder, wenn es schon zu lebensbedrohlichen Atemaussetzern kommt, die Arme durchstrecken und Herzmassage beginnen. Wie all das funktioniert, wissen jetzt 14 Kinder, die die Osterferien genutzt haben, um bei der dreitägigen Ferienaktion des Landkreises Südwestpfalz mit dem Deutschen Roten Kreuz in Waldfischbach-Burgalben dabei zu sein. Erste Hilfe? Kein Problem mehr.

Theoretisch und praktisch sind die jungen Ersthelfer jetzt fit in puncto Erster Hilfe. Das demonstrieren sie zum Abschluss der Freizeit den Besuchern. Das Opfer in die stabile Seitenlage bringen, kein Problem für Niko und Marlon. Was tun, wenn ein Unfallopfer bis zum Eintreffen des Notarztes in die Schocklage gebracht werden muss? Die richtigen Handgriffe beherrschen die Ersthelfer, zeigen Jule und Leonie. Ganz wichtig ist es, die Opfer anzusprechen, zu fragen, was los ist, unterstreichen Christoph Spang und Ulrich Miesel, die Sanitäter, die sich um die Ausbildung des Nachwuchses gekümmert haben. „Wir sind jetzt alle ein Held“, sagt Miesel und verweist auf ein Plakat, das für die Erste Hilfe maßgeblich ist. Held, das bedeutet H wie Hilfe rufen, einen Notruf absetzen, E wie ermutigen und trösten, L wie lebenswichtige Funktionen kontrollieren und D wie Decke unterlegen oder zudecken. „Viele glauben ja immer, sie könnten nicht helfen, würden was falsch machen. Aber man kann wohl nichts falsch machen“, sagt Ortschefin Anna Silvia Henne. Was die jungen Helfer können, „das sollten wir Erwachsenen auch können“, lobt der Kreisbeigeordnete Peter Spitzer die Vorbildfunktion der jungen „Held“en. Sein letzter Erste-Hilfe-Kurs, bekennt er, liegt wie bei allen Erwachsenen im Raum – sofern sie nicht dem Roten Kreuz angehören – lange zurück. Zwischenzeitlich hat sich manches geändert, erklärt ihm Miesel. Zum Beispiel bei der stabilen Seitenlage. Die modifizierte Methode ermöglicht es sogar Kindern, Erwachsene zu drehen. „Es wird mit dem Gewicht des Opfers gearbeitet“, erläutert Miesel. Herzmassage ist erforderlich. Johanna streckt die Arme durch. Los geht es. 30 Mal wird der Brustkorb des Opfers eingedrückt, um das Herz am Schlagen zu halten. „Gut so“, lobt DRK-Gemeinschaftsleiterin Inge Bold. Schon beim Zuschauen wird klar, wie körperlich anstrengend Leben retten ist. Greta hält durch, bleibt im Rhythmus. 28, 29, 30. Und Mund-zu-Mund-Beatmung. Das Opfer bekommt Sauerstoff. „Wenn man das machen muss, dann weiß man, wie lange die Zeit tatsächlich ist, bis der Rettungswagen vor Ort ist“, verweist Kreistagsmitglied Dirk Palm auf die wichtigen Einsatzgrundzeiten. Für Opfer, aber auch Ersthelfer vor Ort. „Erste Hilfe müsste man eigentlich regelmäßig üben“, sagt er selbstkritisch. Kann er tun. Tochter Johanna ist eine der Freizeitteilnehmerinnen. Da ist ein Auffrischungskurs für Papa machbar. Musik kann beim Helfen auch helfen, berichtet Kreisjugendpfleger Andreas Schröder, der gemeinsam mit dem DRK-Ortsverband Holzland-Sickingerhöhe die Freizeit für junge Ersthelfer organisiert hat. Es gibt Lieder, deren beats per minute, also deren Tempo, optimal zum Rhythmus einer Herzmassage passt. „Stayin alive“ von den Bee Gees, sagt Schröder, oder – etwas makaberer – „Highway to Hell“ von AC/DC. Auch „Dancing Queen“ von Abba passt. „Gruselig“, sagt ein junger Ersthelfer beim Gedanken an dieses Lied und hört im Kopf lieber Songs von Beyonce (Crazy in love) oder Bruno Mars (Treasure), die auch funktionieren. Jetzt ist Johanna gefordert. Sie massiert das Herz zu „Stayin alive“. Funktioniert. Wenn die Herzmassage nicht mehr hilft, kann ein Defibrillator nützlich sein. „Auch den haben die Kinder kennengelernt“, sagt Miesel.

x