Eisenberg
Wie die Verbandsgemeinde Eisenberg den Jakobsweg vermarkten will
Seit über 1000 Jahren wandern Pilger auf dem Jakobsweg zum Grab des Apostels Jakobus in der spanischen Stadt Santiago de Compostela. Spätestens seit Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ ist der Weg auch ein Touristenmagnet. Auch in Eisenberg hat man mittlerweile damit begonnen, den bekanntesten Pilgerweg der Welt touristisch zu vermarkten.
Wer sich gerne auf den Jakobsweg machen möchte, kann das als Bürger der Verbandsgemeinde Eisenberg schon quasi direkt vor der Haustür. Denn dort verläuft ein Teilstück des berühmten Pilgerwegs: Von Rosenthal bis zum Eiswoog führt die 8,2 Kilometer lange Strecke der südlichen Klosterroute, die wiederum ein Teil der Klosterroute von Worms nach Metz ist. Dieses Teilstück wurde 2010 eingeweiht und ist mit dem typischen Wandersymbol des Jakobsweg, der Muschel, ausgeschildert.
Das Wandern auf dem Jakobsweg erfreut sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Nach Angaben des Pilgerbüros Santiago kamen im Jahr 2018 stolze 327.378 Pilger aus 177 Nationen in Santiago de Compostela an, 2017 waren es noch 301.036 Pilger. Die Zahlen steigen seit 14 Jahren kontinuierlich an. Die Forschungsgruppe Weltanschauungen hat dazu festgestellt, dass die religiöse Motivation, sich auf den Weg zu machen, zeitgleich drastisch gesunken ist: 1989 seien 83 Prozent der Pilger religiös motiviert gewesen, 2015 nur noch 37 Prozent. Im selben Zeitraum sei die religiös-kulturelle Motivation von 12 Prozent (1989) auf 54 Prozent (2015) gestiegen. Insgesamt schätzt die Forschungsgruppe Weltanschauungen, dass die Pilger auf den verschiedenen Strecken des Jakobswegs insgesamt einem Umsatz von rund 300 Millionen Euro generieren. Der Jakobsweg – er wandelt sich vom spirituellen Ereignis zur Touristenattraktion und damit zum Wirtschaftsfaktor.
Das hat man auch in der Verbandsgemeinde Eisenberg erkannt. Dort bietet man mittlerweile Wanderungen auf dieser Strecke an, eine hat bereits in diesem Sommer stattgefunden. Thorsten Hutzenlaub, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus sagt: „Bis jetzt haben wir die Route bei uns weniger vermarktet, das möchten wir nun tun. Wir haben den Weg ja quasi vor der Haustür.“
Verbandsgemeinde erkennt den Trend
Mit Imagebroschüren oder Werbung im Internet soll der Teil der südlichen Klosterroute nun bekannter gemacht werden. Bekannt gemacht hat den Jakobsweg insgesamt Entertainer Hape Kerkeling, der über seine Wanderung nach Santiago de Compostela im Jahr 2006 einen Reisebericht veröffentlicht hat. Dieses Buch war 103 Wochen Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste, ist später auch erfolgreich verfilmt worden. „Sicher haben viele Leute durch ihn den Jakobsweg kennengelernt. Ich denke, bei uns werden es auch immer mehr Wanderer werden“, vermutet Hutzenlaub, der jedoch keine Zahlen hat, wie viele Pilger durch die VG Eisenberg wandern.
Die erste Tour im Sommer sei auf jeden Fall erfolgreich gewesen. Rund 20 Teilnehmer, manche davon aus Sembach und Speyer, hatten teilgenommen, die Wanderführer Christel Schienagel-Delb und Reimund Lill zeigten den Teilnehmern viel Interessantes. Der eine oder andere nutzte die Tour dabei als kleine Vorbereitung darauf, nach Santiago de Compostela zu pilgern. Da die erste Wanderung so gut angekommen sei, werde im Herbst auf jeden Fall eine weitere angeboten, so Hutzenlaub. Die Natur sei dann durch das gefärbte Laub viel bunter und wirke wieder ganz anders.
Auch durch die VG Göllheim verläuft ein Teilstück
Auch durch die VG Göllheim verläuft die Klosterroute übrigens. Ab Göllheim hat der Pilger sogar die Qual der Wahl, ob er über Standenbühl bis nach Landstuhl oder über Enkenbach-Alsenborn bis nach Landstuhl wandern möchte, um dann weiter nach Metz zu gehen. Die Route in der VG Göllheim beginnt in Zell und wurde Anfang 2000 eingeweiht. Ria Baumgärtner, zuständig für Tourismus bei der VG Göllheim, sagt: „Wir veranstalten jedes Jahr um den Jahrestag des Jakobus im Juli eine Wanderung.“ Diese werde sehr gut angenommen und sei keine gewöhnliche Wandertour, sondern diene der Besinnung. In der VG Göllheim kann man aber ebenfalls keine Zahl von Wanderern beziffern, die den Jakobsweg in der Region nutzen. „Das liegt daran, dass sie ja oft hier nicht übernachten, sondern entlang der Route weiterlaufen“, weiß Baumgärtner.
Allerdings komme es immer wieder mal sporadisch vor, dass sich Pilger an einer der Stempelstellen, eine davon befindet sich in der Verbandsgemeindeverwaltung, ihre Pilgerkarte stempeln lassen würden. Dass der Jakobsweg momentan in aller Munde ist, freut Baumgärtner. „Sicherlich hat Kerkeling die große Strecke den Leuten nähergebracht, aber viele wissen gar nicht, dass auch bei uns Querverbindungen oder Teilstrecken verlaufen, die wunderschön sind.“