Rheinpfalz Wertschätzung über Schulterklopfen hinaus
„Wir spüren überall: Die Bürger packen an. Unser Land ist vom Ehrenamt geprägt“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer gestern im Hauensteiner Bürgerhaus. Sie war gekommen, um mit Verbandsbürgermeister Werner Kölsch die Kooperationsvereinbarung zur Ehrenamtskarte zu unterzeichnen. Mehr als 100 Ehrenamtler aus Kommunalpolitik und den Kirchen, aus Hilfsorganisationen, Vereinen und Verbänden der Verbandsgemeinde wohnten dem Akt bei.
Das Land sei bundesweit „absoluter Spitzenreiter“, was das Ehrenamt angehe, sagte Dreyer. Fast 50 Prozent der Bevölkerung engagierten sich ehrenamtlich. Bei den Unwettern der vergangenen Tage etwa hätten Ehrenamtliche aus Feuerwehr, THW und Rotem Kreuz „Tag und Nacht gearbeitet, um Menschen in Not zu helfen“. Und: Ohne den „Großeinsatz der Ehrenamtlichen“ seien die Herausforderungen, die die große Zahl von Flüchtlingen gestellt hätten, nicht zu bewältigen gewesen: „Das war und ist eine meisterhafte Leistung.“ Hohe Anerkennung verdiene auch das Engagement der Ehrenamtlichen in den kommunalen Vertretungen. „Diese Arbeit wird einfach gemacht und das hat großen Dank verdient“, sagte Dreyer. Sie selbst pflege „hohe Wertschätzung dem Ehrenamt gegenüber“ und habe deshalb auch die Ehrenamtskarte im Land auf den Weg gebracht. Die Karte sei ein „guter Weg, Dank zu sagen.“ 72 Kommunen beteiligen sich bislang an dem Projekt, 1600 Ehrenamtliche besitzen die Karte, die ihren Inhabern landesweit Vergünstigungen einräumt. Kölsch bezeichnete die Ehrenamtskarte als „attraktives Instrument zur Würdigung unentgeltlichen Engagements“. Oft werde übersehen, „wie viel ehrenamtliche Arbeit auf verschiedensten Ebenen eingebracht und wie viel Verantwortung übernommen“ werde. „Ohne das Ehrenamt wären unsere Gemeinden ärmer“, fasste er zusammen und verwies nicht ohne Stolz darauf, dass sich in der Verbandsgemeinde Hauenstein 13 „Leistungsträger“ gefunden hätten, die den Inhabern der Karte Vergünstigungen gewähren. „Diese Zahl ist beispielhaft und könnte ein Zeichen an die Nachbarkommunen sein“, lobte Dreyer das große Angebot. Kritische Töne kamen von Ortschef Bernhard Rödig. Auch er betonte zwar den hohen Wert des Ehrenamts: „Ehrenamtliche opfern Zeit, Arbeitskraft und Geld, müssen aber auch Leidensfähigkeit und viel Geduld aufbringen. Ohne Ehrenamt bliebe unsere Gesellschaft kalt.“ Er fragte aber kritisch: „Wird das Engagement auch respektiert?“ Zu oft erlebe etwa der ehrenamtliche Kommunalpolitiker in Verwaltungen „wenig einfühlsame Behandlung“, erfahre sich „als Bittsteller“, habe es in Verwaltungen „mit Kleinfürsten zu tun“. Er forderte „mehr Respekt den Ehrenamtlichen gegenüber, Vertrauen statt Bevormundung, Dienstleistung statt Herrschaftsausübung“. Rödigs Kritik relativierte Kreisbeigeordneter Peter Spitzer: Keineswegs arbeiteten in den Verwaltungen kleine Fürsten. Wie Dreyer betonte auch er, dass sich die Mitarbeiter dort an Gesetze und Vorschriften zu halten hätten. Spitzer begrüßte die Ehrenamtskarte und deren Einführung in der VG Hauenstein, die im Kreis die Vorreiterrolle übernommen habe. „Die Ehrenamtskarte drückt Wertschätzung aus – über das Schulterklopfen hinaus. Ohne Ehrenamtliche würde vieles nicht funktionieren.“ (ran)