Kultur Südpfalz Von Noten und Banknoten

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Um Johannes Brahms und die Kurpfalz gibt es beim Vortrag mit Musik in der Musikschule Rita Kottner, bei der der Historiker und frühere Landauer Stadtarchivar Michael Martin zu Gast war. Er wandte sich mit seiner Betrachtung vornehmlich dem Musikleben im kurpfälzisch-badischen Raum am Ende des 19. Jahrhunderts zu.

Und er gewährte dem Publikum bei Brahms den „diskreten Blick ins Private und insbesondere seine Vermögensverhältnisse.“ So meisterlich, beherrschend und selbstbewusst Johannes Brahms mit der einen Art von Noten umzugehen wusste, so kläglich und unverständig muss er sich der anderen Sorte gegenüber verhalten haben, vielleicht erst recht, als im Lauf der Jahres seine Einkünfte ständig stiegen und er seine Finanzlage kaum noch überblickte: Als „sehr ungeschickt in Geldsachen“ bekannte er sich selbst. Das musikalische Pendant dazu lieferten zwei junge Künstler: Johannes Anefeld, der an der Musikschule Kottner seit 2000 Violinunterricht erteilt und Birgit Thorwart, die dort in einer Klavierklasse lehrt; beide sind auch mit weiteren Festaufträgen in Karlsruhe und Stuttgart tätig. Bewundernswert souverän verliehen sie der Brahms’schen Sonate für Violine und Klavier A-Dur op. 100 starken Ausdruck, in den drei Sätzen tempogerecht einfühlsam, teils mit kräftigem Zugriff, teils moderat, fingerfertig und fein nuanciert. Damit zeigten sie sich als zwei in ihrer Leistung stark beeindruckende junge Künstler auf erfolgreichen Wegen. Leicht ernüchternd wirkten danach die Ausführungen Martins, die sich auf eine von ihm 1983 zu dessen 150. Geburtstag vorgenommene Edition von Briefen Brahms’ stützten, die ihm in seiner damaligen Tätigkeit als stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Mannheim zugänglich gemacht worden waren. Ihr Adressat war der Mannheimer Bankier Wilhelm Lindeck, zum Katholizismus übergetretener Sohn eines Rabbiners mit dem Namen Levi. Dessen Bruder Hermann Levi (der Dirigent der „Parsifal“-Uraufführung) unterhielt als Kapellmeister am Karlsruher Hoftheater schon längere Zeit Beziehungen zu Brahms und empfahl ihm vermutlich, einen Teil seines Vermögens bei Lindeck anzulegen. Mannheim war aber nur einer von mehreren Bezugspunkten von Brahms zum deutschen Südwesten: In Lichtental bei Baden-Baden wohnte seit 1863 Clara Schumann, seine lebenslange Freundin, deren Nähe er suchte, nachdem ihm in Hamburg (seinem Geburtsort) nicht die erhoffte Leitung der Philharmonischen Konzerte übertragen worden war. Aus der musikalischen Zeit in der Kurpfalz verwies Martin auf Auftritte von Brahms als „begnadeter Pianist“, als Solist und Kammermusiker, dem gegenüber sich die Rezensenten freilich ein wenig zurückhaltender gaben. Von „rein geschäftlichem Charakter“ blieb dagegen die Verbindung zu Wilhelm Lindeck geprägt, und sie habe auch nur kurz gedauert, bis es zu Auseinandersetzungen um die Person und die Musik Richard Wagners kam. Einer auf der Seite der Neutöner war der Meinung, Brahms mache „unsere Gegend unsicher“. Martin hielt jedoch dagegen, dass von einer Strategie Brahms’ gegen Wagner nicht die Rede sein könne und die Streitereien eher von der Gegenseite geführt wurden. Der Prozess der Trennung Brahms’ von Lindeck hat sich nach Martin schleichend vollzogen, Brahms habe mit der „überaus korrekten Verwaltung“ seiner Finanzen zufrieden sein können. Martin hat das Thema Brahms noch einmal beschäftigt, als er über die Deportation der badisch-pfälzischen Juden nach Gurs 1940 forschte. Da tauchte der Name von Helene Hecht auf, die einen Salon in Mannheim führte und 1933, damals schon 80 Jahre alt, als große Mäzenin im Zusammenhang mit dem 100. Geburtstag von Brahms gewürdigt wurde. In Gurs, wohin sie verschleppt werden sollte, ist sie lebend nicht angekommen, aber bis heute ist auch nicht herausgefunden worden, wo sie starb. Am Rande der Matinee beglückwünschte Rita Kottner den Landauer Pianisten und Musikpädagogen Peter Imo, Vorsitzender des Musikschul-Freundeskreises, der am selben Tag das 77. Lebensjahr vollendete. (hd)

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