Eisenberg Wie akut ist die Gefahr?
Die Afrikanische Schweinepest bedroht auch unsere Region. Gefährlich ist das vor allem, da es gegen diese Tierseuche, die beim Wildschwein auftritt und auf Hausschweine und Zuchtbetriebe übergreifen kann, bislang keinen Impfstoff gibt. Kreisjagdmeister Klaus Weber hat die Jäger im Donnersbergkreis angehalten, so genanntes Fallwild, also tot aufgefundene Tiere, sowie im Straßenverkehr umgekommene Wildschweine untersuchen zu lassen. Wie akut die Gefahr des Ausbruchs der Schweineseuche bei uns ist, hat die RHEINPFALZ bei Weber nachgefragt.
Diese anzeigepflichtige Tierseuche tritt seit 2014 in Estland, Litauen, Lettland und Polen auf. Das Risiko dass durch Tiertransporte, Touristen oder Warenverkehr das Virus zu uns nach Deutschland kommt, ist verständlicherweise immer gegeben. Zur Zeit ist glücklicherweise kein Anzeichen von einem Ausbruch der ASP im Donnersbergkreis vorhanden. Das Ministerium für Umwelt, Energie und Ernährung in Mainz hat aber nochmals auf das besondere Risiko hingewiesen, dass das gefährliche Virus über Wildschweinprodukte in unsere Reviere gelangen könnte. Warum sollen ausgerechnet tot aufgefundene Wildschweine untersucht werden? Wildschweine können an den unterschiedlichsten Krankheiten oder Einflüssen verenden. Folgen von Verkehrsunfällen, Alter, Krankheit und werden oft nur durch Zufall gefunden. Da bei gefunden toten Wildschweinen die Todesursache oft nicht sicher bestimmt werden kann, ist die geforderte veterinärmedizinische Untersuchung beim Landesuntersuchungsamt Koblenz das einzige Mittel, um eine Tierseuche auszuschließen beziehungsweise zu bestätigen. Eine frühe Entdeckung eines Virus ermöglicht somit einen schnellen Beginn von Gegenmaßnahmen. Da die Sterblichkeit infizierter Wildschweine bei über 90 Prozent liegt, ist bei verendeten Tieren in den baltischen Staaten das ASP-Virus bei über 70 Prozent festgestellt worden. Bei von Jägern erlegten und untersuchten Wildschweinen waren hingegen nur zwei Prozent infiziert. Geht von der Afrikanischen Schweinepest eine direkte Gefahr für die Bevölkerung aus? Nein, wie bei der Europäischen Schweinepest besteht auch durch das Virus der Afrikanischen Schweinepest für die Bevölkerung keine Ansteckungsgefahr. Wie viele Proben wurden bislang eingereicht und was erbrachten die Untersuchungen? In Rheinland-Pfalz sind im Jagdjahr 2014/2015 von gemeldetem 1923 Stücken Fallwild – davon wurden 1443 Stücke durch Straßenverkehr getötet – nur 73 Wildschweine auf das ASP-Virus untersucht worden. Diese starke Diskrepanz zeigt, dass deutlich mehr Untersuchungen möglich gewesen wären. Was wären die Konsequenzen wenn die Seuche hier nachgewiesen würde? Da es gegen das ASP-Virus bis jetzt noch keinen wirksamen Impfstoff gibt, wären die Folgen für die Landwirtschaft und die Schwarzwildbestände fatal. Umfassende Handelsrestriktionen und die massiven Maßnahmen zur Tilgung der Seuche im Hausschweinbestand der Landwirtschaft könnten Hausschweinzucht- und -mastbetriebe in existenzielle Nöte bringen. Vor Jahren grassierte die Europäische Schweinpest. Ist diese Tierseuche derzeit noch ein Thema? Nein. Das ist seit einigen Jahren erfreulicherweise in Rheinland-Pfalz kein Thema mehr. Trotzdem müssen wir weiter durch eine scharfe Bejagung des Schwarzwildes versuchen, die Bestände abzusenken. Im abgelaufenen Jagdjahr 2015/2016 konnten wir durch gesteigerte jagdliche Aktivitäten im Donnersbergkreis 2341 Wildschweine erlegen. | Interview: Joerg Schifferstein