Rheinpfalz „Wir haben einen Bewerbermarkt“

Mannheim. Das „Haus der Wirtschaft“ hat gestern in Mannheim seine Tore zur Börse „Job im Quadrat“ geöffnet. Tausend Besucher informierten sich über ein Thema, dem ein schlechtes Image anhaftet: Zeitarbeit. Zwölf Mannheimer Personaldienstleister präsentierten ihr Angebot für Arbeitssuchende und boten viele offene Stellen in mehreren Bereichen an.
Das Publikum war bunt gemischt. In die Zentrale der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar in Mannheim kamen ältere und junge Menschen, mit und ohne Migrationshintergrund, mit und ohne Ausbildung, Langzeitarbeitslose oder solche, die mal etwas anderes ausprobieren möchten. Eine der Besucher war Laurence. Ihren Nachnamen wollte sie nicht verraten. Die über 50-jährige Französin nutzte „Jobs im Quadrat“, um Kontakte zu knüpfen. „Ich schaue mal, ob ich etwas finden kann“, sagte die Frau auf Englisch. Bevor sie nach Mannheim kam, lebte sie mehrere Jahre in Asien und war im Personalmanagement tätig. Ihr Problem sei, dass sie bis jetzt noch kein Deutsch spreche. „Aber ich bin optimistisch.“ Zeitarbeit ist Sklavenarbeit. Zeitarbeiter bekommen erheblich niedrigerer Löhne als ihre fest angestellten Arbeitskollegen. Stimmt das heute noch oder sind das Vorurteile? Stephanie Muller, die Bezirkssprecherin Nordbaden-Südpfalz des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister (BAP), kann das so nicht bestätigen. Gemeinsam mit dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen informierte der BAP auf der Jobbörse Interessierte über ihre Rechte und Pflichten als Zeitarbeitsnehmer. „Es gibt noch schwarze Schafe. Und wir können nicht sagen, wie viele. Aber genau deswegen klären wir die Menschen auf, zeigen ihnen, wie man sie erkennen kann.“ Denn ein Großteil der Zeitarbeitsfirmen – in der Metropolregion gibt es ungefähr 200 Anbieter – arbeite seriös. Und Muller räumte gleich ein: „Zeitarbeiter haben normale Arbeitnehmerrechte.“ Außerdem gebe es Kontrollinstanzen, beispielsweise die Arbeitsagentur, die die Arbeit der Personaldienstleister überprüft. Sie erklärte, dass Zeitarbeiter möglicherweise zu Beginn ihres Jobs weniger verdienen als ihre festangestellten Kollegen, aber das liege in der Natur der Sache. „Die Firmen müssen die Zeitarbeiter meistens erst einmal einlernen. Aber nach ungefähr neun Monaten verdienen Zeitarbeiter oftmals genauso viel wie die Festangestellten.“ Auch Mario Klein von der IHK, die gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Mannheim die Jobbörse organisiert hat, räumte ein, dass es schwarze Schafe in der Branche gibt, die das Image schädigen. „Aber Zeitarbeitsunternehmen arbeiten sehr transparent“, meint der Experte. Und oftmals würden sich die Vorurteile nach der Kontaktaufnahme schnell abbauen. Klein betonte die Chancen, die sich über Zeitarbeit bieten können: „Darüber kann man wieder einen Einstieg in die Arbeitswelt finden. Zudem hat man als Zeitarbeiter die Möglichkeit, Verschiedenes auszuprobieren.“ Häufig würden Zeitarbeiter letztlich einen Job angeboten bekommen. Zudem seien die Unternehmen tarifgebunden und der Mindestlohn gelte auch für dieses Modell. Sowohl Mario Klein als auch Stephanie Muller erklärten, dass sich der Einstieg in die Zeitarbeit aktuell besonders lohnen könnte. „Wir haben zurzeit einen Bewerbermarkt“, so Muller. Das heißt, mehr offene Stellen als Interessenten. Man kann also wählen. Und Klein sagte: „In Zeiten des Fachkräftemangels sind Personaldienstleister wichtiger denn je.“