Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Vor 50 Jahren schlossen sich Niedereisenbach und Hachenbach zu Glanbrücken zusammen

Symbol und Namensgeber: die Glanbrücke zwischen Niedereisenbach und Hachenbach. Foto: Sayer
Symbol und Namensgeber: die Glanbrücke zwischen Niedereisenbach und Hachenbach.

Viele Brücken führen über den Glan, doch gibt es nur ein Glanbrücken. Doch das war nicht immer so. Vor 50 Jahren schlossen sich Niedereisenbach und Hachenbach zu der Gemeinde mit neuem Namen zusammen. Und sind heute Beispiel für eine gelungene Gebietsreform.

Wir schreiben das Jahr 1968: Fährt man auf der Bundesstraße 420 von St. Julian aus Richtung Lauterecken, macht man Zwischenstation im Ort Niedereisenbach im Landkreis Birkenfeld. Er ist ein gewöhnlicher Ort mit seinen Handwerkern, Landwirten, Frauen und Kindern. Am geschäftigen Bahnhof Niedereisenbach-Hachenbach steigen Fahrgäste in den Zug nach Meisenheim ein und der spitze Glockenturm der Valentinskirche schaut ehrwürdig auf die umliegenden Gebäude hernieder.

Ein Jahr später: Die Bewohner gehen wie gewohnt ihren Geschäften nach. In den Vorgärten toben Kinder, in Eckels Metzgerei wandert Hausmacher über die Ladentheke und auch am Bahnhof geht das Leben unverändert weiter. Oder sagen wir: fast unverändert. Denn die rüstige Glantalbahn hielt zwar immer noch an der Haltestation Niedereisenbach-Hachenbach, die befand sich aber plötzlich in Glanbrücken, im Landkreis Kusel. Was war geschehen?

Bis zur Einheit dauert es

Durch die Gebiets- und Funktionalreform im Jahr 1969 wurden Orte zusammengeschlossen, darunter auch die beiden Nachbardörfer Niedereisenbach und Hachenbach, die zusammen die Gemeinde Glanbrücken bildeten. Es war ein plötzlicher Neuanfang für die zwei Ortsteile. Insbesondere zur Anfangszeit achtete man penibel darauf, dass keine Seite zu kurz kam. Zuwendungen wurden gerecht verteilt, an den zwei Wahllokalen festgehalten, auch gab es lange Zeit noch zwei Poststellen. Um die Kosten für eine Ummeldung zu sparen, fuhr der Traktor von Albert Keiper noch jahrzehntelang mit Birkenfelder Kennzeichen herum. All das gehörte einfach zum Ortsbild. „Es musste wachsen“, sagt Ortsbürgermeister Guido Hablitz. Über die Jahre hinweg habe man jedoch gelernt, an einem Strang zu ziehen, und sei zu einer Einheit geworden. Das allerdings brauchte seine Zeit.

Während sich einige Kommunen bei ihrer Verschmelzung für einen Doppelnamen entschieden, der sowohl klanglich als auch optisch an die zusammengeschlossenen Orte erinnert, kam dies für Glanbrücken nicht infrage. Zu lang wirkte der Zusammenschluss beider Namen, und schon gar nicht wollte man sich mit dem Gedanken quälen, welcher Ort vorne und welcher hinten stehen würde. Ein Kompromiss musste her. Die zwei Ortsräte sahen in der gemeinsamen Glanbrücke einen idealen Namenspaten. Glanbrücken war geboren. Das Lustige daran: Die „Hachenbacher Rehbeck“ und die „Eisenbacher Wickewacke“ hatten sich dort noch gerne mit Steinen beworfen ...

Erst 2015 gemeinsamer Gottesdienst

Sicher war es dem Zusammenwachsen auch nicht dienlich, dass ausgerechnet die religiösen Verhältnisse den Ort noch lange Zeit nach seiner Zusammenlegung weiterhin spalteten. Niedereisenbach gehört nämlich auch heute noch zur rheinischen Landeskirche, Hachenbach dagegen zur Pfarrei St. Julian. Wenn die Glocken der Valentinskirche zum Gottesdienst läuteten, folgten nur die Niedereisenbacher dem Ruf. Die Hachenbacher hielten hingegen ihren Gottesdienst im Gemeinschaftshaus auf der anderen Seite des Glans ab. Erst im Jahr 2015, fast 50 Jahre nach der Zusammenlegung und nachdem Ortsbürgermeister, Gemeinderat und Bürger jahrzehntelang bei den Kirchenstellen gebohrt hatten, feierte der ganze Ort seinen Gottesdienst gemeinsam.

Schon damals lebten Sports- und Teamgeist vor, wie Zusammenhalt funktioniert, erinnert sich Klaus Becker. Er ist Mitglied verschiedener Vereine, insbesondere im Heimatverein Glanbrücken aktiv. „Dass beide Ortsteile so gut zusammenwuchsen, ist viel den Vereinen geschuldet, beispielsweise wo Sport im Spiel war. Dort wurde schon damals gemeinsam gespielt, gewonnen, verloren und gefeiert.“ Als Paradebeispiel dient die Spielvereinigung Niedereisenbach. Noch bevor Glanbrücken offiziell getauft wurde, einte der Fußball Menschen auf beiden Seiten des Glans unter einem gemeinsamen Banner.

Kerwe zuerst noch getrennt

Ironischerweise steht ausgerechnet die Kerwe im Ort im schrillen Kontrast dazu. Denn auch nachdem beide Orte zusammengelegt worden waren, hielt man daran fest, dass jeder Ortsteil seine eigene Kerwe feiert. Es war eine Tradition, die man insbesondere wegen der Gastronomien im Ort nicht brechen wollte. Erst 1992 kam es zu einer ersten gemeinsamen und großen Zeltkerwe. Und dass es so weit kam, war aus der Not geboren. Denn ohne einen Wirt, der das Fest ausrichtete, standen beide Kerwen auf Messers Schneide. Die damalige Straußjugend startete eine Umfrage im Ort und trug die Angelegenheit dem Gemeinderat vor. Dieser war einsichtig: Aus zwei kleinen wurde schließlich eine große Kerwe.

So freimütig wie die Jugend im Ort waren längst nicht alle. Insbesondere die älteren Bewohner hingen noch an der Vergangenheit. Bei einer Meinungsumfrage, ob man eine gemeinsame Kerwe feiern sollte, stand die ältere Generation der Angelegenheit eher kritisch gegenüber. Von Bosheit oder gar Feindseligkeit darf man aber nicht reden, mahnt der an der Glanbrücker Historie interessierte Hans-Georg Leppla. Patriotismus? Stolz? Angst vor Veränderung? Vielleicht von jedem ein bisschen.

Ortsbürgermeister Guido Hablitz ist sich sicher: „Wäre es nicht damals zu einer Zusammenlegung gekommen, sondern würden wir stattdessen heute darüber sprechen, wären die Leute offener und kompromissbereiter.“

Die Barrieren in den Köpfen der Menschen sind mittlerweile gefallen, aus den Trümmern sinnbildliche Brücken entstanden. Die große Glantalbrücke steht für die symbolische Verbundenheit beider Ortsteile, einer lange Vergangenheit in Zweisamkeit und einer gemeinsamen Zukunft.

Ortsgemeinden, die vor 50 Jahren oder danach fusionierten

  • Altenglan: Zusammenschluss mit Mühlbach und Patersbach (1969)Bosenbach: Zusammenschluss mit Friedelhausen (1971)Glanbrücken: Zusammenschluss aus Hachenbach und Niedereisenbach (1969)Glan-Münchweiler: Zusammenschluss mit Bettenhausen (1969)Hefersweiler: Zusammenschluss mit Berzweiler (1969)Henschtal: Zusammenschluss aus Haschbach/Glan und Trahweiler (1969)Kreimbach-Kaulbach: Zusammenschluss aus Kreimbach und Kaulbach (1969)Kusel: Zusammenschluss mit Bledesbach (1974)Matzenbach: Zusammenschluss mit Eisenbach und Gimsbach (1971)Nanzdietschweiler: Zusammenschluss aus Dietschweiler, Nanzdiezweiler und Nanzweiler (1969)Offenbach-Hundheim: Zusammenschluss aus Offenbach und Hundheim (1969)Quirnbach: Zusammenschluss mit Liebsthal (1975)St. Julian: Zusammenschluss mit Gumbsweiler und Eschenau (1969)Schönenberg-Kübelberg: Zusammenschluss aus Schönenberg, Kübelberg, Sand und Schmittweiler (1969)Steinbach: Zusammenschluss mit Frutzweiler (1969)Theisbergstegen: Zusammenschluss mit Godelhausen (1969)Wolfstein: Zusammenschluss mit Roßbach (1979)
  • Eine Besonderheit ist Bedesbach: Die Bürger hatten zwar einem Zusammenschluss mit Patersbach zugestimmt, nicht aber einer Fusion mit Altenglan und Mühlbach, wie sie dann ursprünglich umgesetzt werden sollte. Bedesbach zog vor den rheinland-pfälzischen Verfassungsgerichtshof. Der gab den Bedesbachern Recht, die mit Wirkung vom 25. Februar 1970 wieder eigenständig wurden.

    Zur Sache

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