Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Waldfischbach-Burgalben: Sozialstation in neuem Haus

In den letzten Zügen liegen die Arbeiten im Multifunktionsraum für das neue Angebot der Sozialstation: die Tagesbetreuung.
In den letzten Zügen liegen die Arbeiten im Multifunktionsraum für das neue Angebot der Sozialstation: die Tagesbetreuung. Foto: Andrea Daum

Neuer Standort, moderne Räume, neues Angebot: Die Sozialstation in Waldfischbach-Burgalben hat Grund zum Feiern. Auf den Tag genau 45 Jahre nach Gründung der Ökumenischen Sozialstation Waldfischbach e. V. haben die Mitarbeiter am 1. Oktober ihren Dienst im neuen Gebäude aufgenommen. Am 26. Oktober wird die Station offiziell eingeweiht.

In der Heinestraße 3-9 in Waldfischbach-Burgalben steht das neue Gebäude. Die Sozialstation ist mittlerweile zum drittgrößten Arbeitgeber im Ort aufgestiegen. 62 Mitarbeiter zählt sie. Davon sind 52 im Pflege- und Hauswirtschaftsbereich, also im Außendienst tätig. Es bestehe ständig Bedarf an gut ausgebildetem Personal, sagt Rolf Roschy, Verwaltungsleiter mit geschäftsführenden Aufgaben.

In der Pflege bildet die Sozialstation aus. „Bei uns werden die Mitarbeiter nach Tarif bezahlt“, unterstreicht Berthold Martin, Vorstand der Sozialstation. Der Tarif liege über Mindest- und dem höheren Pflegemindestlohn (11,05 Euro/Stunde).

Strom vom Dach

Die Mitarbeiter legen pro Jahr über 450.000 Kilometer zurück. Mit 42 Autos, darunter mittlerweile umweltfreundliche E-Mobile, versorgen sie mehr als 400 Patienten und Kunden im nördlichen Teil des Landkreises Südwestpfalz, im Schwerpunkt in den Verbandsgemeinden Waldfischbach-Burgalben, Rodalben und Thaleischweiler-Wallhalben. Von Beginn an war beim Neubau vorgesehen, dass Ladestationen für Elektromobile installiert werden.

Der Strom kommt vom eigenen Dach. Die Station sei energieautark, betonen Verwaltungsleiter und Vorstand. Die Sozialstation produziere mehr, als sie benötigt. Vorrang habe die Eigennutzung des erzeugten Stroms. Dafür wurde im Keller ein Batteriespeicher installiert. „Wir haben funktional und zukunftsgerichtet gebaut“, unterstreicht Roschy.

Dass im Verlauf der Arbeiten immer wieder umgeplant wurde, zusätzliche Bauteile wie der Batteriespeicher eingeplant wurden, hat den Bau verteuert und verzögert. 2,8 Millionen Euro wurden investiert (geplant war mit unter zwei Millionen). Bezuschusst wurde das Bauprojekt unter anderem mit 215.000 Euro vom Deutschen Hilfswerk (Fernsehlotterie).

Tagesbetreuung kommt hinzu

Beim Spatenstich 2016 war von einem Umzug bis Ende 2018 ausgegangen worden. Dass dieser Termin nicht gehalten wurde, war unproblematisch. Die Sozialstation konnte ihr bisheriges Domizil – Eigentümer ist die katholische Kirche – weiter nutzen. „Uns war es wichtig, dass wir, wenn wir jetzt schon bauen, tatsächlich richtig aufgestellt sind für die Zukunft“, betont Roschy. Das habe zum Beispiel für die Digitalisierung gegolten. Die werde auch in der Pflege weiter an Bedeutung gewinnen.

Ein Grund, warum die Sozialstation in einen modernen Neubau investiert hat, ist ein erweitertes Angebot: Eine Tagesbetreuung kommt nun zu Pflege, medizinischer Versorgung nach ärztlicher Verordnung, Menüservice und Haushaltshilfe hinzu. Ein großer multifunktionaler Raum ist das Herzstück der Tagesbetreuung. Er schließt als einstöckiger Flachbau an das neue zweistöckige Verwaltungsgebäude an. Aktuell wird an der Außenanlage noch gearbeitet. „Wir haben uns während der Bauphase entschieden, diesen gleich mitzugestalten“, nennt Roschy einen weiteren Grund für die Kostensteigerung. Durch großzügige Fenster und Türen wird der Außenbereich optisch ins Gebäude integriert, gerade dort, wo die Tagesbetreuung stattfinden soll.

Mehr Platz: 875 Quadratmeter

Die Zusammenarbeit mit dem Bauherrn sei sehr gut gewesen, sagt Architekt Reiner Bosle aus Weselberg: „Es war eine harmonische Abwicklung und effektive Zusammenarbeit mit den Entscheidungsträgern der Bauherrenseite.“

Mit Vorplanungen war das Projekt 2014 angestoßen worden. 2015 wurden die alten Gemeindehäuser abgerissen, die die Sozialstation gekauft hatte und die dem Neubau Platz machten. Das neue Gebäude bietet auf zwei Stockwerken 875 Quadratmeter Nutzfläche. Drei wesentliche Funktionsbereiche kennzeichnen den Neubau, erläutert Architekt Bosle: Verwaltungsräume im Obergeschoss (205 Quadratmeter), Räume für den Pflegedienst inklusive Lager (145) und der Mehrzweckbereich mit Tagesbetreuung im Erdgeschoss (230). Dazu kommen weitere Funktionsräume in dem hellen Gebäude, das sich bei der Farbgebung am Logo der Sozialstation in Weiß, Rot und Orange orientiert hat.

Bleiglasfenster aus Bad Bergzabern

„Wir haben jetzt alles getrennt, haben separat Platz für Kunden- und Mitarbeitergespräche und unser alltägliches Verwaltungsgeschäft“, sagt Roschy, der sich darüber freut, dass die Station nun mehr Platz bietet.

Dabei wurden künstlerische Akzente gesetzt: Im Multifunktionsraum findet sich ein großes Bleiglasfenster, das die Firma Glaskunst Krumholz aus Bad Bergzabern gestaltet hat. Ein zweites Bleiglasfester soll im Eingangsbereich für besonderes Licht sorgen und den christlichen Ursprung und Leitgedanken der Ökumenischen Sozialstation unterstreichen.

Zur Sache: Tagesbetreuung

Menschen über Tag zu betreuen, damit diese in wohnlicher Atmosphäre gemeinsam mit anderen aktiv sein können, aber auch Ruheorte finden, war ein Grund, aus dem die Sozialstation neu baute. Der künftigen Tagesbetreuung ist ein großer Teil des Neubaus gewidmet. Das Angebot entlaste pflegende Angehörige und soll starten, wenn Umzug und Bauarbeiten endgültig bewältigt sind, sagt der Verwaltungsleiter der Sozialstation, Rolf Roschy. Die Tagesbetreuung diene als Ergänzung der häuslichen Pflege. Verbunden ist sie mit einem Hol- und Bringservice, einem Beschäftigungsprogramm für die Tagesgäste, Ruhemöglichkeiten und gemeinsamem Essen. Eine Küche gehört dazu. In einer Gruppe können bis zu 14 Senioren betreut werden. Das Umfeld ist wohnlich gestaltet, man kann die Außenanlagen nutzen. Es gebe eine Warteliste von Interessenten, sagt Roschy. Weitere Informationen bei der Sozialstation (Telefon 06333/77255). Dort wird auch über die Finanzierung informiert, zum Beispiel über Pflege- und Ergänzungsleistungen.

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