Rheinpfalz „Wir sind am Kämpfen“

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Besonders im Norden und Osten der Republik führt die anhaltende Hitze wohl zu deutlichen Ernteeinbußen bei den Landwirten. In der Pfalz ist die Situation indes etwas entspannter.

Die Hitze der letzten Wochen macht vielen Landwirten Probleme. Betriebe in der Pfalz sind von der Dürre nicht so stark betroffen.

Des einen Freud ist des anderen Leid. Deutschland erlebt einen der heißesten Sommer der letzten Jahre, viele freuen sich über das schöne Wetter, strömen in die Freibäder. Deutschlands Landwirte jedoch können die pralle Sonne weniger genießen. Seit Wochen klagen sie über Probleme durch Hitze und ausbleibenden Regen. Von Ernteausfällen ist die Rede, Forderungen nach staatlicher Hilfe werden laut: Der Bauernverband fordert Dürre-Hilfen von einer Milliarde Euro. Von der Europäischen Union sowie einzelnen Bundesländern gibt es schon jetzt Zusagen über Hilfen an die Bauern.

"Die Kartoffeln schreien nach Wasser"

Doch nicht alle Regionen sind in gleichem Maße von der Trockenheit und ihren Folgen betroffen – die Pfalz steht, glaubt man den befragten Landwirten, vergleichsweise gut da. Auch bei verschiedenen Anbausorten sind die Auswirkungen unterschiedlich. Hartmut Magin (64) ist Landwirt in Mutterstadt in der Vorderpfalz. Auf etwa 100 Hektar baut er Kartoffeln, Spargel, Zuckerrüben, Getreide oder Kürbis an. Über Ernteeinbußen infolge der heißen Tage kann er nicht klagen. Ganz unproblematisch sei die Lage trotzdem nicht. „Die Kartoffeln schreien nach Wasser“, sagt er. Und: „Wir haben erhöhten Beregnungsbedarf. Im Moment gibt es bei uns ein Drittel mehr Beregnungsaufwand“.

Lieber gerechte Preise als Beihilfen

In der Vorderpfalz sei dies technisch möglich, bedeute aber für die Landwirte erhöhte Wasser- sowie Energiekosten. Kosten, die die Landwirte nicht unbedingt über erhöhte Preise wieder hereinbekämen. „Wir sind am Kämpfen“, fasst er entsprechende Gespräche mit dem Handel zusammen. Mit finanziellen Hilfen des Staates kann Magin nicht viel anfangen. Was die Landwirte bräuchten, seien gerechtere Preise für ihre Produkte. Karl- Friedrich Junker (56) ist Winzer in Impflingen bei Landau, hat etwa 44 Hektar Weinberge, die im Umkreis von zehn Kilometern um den Ort verteilt sind. Mit der Entwicklung der Trauben ist er zufrieden. Bis jetzt gebe es noch keine Schäden. Es könne aber zu Ertragseinbußen kommen, wenn die Trockenheit anhält und es die nächsten zwei Wochen nicht regnet. „20 bis 30 Liter Regen würden den Reben guttun“, sagt Junker. 60 bis 70 Liter dagegen schadeten ihnen, die Früchte würden zu faulen beginnen.

"Ernte war passabel"

Auch Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, zeichnet ein durchwachsenes Bild der Lage. Für die Hilferufe der Landwirte im Osten und Norden Deutschlands hat er Verständnis. Die Situation in der Pfalz sieht er entspannter. „Von einer Dürrekatastrophe in der Pfalz kann man nicht reden“, sagt er. „Die Ernte ist abgeschlossen, die war passabel.“ Probleme gebe es bei einzelnen Sorten wie Kartoffeln, Mais oder dem Anbau von Futterpflanzen für Nutztiere. In der Nord- und Westpfalz hätten Futterbaubetriebe ihre Wiesen früher üblicherweise viermal pro Jahr gemäht, jetzt sei nach dem zweiten Schnitt Schluss. Die Lage bei Wein sieht Hartelt als gut an. Durch die Hitze hätten die Reben genug Süße entwickelt. Bei Wein sei aber Süße nicht alles, auch Säure, die für den regionalen Geschmack sorge, sei wichtig. „Wir brauchen da noch kühlere Nächte, damit Mineralstoffe gebildet werden. An der Säure fehlt es“, fasst er die Situation zusammen.

Arbeiten von 0 bis 11 Uhr morgens

Hartelt unterstützt die Forderung nach höheren Erzeugerpreisen – und beklagt, dass die Landwirte für ihre Produkte nicht genug bekommen. „Bei einem Brötchen, das 35 Cent kostet, macht der Anteil an Weizen 0,5 bis 0,8 Cent aus. Würden die Landwirte mehr für ihren Weizen bekommen, würde sich preislich für den Verbraucher nicht viel ändern“, – aber für die Bauern, meint der Verbandspräsident. Während die Landwirte wegen ausbleibender Niederschläge und hoher Temperaturen von finanziellen Sorgen geplagt werden, haben die Saisonarbeiter mit der Hitze auf den Feldern klarzukommen. Johannes Zehfuß, Landwirt aus Böhl-Iggelheim, hat eine praktische Lösung gefunden: „Da, wo es Beleuchtungsmöglichkeiten gibt, arbeiten unsere Kräfte von 0 Uhr bis 11 Uhr morgens.“

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