Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wer die Hotzenplotz-Ausstellung im Karlsruher Schloss sehen will, sollte früh buchen

Mit Maskierten aller Art dürfte Hotzenplotz keine Probleme haben.
Mit Maskierten aller Art dürfte Hotzenplotz keine Probleme haben.

Einem Räuber wird heutzutage auch nix mehr geschenkt. So geht’s auch dem Hotzenplotz. Die ihm gewidmete Ausstellung, die demnächst ins Karlsruher Schloss kommt, war in Stuttgart ein echter Straßenfeger. In Karlsruhe muss sie Corona-Auflagen angepasst werden.

„Vierzehn Tage lang Wasser und Brot – und jetzt Bratwurst mit Sauerkraut!“ Otfried Preußler legt seiner wohl beliebtesten Kinderbuchfigur einen Stoßseufzer in den Mund, wie er einem auch nach dem langen kulturellen Corona-Lockdown entfahren könnte. Hotzenplotz würden die vielen maskierten Gesichter, die ab Ende Oktober durch das Karlsruher Schloss streifen, sicher Spaß machen. Und die Kinder hinter ihrem Mundschutz dürften sich noch viel mehr darüber freuen, was es da zu erleben gibt.

Wartezeiten von bis zu drei Stunden haben Besucher in Stuttgart auf sich genommen, als die Mitmachausstellung bis Anfang 2019 in der Landeshauptstadt Premiere hatte. 70.000 kamen. Konzipiert wurde die Schau vom Kindermuseum Junges Schloss im Landesmuseum Württemberg in Kooperation mit dem Thienemann-Esslinger Verlag, der die Hotzenplotz-Trilogie ab 1962 herausgebracht hat. Für die atmosphärisch dichte Gestaltung erhielt das Designer-Studio Bernotat & Co den German Design Award.

Resonanz jetzt schon enorm

Sechs Monate vom 24. Oktober bis 25. April macht sie im Badischen Landesmuseum Station, bevor sie weiter nach Koblenz zieht. An eine Verlängerung ist also nicht zu denken. Ob aber in Karlsruhe auch so viele Menschen Gelegenheit für einen Besuch haben werden, wird stark davon abhängen, wie sehr sich die Corona-Regeln vielleicht wieder zuspitzen werden.

Die Resonanz sei jetzt schon enorm, erzählt Museumspädagogin Elke Kollar. Bis 999 – wie die Großmutter von Kasperl und Seppel – müssen kleine und große Interessenten nicht mehr zählen, bis sie sich anmelden können: Ab etwa Mitte Oktober soll das Buchungsportal freigeschaltet werden. Nach bisherigem Stand werden alle 90 Minuten 45 Besucher eingelassen – die Zeitfenster sollen vorab reserviert werden können, an der Tageskasse gibt es nur etwaige Restkarten.

Theatermaler haben die Kulissen geschaffen

Noch sind im Obergeschoss des Karlsruher Schlosses nicht alle Kisten ausgepackt. Doch die Theatermaler aus Stuttgart sind schon da gewesen und haben die Holzständerlandschaft, die für die Ausstellung eigens in den großen Raum gebaut wurde, liebevoll in recht knalligen Farben bemalt. Die Schau lässt die Buchillustrationen von Franz J. Tripp als begehbare 3-D-Landschaft auferstehen. Die Schau habe in Stuttgart nicht einfach ab- und in Karlsruhe wieder aufgebaut werden können, da die Kulissen auf die Wände des dortigen Kindermuseums gemalt waren, das aus vielen kleinen Kabinetten besteht.

Die Stationen aber sind mit wenigen Einschränkungen dieselben geblieben. Mit lebensgroßen Pappkameraden der wichtigsten Protagonisten werden die Besucher empfangen: Räuber Hotzenplotz mit seinen sieben Messern, Kasperl, Seppel, Großmutter, Oberwachtmeister Dimpfelmoser und der Zauberer Petrosilius Zwackelmann mit der gefährlich langen Nase. Wie Marionetten hängen sie an Fäden und erinnern so an die erste Inszenierung durch die Augsburger Puppenkiste. Und die Gestalten bleiben auch vor der Tür: Wenn der Besucher die Märchenwelt Preußlers einmal durch einen roten Bühnenvorhang betreten hat, soll er selbst in ihre Rollen schlüpfen.

Rosaroter Tatort

Erste Station: der Tatort. Großmutter liegt vor ihrer Küche in Ohnmacht, nachdem ihr Hotzenplotz die Kaffeemühle gemopst hat. Die Buchillustrationen bilden das Muster der rosa Küchentapete. Kinder sollen einen Tisch decken mit dem, was an diesem Wochentag gerade bei der Großmutter immer auf dem Speiseplan steht. Wer da nicht sattelfest ist, tischt Kasperl und Seppel womöglich an einem Sonntag ihre Lieblingsspeise auf. Potz Pulverdampf und Pistolenrauch!

Wer sich bei Details der Geschichten auf die Sprünge helfen lassen wollte, konnte in Stuttgart an altertümlichen schwarzen Wandtelefonen der passenden Passage lauschen. Doch die Apparate dürfen wohl wegen Corona in Karlsruhe nicht in Betrieb gehen. Stattdessen engagiere das Landesmuseum eigene Scouts, die den Besuchern helfen und auch bei Bedarf Episoden der Erzählung ins Gedächtnis rufen, erzählt Kollar.

Schöne Details säumen den Rundgang

Auch an der nächsten Station müssen die kleinen Besucher tatkräftig anpacken: Sie sollen die große Kiste mit Sand durch den Wald schleppen. Umgesetzt ist diese Szene trickreich mit einem Laufband, das eine Filmkulisse im Hintergrund in Gang setzt.

Viele schöne Details säumen den Weg der Sandspur durch die Ausstellung wie die Wortmühle, die das Spiel von Kasperl und Seppel um die Fantasienamen weiterführt. Nasiodilius Pickelbahn könnte da nach einem Schwung der vier Rollen zu lesen sein. Die Ladung mit der Pfefferpistole müssen die Kinder im Dosenwerfen verabreichen. Und eine rotierende Wundertrommel mit Gucklöchern zeigt den Sturz in die Räuberfalle. Ein Zauberspiegel zeigt den Betrachter mit gehobenem Bein als Kasperle. Und ganz zum Schluss verwandelt sich in einem riesigen Vexierbild in der Wachstube von Dimpfelmoser der Gimpel zurück in den Räuber Hotzenplotz.

Rundgang nicht als Einbahnstraße

Ein wenig gruselig ist die Räuberhöhle mit ihrer niedrigen Decke. Unheimlich ist auch der Zaubersaal von Petrosilius Zwackelmann mit den vielen leuchtenden Augen an den Wänden. Und der Unkengrund, in dem die Kinder mit Schwarzlichtlaternen nach Feenkraut suchen müssen, um Amaryllis gespenstisch als Lichtgestalt auferstehen zu lassen.

Die Ausstellung ist nicht als Einbahnstraße gestaltet, doch die Breite der Gänge reiche aus, um einen Abstand von anderthalb Metern einhalten zu können, sagt Kollar. Regelmäßig soll der Raum auf Durchzug gelüftet werden. Dazu sind eigens unsichtbare Türen in die Kulissen gebaut worden. Und an vielen Stellen sind Desinfektionsspender aufgestellt.

Preußler wollte sich mit dem Hotzenplotz selbst aufheitern

Der Eingangsraum ist also zugleich der Ausgang. Vielleicht werden viele Kinder erst beim Herausgehen die Muße aufbringen, sich hier den schönen Hintergrundinformationen zu widmen. In 38 Sprachen wurden die Hotzenplotz-Bücher übersetzt. Kollar erzählt, dass Preußler sich mit den lustigen Geschichten selbst aufheitern wollte, nachdem er zehn Jahre mit „Krabat“ gekämpft hat, in dem er die Nazi-Zeit verarbeitet hat.

Der Autor habe übrigens nie eine Fortsetzung im Sinn gehabt – sonst hätte er eine so schillernde Figur wie den Zauberer Petrosilius Zwackelmann doch nicht sterben lassen, hat er selbst einmal gesagt. Und die Empörung seiner jungen Leser, dass doch der Langhaardackel Wasti der Witwe Schlotterbeck immer noch in ein Krokodil verwandelt ist, brachte Preußler dazu, ein drittes Mal auszuholen.

Inspirationen waren die Dunkelstunden der Großmutter

Die vielen Briefe von Kindern werden im Nachlass des 2013 gestorbenen Autors in der Staatsbibliothek Berlin aufbewahrt. „Preußler hat großen Wert darauf gelegt, alle Briefe selbst zu beantworten“, erzählt Kollar. Die häufigsten Fragen hat die Museumspädagogin für eine Vitrine im Eingang ausgewählt. Etwa, wie der Autor auf die Ideen für seine Bücher gekommen ist. Preußler hat in seiner Antwort von der Familientradition der Dunkelstunde erzählt, in der seine Großmutter immer Geschichten aus der nordböhmischen Heimat erzählt hat. Und von dem beliebten Zeitvertreib des Kasperletheaters auf dem Dachboden der Nachbarskinder. In einer anderen Vitrine soll eine Kasperle-Figur aus den 1930er-Jahren zu sehen sein, in deren Tradition Preußler seinen Hotzenplotz sah.

Nach „Cowboy & Indianer“ ist „Hotzenplotz“ das zweite Ausstellungsprojekt für Familien im Karlsruher Schloss. Mit Formaten für junges Publikum möchte das Badische Landesmuseum Erfahrungen sammeln im Hinblick auf ein geplantes Kindermuseum nach der Generalsanierung des Schlosses, die 2024 starten soll.

Termin

„Räuber Hotzenplotz“ vom 24. Oktober bis 25. April 2021 im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss: Di-Do 9-17 Uhr, Fr-So und Feiertage 10-18 Uhr. Eintritt: acht Euro, ermäßigt sechs Euro. Reservierung im Netz unter.
Im Unkengrund müssen die Kinder mit Schwarzlicht Feenkraut suchen.
Im Unkengrund müssen die Kinder mit Schwarzlicht Feenkraut suchen.
Die Küche der Großmutter, in der kleine Besucher den Tisch decken sollen.
Die Küche der Großmutter, in der kleine Besucher den Tisch decken sollen.
x