Rheinpfalz „Woher soll das Wasser kommen?“

Rund 3500 Hektar Ackerflächen werden derzeit in der Südpfalz bewässert.
Rund 3500 Hektar Ackerflächen werden derzeit in der Südpfalz bewässert.

Wer sich bei der Fahrt auf der A 65 zwischen Haßloch und Ludwigshafen umschaut, sieht sie fast überall: Äcker. Die Vorderpfalz gilt als großer Gemüsegarten. Aber damit Kartoffeln und Co. gedeihen, braucht es Wasser – viel Wasser. Darum kümmert sich der Beregnungsverband Vorderpfalz, der seit den 1960er-Jahren besteht. Dessen zentrales Ziel ist es, Wasser für die Bewässerung der Gemüsefelder in der Region bereitzustellen – eigentlich Altrheinwasser. Aber es wird auch Grundwasser genutzt, in der Südpfalz ausschließlich. Grundstückseigentümer sollen nun (und wollen offenbar auch) dem Beregnungsverband beitreten. Ihnen gehören Felder in Kleinfischlingen, Freimersheim, Hochstadt, Zeiskam, Lustadt, Freisbach, Weingarten, Westheim und Lingenfeld. Naturschützer befürchten dadurch eine Verschärfung der Grundwassersituation in der Südpfalz. Sind diese Sorgen begründet? Wasser kommt aus Brunnen Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt ist da eindeutig: „Es ist zurzeit seitens der SGD Süd nicht vorgesehen, die Wasserrechte zu erhöhen. Weder an der Herkunft des Wassers noch an der Menge sind derzeit Änderungen geplant“, heißt es auf Anfrage der RHEINPFALZ. Bedeutet: In der Südpfalz wird demnach nicht mehr Grundwasser abgezapft werden als bisher. Stand jetzt. Laut der Behörde werden besonders intensiv die Bereiche rund um die Orte Hochstadt, Zeiskam und Weingarten bewässert. Derzeit geht es um insgesamt rund 3500 Hektar Ackerflächen, die beregnet werden. Das Wasser wird über private Brunnen nach oben gepumpt. Um die Auswirkungen der landwirtschaftlichen Beregnung aus ökologischer Sicht bewerten zu können, hatte die SGD bereits 2008 ein Gutachten bei einem Büro in Auftrag gegeben. Ergebnis: Besonders die Queichwiesen bei Hochstadt – sie liegen in einem Naturschutzgebiet – sind betroffen. Die SGD möchte deshalb für die Südpfalz „ein effektives, effizientes und nachhaltiges Beregnungsmanagement“ entwickeln. Wie das aussehen soll, geht aus dem Antwortschreiben der Behörde nicht hervor. Um dieses jedoch in die Wege leiten zu können, bedürfe es einer Organisationsstruktur in Form eines Verbands, teilt die Struktur- und Genehmigungsdirektion mit. Als Alternativen hätten die Gründung eines eigenen Verbands für die Südpfalz, die Erweiterung des Beregnungsverbands Zeiskam oder die Angliederung an den Beregnungsverband Vorderpfalz zur Verfügung gestanden. Kommt Wasser bald aus Rhein? „Nach intensiven Gesprächen mit den betroffenen Landwirten, der Landwirtschaftskammer, des Bauern- und Winzerverbands, des Beregnungsverbands Vorderpfalz und der SGD Süd entschied man sich einvernehmlich für die Angliederung an den Beregnungsverband Vorderpfalz“, teilt die Neustadter Behörde mit. Es wird nun auch geprüft, ob Äcker in der Südpfalz mit Wasser aus dem Rhein beregnet werden könnten – durch eine zentrale Versorgungsstruktur. Im nächsten Schritt muss nun ein Antrag zur Angliederung an den Beregnungsverband Vorderpfalz gestellt werden, „danach muss ein entsprechendes Rechtsverfahren durchgeführt werden. Die Dauer ist noch nicht abzusehen“, heißt es in dem Schreiben. Naturschützer warnen vor der Ausweitung des Beregnungsverbands auf die Südpfalz. In einem Schreiben des Naturschutzverbands Südpfalz und des Naturschutzverbands Hochstadt an die SGD wird die Befürchtung geäußert, die Grundwassersituation in der Südpfalz könnte sich noch weiter verschärfen. Zudem würde sich eine Reduktion des Grundwassers negativ auf das Ökosystem auswirken. „Wo soll das Wasser herkommen?“, fragt Otto Paul, Chef des Naturschutzverbands Hochstadt. „Keine Verschärfung“ Was sagt die SGD dazu? „Die Angliederung an den Beregnungsverband hat hauptsächlich organisatorische Gründe und ist nicht mit einer Verschärfung der Grundwassersituation verbunden.“

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