Rheinpfalz Wer geht nach Stuttgart?

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Was sind die beherrschenden Themen im Ländle?

Seit Monaten ist für die Wähler der Zustrom der Flüchtlinge das wichtigste Thema. Während es auf Bundesebene in erster Linie darum geht, den Flüchtlingsstrom innerhalb Europas zu lenken beziehungsweise die Zuwanderung zu bremsen, stellt sich auf Landesebene vor allem das Problem der Integration. Die Unterbringung der Flüchtlinge ist ebenfalls Ländersache. In Mannheim war die Lage für das Land vergleichsweise komfortabel. Hier standen mehrere Kasernen als Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung. Themen, die die Wähler normalerweise stark bewegen – Schul- oder Verkehrspolitik –, werden von der Flüchtlingsdiskussion in den Hintergrund gedrängt. Was sagen die Prognosen? Die aktuellen Umfragen sagen für die sogenannten Volksparteien ein Desaster voraus. Die CDU droht ihren Status als stärkste Kraft im Ländle zu verlieren. Jüngste Umfragen von Insa und der Forschungsgruppe Wahlen sehen die Grünen ganz vorn. Die SPD könnte unter die 15-Prozent-Marke rutschen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Sozialdemokraten weniger Stimmen holen als die AfD. In den jüngsten Prognosen liefern sich beide Parteien ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wer kämpft im Mannheimer Norden um den Einzug in den Landtag? Bei Landtagswahlen gibt es in Mannheim zwei Wahlkreise. Der Mannheimer Norden ist traditionell rot. Der 47 Jahre alte Stefan Fulst-Blei (SPD) will sein Direktmandat verteidigen, was wohl nicht leicht wird. Einer seiner Herausforderer ist in der Mannheimer Kommunalpolitik ein alter Bekannter: der Grüne Gerhard Fontagnier (61). CDU-Bewerber Chris Rihm (38) wird eine Überraschung zugetraut. Im Wahlkreis 35 deutet sich also ein spannender Dreikampf an. Wer bewirbt sich im Süden? Der Grüne Wolfgang Raufelder geht im Wahlkreis 36 als Favorit in die Wahl. Wie sich die Zeiten ändern. Der 58-Jährige ist seit fünf Jahren Mitglied des Landtags. Sein größter Konkurrent um den Job in Stuttgart ist Carsten Südmersen (50), der als langjähriger Vorsitzender der CDU-Fraktion im Mannheimer Gemeinderat einen großen Bekanntheitsgrad in der Stadt genießt. Für den 39 Jahre alten SPD-Kandidaten Boris Weirauch dürfte es am Sonntag sehr schwer werden. Wie lief die Wahl vor fünf Jahren? Die Grünen sorgten bei der Landtagswahl 2011 für eine Sensation. Zwar holte die CDU mit 39 Prozent die meisten Stimmen. Weil aber die Grünen ihr Ergebnis verdoppelten und die FDP stark verlor, reichte es für eine grün-rote Koalition unter dem Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Im Mannheimer Süden düpierte Wolfgang Raufelder von den Grünen die Bewerber der großen Parteien und bescherte den Grünen eine Premiere: Sie holten erstmals in Mannheim ein Direktmandat. Im Norden gewann souverän Stefan Fulst-Blei von der SPD. In den vergangenen fünf Jahren vertraten drei Mannheimer Politiker die Interessen der Stadt in Stuttgart. Helen Heberer (SPD) war über ein Zweitmandat in den Landtag eingezogen. Die 65-Jährige kandidierte 2011 letztmals für das Landesparlament. Wie funktioniert das baden-württembergische Wahlsystem? Für die Wähler ist die seit 1996 alle fünf Jahre (zuvor vier Jahre) stattfindende Landtagswahl eigentlich einfach: Sie haben nur eine Stimme und wählen damit in ihrem Wahlkreis einen der von den Parteien nominierten Kandidaten. Landeslisten – wie bei den Bundestagswahlen – gibt es nicht. Somit tauchen auch keine Spitzenkandidaten auf dem Wahlzettel auf. Die eine Stimme des Wählers wird zweifach gewertet: Einerseits bestimmt der Wähler mit seiner Stimme darüber, wer als Abgeordneter direkt in den Landtag einziehen soll. Andererseits werden die Wählerstimmen landesweit hochgerechnet und so die prozentualen Gesamtstimmenanteile aller Parteien bestimmt. Daraus wird dann die grundsätzliche Sitzverteilung im Landtag ermittelt. Dies ist ein Mix aus Verhältniswahl und Persönlichkeitswahl. Wie läuft der Sonntag in Mannheim ab? Am Sonntag sind 197.088 Mannheimer zur Landtagswahl aufgerufen. Von 8 bis 18 Uhr ist der Gang zur Urne möglich. Den Weg sparen können sich 32.362 Bürger, die – Stand gestern Nachmittag – von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch gemacht haben. Traditionell lädt die Stadt am Wahlabend zur Wahlparty ein. Sie findet im Foyer der Abendakademie in U 1 statt. Wer dort besonderen Grund zum Feiern hat, dürfte gegen 19.30 Uhr feststehen. Dann wird Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) das vorläufige amtliche Endergebnis bekannt geben. Die Wahlparty ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Für musikalische Unterhaltung ist ebenfalls gesorgt. (Archivfotos: Kunz)

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